Nach der Datenpanne

Kinderkanal will nun auf Nummer sicher gehen

Tobias Köhler, veröffentlicht am 16.10.2008
Foto: Internet

Stuttgart - Wer am Donnerstag versucht hat, die Mitmachwebsite des Kinderkanals (Kika) aufzurufen, bekam nur eine Fehlermeldung: "Die Seite www.platz-fuer-helden.de ist im Moment nicht erreichbar. Wir arbeiten daran, dass du die Seite bald wieder sehen kannst."


  Von Tobias Köhler

 
Mitarbeiter des gemeinsamen Kinderprogramms von ARD und ZDF sind seit Donnerstag dabei, die Website generalzuüberholen, nachdem die Stuttgarter Zeitung darüber berichtet hatte, dass tagelang die persönlichen Daten von rund tausend überwiegend minderjährigen Internetnutzern mit einfachen technischen Tricks ohne Passwort einsehbar waren.

Sender steht unter öffentlichem Druck

Der Sender hatte das Problem nach dem Hinweis noch am gleichen Tag behoben, will aber nun auf Nummer sicher gehen. "Uns beim Kinderkanal ist bewusst, wie heikel der Umgang mit Daten von Kindern ist, deshalb überprüfen wir nun das gesamte Angebot", sagte eine Sprecherin des Senders. Zumal inzwischen Dutzende andere Medien das Thema aufgegriffen haben und der Sender unter öffentlichen Druck gerät.

Dabei steht der Kinderkanal kaum im Verdacht, sorglos mit den Daten seiner jungen User umzugehen: Die Maßnahmen zum Datenschutz sind vorbildlich - und wurden schon ausgezeichnet. "Wir wollen eigentlich einen Schutzraum für Kinder im Internet schaffen - wir verbinden mit unseren Projekten nur pädagogische Ziele und keinerlei kommerzielle Interessen", so die Sprecherin.

Das ist in diesem Fall gründlich misslungen. Als Ursache der Panne hat sich inzwischen ein Fehler bei der Bedienung der Verwaltungssoftware der Website erwiesen: "Es war ein einziges Häkchen falsch gesetzt, deshalb war der betroffene Bereich nicht geschützt", sagte die Sprecherin, "es war schlicht menschliches Versagen." Der Kinderkanal weist allerdings darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit, dass jemand die Panne bemerken und ausnutzen konnte, minimal sei. Zumal derzeit nur rund zweihundert Nutzer auf dem Portal aktiv seien und es sich um ein geschlossenes Forum handele.

Experten: Das ist kein Einzelfall

Fachleute sind sich einig, dass die Datenpanne beim Kinderkanal kein Einzelfall ist - je nach Art des Problems wird es möglicherweise oft gar nicht bemerkt. "Die Wahrscheinlichkeit, dass es weitere Fälle gibt, in denen Daten ungenügend geschützt auf Servern liegen, ist hoch", sagt Oliver Göbel, der IT-Sicherheitsbeauftragte der Universität Stuttgart. Das liege auch daran, dass die Programme immer komplexer würden und schwer wirklich sicher einzurichten seien. "Oft wissen die Administratoren von Websites nicht über alle Feinheiten der Software Bescheid oder sind überlastet."

Umso wichtiger sei ein professionelles Krisenmanagement. "Sobald eine Schwachstelle offenbar wird, ist schnelle Reaktion gefordert." Auch der baden-württembergische Landesdatenschützer Peter Zimmermann spricht von einem "anerkannten Problem" und fordert: "Wer Daten ins Internet einstellt, muss Sorge tragen, dass sie genügend geschützt sind." Datenpannen wie die beim Kinderkanal seien besonders kritisch, wenn persönliche Informationen betroffen seien.

"Mail ist im Spamfilter gelandet"

Uwe Wild, ein Familienvater aus Esslingen, war bereits vergangene Woche auf die Panne aufmerksam geworden, als er seine zehnjährige Tochter für die Internetplattform "Platz für Helden" angemeldet hatte, auf der Jugendliche gemeinnützige Projekte vorstellen können. Wild hatte plötzlich Zugriff auf die genauen Adressen, Telefonnummern und Geburtsdaten aller anderen Teilnehmer. Darüber informierte er den Kinderkanal am Freitag per E-Mail.

Allerdings reagierte der Sender nicht auf seine Hinweise. "Wir haben das überprüft - und tatsächlich ist die Mail in unserem Spamfilter gelandet und wurde deshalb nicht bearbeitet." Die Sprecherin verweist auf die rund 60.000 Mails, die pro Monat auf dieser Adresse eingehen - und gibt zu, dass so etwas trotzdem nicht passieren dürfe. "Der Vater hat absolut richtig und vorbildlich reagiert - wir haben das nicht."

Inzwischen hat sich der Sender bei Uwe Wild gemeldet - und sich ausführlich entschuldigt. "Wir haben lange gesprochen", sagte Wild, "für mich ist das Problem aus der Welt geräumt." Allerdings ist er sich sicher, dass er beim nächsten Mal, wenn sich seine Tochter im Internet an einem Projekt beteiligt, noch genauer aufpassen wird. "Man muss die Augen offen halten."
 
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