Krabat

Falscher Zauber in der Mühle

Ina Hochreuther, veröffentlicht am 09.10.2008
Filmbeschreibung
Welcher Weg führt zu einem zufriedenen, selbstbestimmten Leben? Lässt der Gang durch die eine Tür eine andere womöglich für immer zuklappen? Es ist die Phase der Pubertät, in der sich diese Fragen zum ersten Mal stellen, aber sie begleiten einen für immer. Insofern steckt in Otfried Preußlers Jugendbuch "Krabat" von 1971 etwas zeitlos Universelles. Es erzählt von der Verführung durch die Macht, von der Kraft der Liebe, von trügerischer Geborgenheit und von den Herausforderungen der Freiheit.

Auf einer sorbischen Sage beruhend, spielt die Geschichte in der Oberlausitz zu Beginn des 18. Jahrhunderts, als August der Starke in Sachsen regiert. Der Drehbuchautor Michael Gutmann ("Crazy") und der Regisseur Marco Kreuzpaintner ("Sommersturm") haben sie für ihren Film etwas weiter nach hinten verlegt, in eine vertrauter wirkende, weil einheitlich ärmlichere Zeit, nämlich die des Dreißigjährigen Krieges, der 1648 endete. Anfangs sehen wir da einen Bettlerjungen in zerschlissenen Klamotten durch die Lande ziehen. In den Kriegswirren hat der 14-jährige Krabat seine Eltern verloren - Otto Sander führt als Erzähler mit gutturaler Stimme in die Geschehnisse ein. Eines Nachts wird Krabat durch eine Art Wachtraum in eine mysteriöse Mühle gelockt. Der unheimliche Müller (Christian Redl) nimmt ihn auf.

Gemeinsam mit elf anderen Burschen schuftet Krabat vor sich hin und ist doch froh, ein Dach über dem Kopf gefunden zu haben. Bald aber weiht man ihn in ein Geheimnis ein. Die Mühle erweist sich als Zauberschule. Der Meister lehrt seine Gesellen die schwarze Magie. Zuerst ist Krabat, gespielt von dem aus "Knallhart" bekannten David Kross, fasziniert. Doch als Tonda (Daniel Brühl) ums Leben kommt, ahnt er, auf welch gefährlichen Bund er sich da eingelassen hat. In dem sich tumb stellenden Küchenjungen Juro findet er einen Freund. Von ihm erfährt er, dass es die Liebe eines Mädchens braucht, um den Meister zu überwinden. Krabat, schon seit längerem in Kantorka (Paula Kalenberg) aus dem nächstgelegenen Dorf verliebt, nimmt den Kampf auf, obwohl er im Falle eines Sieges seine neuen Zauberkräfte wieder verlieren wird.

Die Romanhandlung kommt im Film gestrafft daher, einerseits. Andererseits erfährt Krabat von der düster endenden Liebesgeschichte Tondas hier nicht nur durch Berichte, sondern erlebt Teile davon auch selbst. Das ist dramaturgisch stimmig. Vor allem aber begeistert die dichte Inszenierung. Ein Großteil der Dreharbeiten fand in der rauen Natur der rumänischen Karpaten statt. Der Kameramann Daniel Gottschalk entwirft düstere, unheilschwangere Bilder rund um die Mühle, um dann wieder mit lichten, großen Aufnahmen der Berge den Blick zu weiten. Spürbar kalte, lange graue Winter wechseln mit kurzen, warmen, scheinbar sorglosen Sommermomenten. Zudem durchzieht eine feine Farbgebung den Film bis hinein in die Kleidung der Figuren. Anke Winckler, die Kostümbildnerin, verpasst den Gesellen ein Wams, dessen jeweilige Farbe ein Stück des Charakters symbolisiert. Krabat, der ein wenig unbedarft in die Gruppe hineinstolpert, trägt Grün, der warmherzige Tonda ist rötlich gewandet, der stille, undurchsichtige Juro (Hanno Koffler) bläulich und Krabats falsch erscheinender Gegenspieler Lyschko (Robert Stadlober) kommt in Gelbtönen daher. In diese sorgfältige Ausstattung fügen sich tricktechnische Elemente nahtlos ein, etwa die Verwandlung der zwölf Burschen in Raben. Und trotz des Staraufgebots funktioniert die Riege junger Schauspieler überraschend gut als Ensemble. Kreuzpaintner gelingt es, einzelne Charaktere zu entwickeln, ohne die anderen als blasse Nebenfiguren verschwimmen zu lassen.

Das ruhige Erzähltempo entfaltet einen enormen Sog, und der Film vermag bis zur letzten Minute zu fesseln. Der Geist der Vorlage blitzt in der filmischen Initiationsgeschichte nicht zuletzt über den eigens dazu ersonnenen Off-Erzähler auf. Er wirkt am Schluss, als gebe er eigene Erinnerungen preis, wenn er altersweise raunt: "Alles hat seinen Preis. Aber wir gewannen etwas zurück, das gegen nichts auf der Welt einzutauschen ist: unsere Freiheit." Nach dem schaurig-schönen, tschechisch-deutschen Zeichentrickfilm von Karel Zeman aus dem Jahr 1977, der leider nicht auf DVD vorliegt, überzeugt nun auch diese Realverfilmung von "Krabat". Ihre Botschaft klingt lange nach: wenn einer stark ist, kann er auch andere stark und solidarisch machen!
 
Mehr StZ Filmkritiken

Alle Artikel anzeigen
Anzeigen

Was möchten Sie unternehmen?
Wann möchten Sie etwas unternehmen?
vorheriger Monat
Monat
kommender Monat
Heute Morgen Akt. Woche
MODIMIDOFRSASO
0123456
0123456
0123456
0123456
0123456
0123456
Aktuelle Videos


Sie suchen eine neues Zuhause?

Wir haben Sie alle! Mieten oder kaufen, Wohnung oder Haus. In Baden-Württembergs bedeutendstem Immobilienmarkt finden Sie Angebote aus Stuttgart, der Region und dem Rest der Republik.
zur Immobiliensuche
StZ digital
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
Für Abonnenten

Für Käufer
Hier können sie sich über Preise informieren, Abos abschließen oder Einzelexemplare kaufen.
Trailer oder Video auf filmstarts.de