Ingrid Hönlinger
"Die Trennung entspricht der grünen Seele"
Fragen von Holger Gayer, veröffentlicht am 13.10.2008
Ludwigsburg - Ingrid Hönlinger ist eine der Gewinnerinnen des Grünen-Parteitags; sie hat die etablierte Nürtinger Bundestagsabgeordnete Uschi Eid besiegt und vom neunten Platz auf der Landesliste verdrängt. Im Gespräch mit Holger Gayer nennt die Rechtsanwältin aus Ludwigsburg Gründe.
Herzlichen Glückwunsch, Frau Hönlinger, zum Start von praktisch null auf Platz neun der baden-württembergischen Grünen. Wie fühlt sich das denn an?
Fantastisch fühlt sich das an. Zumal ja offen war, wie viel Unterstützung Uschi Eid bekommt. Ich wusste aber, dass dieses Duell für mich die einzige Chance war, noch einen halbwegs sicheren Listenplatz zu bekommen, deswegen musste ich gegen sie antreten. Und es ist gelungen - mit einer breiten Unterstützung der gesamten Basis.
Und Uschi Eid bleibt nach vielen Jahren im Bundestag und als Parlamentarische Staatssekretärin im Entwicklungshilfeministerium einfach so auf der Strecke?
Natürlich ist das bitter für sie, gar keine Frage, und ganz persönlich tut sie mir auch leid. Aber es gibt eben nur eine ganz limitierte Zahl von Plätzen auf der Landesliste, und wenn man wirklich eine Chance haben will, in den Bundestag zu kommen, dann muss man da antreten. Nachdem ich 2005 schon einmal im Wahlkreis Ludwigsburg kandidiert habe, gibt mir der Listenplatz neun jetzt einen enormen Schub im Wahlkampf - vor allem wenn man weiß, dass wir im Moment acht Bundestagsabgeordnete haben und beim letzten Mal nur hundert Stimmen gefehlt haben, um auch den Neunten noch ins Parlament nach Berlin zu bekommen.
Außerhalb Ludwigsburgs sind Sie ziemlich unbekannt. Was hat die Grünen dazu bewogen, Sie trotzdem zu wählen?
Ich habe mich in den vergangenen Jahren sehr in der Partei engagiert. Ich bin eine von nur sechs baden-württembergischen Basisdelegierten für den Länderrat, war in den Landesarbeitsgemeinschaften und auch bei den Treffen der Kreisvorstände dabei und habe bei alledem sehr viel inhaltlich gearbeitet. Von daher kenne ich sehr viele Leute...
...die Sie jetzt belohnt und den arrivierten Stars die Quittung erteilt haben?
Das sehe ich nicht so. Vielleicht sollte einfach mal ein neuer Name auf der Liste stehen...
...und dafür der eine oder andere fehlen? Was wird aus Cem Özdemir?
Ich finde schade, wie es für ihn gelaufen ist, freue mich aber, dass er den Bundesvorsitz übernehmen wird. Cem hat immer noch einen sehr guten Stand - in der Partei und in der Öffentlichkeit. Er verkörpert die neue Generation, die Bütikofer gefordert hat, und er steht für eine offene Politik. Wenn jemand mit Migrationshintergrund Bundesvorsitzender der Grünen würde, hielte ich das für ein sehr gutes Zeichen für Deutschland.
Nach dieser Lobpreisung mutet es umso überraschender an, dass Özdemir am Wochenende durchgefallen ist, oder?
Das mag für Außenstehende so sein. Die Basis hat aber entschieden, dass Amt und Mandat nicht in einer Person vereint sein sollen - zumal wir noch viele andere gute Leute haben.
Aber ist die Diskussion um die Trennung von Amt und Mandat nicht eine Diskussion von vorgestern, die im realen Jahr 2008 eher anachronistisch daherkommt?
Diese Diskussion hat in der Tat Tradition bei den Grünen, und ich sehe auch die Vorteile einer Vermischung von Amt und Mandat: Man hat mehr Macht und ist als Parteivorsitzender besser mit der Bundestagsfraktion verknüpft, wenn man ihr angehört. Ich sehe aber auch den Charme einer Trennung: Dann ist die Verantwortung auf mehreren Schultern verteilt, und mehr Leute bekommen die Möglichkeit, sich zu engagieren. Dies halte ich für eine der größten Stärken unserer Partei; die Trennung von Amt und Mandat entspricht der grünen Seele.
Zur Person: Die Durchstarterin
Ingrid Hönlinger, Jahrgang 1964, ist erst seit 2005 Mitglied der Grünen und im Jahr ihres Parteieintritts auch gleich als Kandidatin im Wahlkreis Ludwigsburg in den Bundestagswahlkampf gezogen. Die Rechtsanwältin erhielt damals 8,75 Prozent der Erststimmen, gut zwei Prozent weniger als die Grünen in ihrem Wahlkreis bei den Zweitstimmen sammeln konnten. Ingrid Hönlinger gehört dem Kreis- und dem Ortsvorstand der Grünen in Ludwigsburg an und ist Basisdelegierte im Länderrat der Partei. Sie ist verheiratet mit Siegfried Rapp, der für die Grünen im Ludwigsburger Gemeinderat sitzt.
