Neulich in Belgien

Kleine Delle, große Wirkung

Ina Hochreuther , veröffentlicht am 16.10.2008
Filmbeschreibung
"Mein Mann steckt in der Midlife-Crisis, meine älteste Tochter ist in der Pubertät, meine jüngste Tochter denkt, sie sei in der Pubertät, und mein Sohn wünscht, er wäre in der Pubertät." Trocken beschreibt die 43-jährige Postangestellte Matty ihren momentan reichlich anstrengenden Alltag. Seit sich ihr Mann Werner mit einer Studentin eingelassen hat, zerrt die Verantwortung für die Kinder und das Gefühl, alt zu sein, an ihren Nerven. Als sie auf dem Supermarktparkplatz einen Lastwagen touchiert, flippt sie angesichts des zunächst unverschämten jungen Truckers völlig aus. Der aber verguckt sich spontan in die energische Frau und versucht fortan hartnäckig, sie für die freundlichen Seiten des Lebens zu gewinnen.

Temperamentvoll, lebensnah und mit einer gelungenen Mischung aus Melancholie und Humor geht es in dem Regiedebüt von Christophe van Rompaey über weite Strecken zu. Einiges an Authentizität ist dem Mitdrehbuchautor Jean-Claude van Rijckeghem zu verdanken, der aus jenem Viertel der kleinen Leute in Gent stammt, wo "Neulich in Belgien" gedreht wurde. Die schlichten Kneipen voller hemdsärmliger Typen, die Mietshausblöcke und nicht zuletzt die Hausmannskost, die Matty der immer größer werdenden Runde in ihrer etwas spießigen Küche auf den Tisch stellt, tragen viel zur realistischen Atmosphäre bei.

Barbara Sarafian leuchtet als Matty alle Facetten dieser bodenständigen, zwischen Frust und Lebenszugewandtheit schwankenden Frau aus. Kaum kriegt ihr unreif agierender Mann (Johan Heldenbergh) die Avancen von Johnny, dem Lkw-Fahrer, mit, steht er wieder auf der Matte. "Du willst alles", seufzt sie, "die Rosinen, den Kuchen und die Frau des Bäckers." Auch in der Vergangenheit des fröhlichen Johnny (Jurgen Delnaet) gibt es dunkle Flecken, die Werner aufdeckt. Als gewalttätiger Alkoholiker wurde Johnny einst geschieden. Dass man der Heldin nicht zu raten vermag, für welchen der zwei unsäglichen Männer sie sich entscheiden soll, das macht diesen Spielfilm, der sich zum Schluss etwas hinzieht, gerade sympathisch.
 
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