Minks Restaurant öffnet bald

Der neue Schlossherr will lieber ein Diener sein

Erik Raidt, veröffentlicht am 19.10.2008
Foto: Steinert

Stuttgart - Mit der Einsamkeit wird es im Schloss Solitude bald vorbei sein: Der Gastronom Jörg Mink eröffnet nach umfangreichen Renovierungsarbeiten am 1. November das seit Jahresbeginn leerstehende Restaurant. Mit seinem Konzept wagt er einen schwierigen Spagat.


  Von Erik Raidt

 
Auf den roten Teppich sind zahlreiche gelbe Flecken getupft: Wer sich in diesen Tagen dem Schloss Solitude nähert, der läuft durch einen Blätterteppich aus gelbem und rotem Laub. Noch liegt nicht das Original aus Stoff vor dem Eingang des Schlossrestaurants, aber Jörg Mink hat auch an dieses Detail gedacht. Am 1. November eröffnet der Stuttgarter Gastronom, der in der Stadt auf vielen Hochzeiten tanzt, die neue Gastronomie an diesem historischen Ort. Mink, in Jeans und grauem Sakko, geistert auch an diesem Morgen durch die Säle des ehemaligen Kavaliersbaus: Hier kreischen die Bohrer, dort klopfen zwei Arbeiter die Beine an Stühlen fest. Und auch in der Küche gibt es noch eine Menge zu tun.

Die Krönung des Schaffens

Mink selbst steht schon unter Strom. "Das Schlossrestaurant", sagt der Chef der Möhringer Linde, "ist die Krönung meines Schaffens." Seine Vorgänger haben sich an ihr verhoben: Anfang des Jahres hatte die bisherige Geschäftsführerin beim Stuttgarter Amtsgericht Insolvenz angemeldet - die GmbH war zahlungsunfähig. Zahlreiche fürs Frühjahr geplante Feste, Firmenfeiern und Hochzeiten platzten. Seit dem Januar blieb die Schlossküche kalt. Im Mai entschied sich das Land, dem die Immobilie gehört, schließlich für Jörg Mink als neuen Pächter.

Jetzt blicken die Gastroszene und ehemalige Gäste voller Neugier auf die Solitude - wie will Mink das Restaurant wiederbeleben? Immerhin hat sich an diesem Ort einst Martin Öxle in den Blickpunkt gekocht, als der spätere Chef der Speisemeisterei im Schlossrestaurant Anfang der achtziger Jahre seinen ersten Michelinstern holte. Gegen den würde sich auch Jörg Mink nicht wehren, und bestreitet dennoch, ihn anzustreben. Edel darf es bei ihm künftig schon zugehen - bodenständig aber bitte schön auch.

Der 48-Jährige will im Schloss, kulinarisch gesehen, aus dem Kreis ein Quadrat hervorzaubern. Das Projekt könnte unter dem Motto stehen: lackierte Entenbrust und Wurstsalat. Natürlich nicht zusammen auf einem Teller. Beides jedoch wird sich auf seiner Karte wiederfinden, die er gemeinsam mit seinem neuen Küchenchef in den vergangenen Wochen ausgetüftelt hat. "Bei mir wird die regionale Küche im Mittelpunkt stehen, wir machen nichts Überdrehtes", sagt der künftige Schlossherr, der sich lieber selbst als Diener bezeichnet. Mit Blick auf die spektakuläre Molekularküche des Katalanen Ferran Adrià sagt der gebürtige Stuttgarter: "Ein Schäumchen auf einem Löffelchen wird es bei mir nicht geben." Dann schon lieber einen herzhaften Rostbraten. Den werden die Gäste wirklich künftig im A-la-carte-Bereich des Restaurants genauso bestellen können wie Gaisburger Marsch oder Maultaschen auf einem Gemüseallerlei.

Ein bescheuerter Küchenchef

Als sich Mink nach einem neuen Küchenchef umsah, lagen zunächst zwei Sterneköche gut im Rennen. Er entschied sich jedoch für den dritten Koch - den ohne Stern. Und so schwingt bald der 33-jährige André Stefan aus dem Allgäu im Schloss das Zepter. "Der ist genauso bescheuert, wie ich es in seinem Alter war", meint Jörg Mink und will dies als Lob verstanden wissen.

Vor dem jungen Chef am Herd liegen einige Herausforderungen. Am 21. November will Jörg Mink mit einer Eröffnungsgala frischen Wind durch das im 18. Jahrhundert von Herzog Carl Eugen von Württemberg erbaute Gemäuer wehen lassen. Die geladenen Gäste bekommen dazu ein Fünfgangmenü sowie Jazz und Swing serviert. Und weil Mink schon während seiner Zeit in Berlin als Promiwirt immer gut im Gespräch war, will er nun auch in Stuttgart sein neues Restaurant mit bekannten Namen dekorieren. Für die Eröffnungsgala habe er Sabine Christiansen angefragt. Und einen Überraschungsgast aus Hollywood will Mink auch an der Angel haben.

Bei aller Bodenständigkeit soll es gleichzeitig auf dem frisch geschliffenen Parkett und unter den ausladenden Kristalllüstern wieder funkeln im Schloss. Mink möchte die Tradition der Bälle wiederbeleben, die in Stuttgart fast versiegt ist. Er denkt unter anderem an eine venezianische Nacht, in der die Damen mit Masken die Treppen hinabflanieren könnten, weitere Bälle könnten jeweils im Sommer und im Herbst zur Institution werden. "Stuttgart muss sich in Deutschland nicht verstecken", sagt Mink. "Und ich verstehe nicht, warum unsere Gesellschaft zum Feiern nach München, Hamburg oder Frankfurt ausweichen soll." Der erste Mann im Schloss will für Abhilfe sorgen.
 
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