Herzlichen Glückwunsch, Frau Hönlinger, zum Start von praktisch null auf Platz neun der baden-württembergischen Grünen. Wie fühlt sich das denn an?
Fantastisch fühlt sich das an. Zumal ja offen war, wie viel Unterstützung Uschi Eid bekommt. Ich wusste aber, dass dieses Duell für mich die einzige Chance war, noch einen halbwegs sicheren Listenplatz zu bekommen, deswegen musste ich gegen sie antreten. Und es ist gelungen - mit einer breiten Unterstützung der gesamten Basis.
Und Uschi Eid bleibt nach vielen Jahren im Bundestag und als Parlamentarische Staatssekretärin im Entwicklungshilfeministerium einfach so auf der Strecke?
Natürlich ist das bitter für sie, gar keine Frage, und ganz persönlich tut sie mir auch leid. Aber es gibt eben nur eine ganz limitierte Zahl von Plätzen auf der Landesliste, und wenn man wirklich eine Chance haben will, in den Bundestag zu kommen, dann muss man da antreten. Nachdem ich 2005 schon einmal im Wahlkreis Ludwigsburg kandidiert habe, gibt mir der Listenplatz neun jetzt einen enormen Schub im Wahlkampf - vor allem wenn man weiß, dass wir im Moment acht Bundestagsabgeordnete haben und beim letzten Mal nur hundert Stimmen gefehlt haben, um auch den Neunten noch ins Parlament nach Berlin zu bekommen.
Außerhalb Ludwigsburgs sind Sie ziemlich unbekannt. Was hat die Grünen dazu bewogen, Sie trotzdem zu wählen?
Ich habe mich in den vergangenen Jahren sehr in der Partei engagiert. Ich bin eine von nur sechs baden-württembergischen Basisdelegierten für den Länderrat, war in den Landesarbeitsgemeinschaften und auch bei den Treffen der Kreisvorstände dabei und habe bei alledem sehr viel inhaltlich gearbeitet. Von daher kenne ich sehr viele Leute...
...die Sie jetzt belohnt und den arrivierten Stars die Quittung erteilt haben?
Das sehe ich nicht so. Vielleicht sollte einfach mal ein neuer Name auf der Liste stehen...
...und dafür der eine oder andere fehlen? Was wird aus Cem Özdemir?
Ich finde schade, wie es für ihn gelaufen ist, freue mich aber, dass er den Bundesvorsitz übernehmen wird. Cem hat immer noch einen sehr guten Stand - in der Partei und in der Öffentlichkeit. Er verkörpert die neue Generation, die Bütikofer gefordert hat, und er steht für eine offene Politik. Wenn jemand mit Migrationshintergrund Bundesvorsitzender der Grünen würde, hielte ich das für ein sehr gutes Zeichen für Deutschland.
Nach dieser Lobpreisung mutet es umso überraschender an, dass Özdemir am Wochenende durchgefallen ist, oder?
Das mag für Außenstehende so sein. Die Basis hat aber entschieden, dass Amt und Mandat nicht in einer Person vereint sein sollen - zumal wir noch viele andere gute Leute haben.
Aber ist die Diskussion um die Trennung von Amt und Mandat nicht eine Diskussion von vorgestern, die im realen Jahr 2008 eher anachronistisch daherkommt?
Diese Diskussion hat in der Tat Tradition bei den Grünen, und ich sehe auch die Vorteile einer Vermischung von Amt und Mandat: Man hat mehr Macht und ist als Parteivorsitzender besser mit der Bundestagsfraktion verknüpft, wenn man ihr angehört. Ich sehe aber auch den Charme einer Trennung: Dann ist die Verantwortung auf mehreren Schultern verteilt, und mehr Leute bekommen die Möglichkeit, sich zu engagieren. Dies halte ich für eine der größten Stärken unserer Partei; die Trennung von Amt und Mandat entspricht der grünen Seele.
Zur Person: Die Durchstarterin
Ingrid Hönlinger, Jahrgang 1964, ist erst seit 2005 Mitglied der Grünen und im Jahr ihres Parteieintritts auch gleich als Kandidatin im Wahlkreis Ludwigsburg in den Bundestagswahlkampf gezogen. Die Rechtsanwältin erhielt damals 8,75 Prozent der Erststimmen, gut zwei Prozent weniger als die Grünen in ihrem Wahlkreis bei den Zweitstimmen sammeln konnten. Ingrid Hönlinger gehört dem Kreis- und dem Ortsvorstand der Grünen in Ludwigsburg an und ist Basisdelegierte im Länderrat der Partei. Sie ist verheiratet mit Siegfried Rapp, der für die Grünen im Ludwigsburger Gemeinderat sitzt.
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