Laut Studie

Studiengebühren schrecken ab

dpa, veröffentlicht am 20.10.2008
Foto: dpa

Berlin - Studiengebühren schrecken deutlich mehr junge Menschen vom Studium ab als bisher angenommen. Dies zeigt eine aktuelle Studie im Auftrag von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU). Die Untersuchung wird seit Wochen in ihrem Ministerium unter Verschluss gehalten. Sie liegt der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vor.

Demnach haben allein vom Abiturienten-Jahrgang 2006 bis zu 18.000 junge Menschen wegen der neuen Gebühren kein Studium aufgenommen. 2006 hatten erst zwei Bundesländer - Niedersachsen und Nordrhein- Westfalen - Gebühren verlangt. Danach erfolgte ihre Einführung in fünf weiteren unionsgeführten Ländern - in Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, im Saarland sowie in Hessen, wo sie jedoch nach der jüngsten Landtagswahl wieder abgeschafft wurden.

Der Präsident des Deutschen Studentenwerkes (DSW), Rolf Dobischat, sagte im WDR: "Studiengebühren gehören abgeschafft." Jeder vierte Studienverzichtler habe Angst vor Studiengebühren und Verschuldung.

Die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses, Ulla Burchardt (SPD), forderte die unverzügliche Veröffentlichung der Studie. Die Ergebnisse dürften vor dem Bildungsgipfel von Bund und Ländern "nicht vertuscht werden". Der Bildungssprecher der FPD-Bundestagsfraktion, Patrick Meinhardt, erklärte: "Es kann nicht sein, dass das Bildungsministerium eine Studie zu den Auswirkungen von Studiengebühren unter Verschluss hält, nur weil darin Erkenntnisse sind, die nicht ins Bild passen."

Nach der Studie verzichten insbesondere Frauen und junge Menschen aus bildungsfernen Elternhäusern wegen der Gebühren häufiger auf das Studium. Dagegen lassen sich Kinder aus Akademikerfamilien "deutlich seltener in ihrer Hochschulwahl beeinflussen", stellt das Hochschul- Informations-System (HIS) in der Studie fest. Die Gebührendebatte habe unter Abiturienten und jungen Menschen mit Fachhochschulreife zu "erheblicher Verunsicherung" beigetragen - auch in Ländern, die noch keine Gebühren verlangen.

Weiter heißt es in der Studie, eine Abwanderung von Studien- Interessierten von "Gebührenländern" in "Nicht-Gebührenländer" sei "in großem Umfang nicht zu verzeichnen". Gleichwohl wollten im Vergleich zu früheren Jahren weniger Abiturienten aus dem Osten im Westen studieren, wo Gebühren verlangt werden.

Der bildungspolitische Obmann der CDU/CSU-Fraktion, Michael Kretschmer (CDU), sagte, die Hochschulen seien wegen ihrer schlechten Ausstattung auf die Gebühren als private Zuwendungen der Studierenden angewiesen. Gleichwohl dürften "diejenigen, die ernsthaft und engagiert studieren wollen, nicht abgeschreckt werden". Deshalb müssten die Rahmenbedingungen verbessert werden. Dazu gehörten Studienkredite, Stipendien und Bafög. Die Bildungssprecherin der Linken, Nele Hirsch, sagte, auch die Bundesbildungsministerin müsse nun begreifen, dass Studiengebühren unsozial seien.

Die Studie stützt sich auf der Befragung von 5240 repräsentativ ausgewählten Studienberechtigten des Jahrgangs 2006 sowie auf die regelmäßige Abiturienten-Untersuchungen des HIS. Das Institut mit Sitz in Hannover arbeitet im Auftrag von Bund und Ländern sowie der Hochschulrektorenkonferenz.

Im Vergleich zu 2003 gab es im vergangenem Jahr wegen der starken Abiturienten-Jahrgänge bundesweit zwar 17 Prozent mehr junge Menschen mit Hochschulreife, gleichzeitig aber 5 Prozent weniger Studienanfänger. 2003 war mit 377.500 Neueinschreibungen an den deutschen Hochschulen ein Anfänger-Rekord erzielt worden. 2007 waren es mit 358.670 Anfängern knapp 19.000 Neueinschreibungen weniger. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Studienberechtigten um mehr als 63.000 auf 432.500.
 
Kommentare
Sarah ,
22.10.2008 22:41
Ich studiere Medizin im 4. Semester und muss leider die Meinung vertreten, dass Studiengebühren nichts als Abzocke sind. Ich habe gehofft, dass sich an den Universitäten einiges zum Gunsten der Studenten verbessert, schließlich haben diese jetzt einiges an Geld...aber Nein mit Nichten....nur ein kleines Beispiel: Die Scheine sollten in den Semesterferien abgeholt werden, da aber keiner an der Uni ist in den Semesterferien mussten wir einen Umschlag - natürlich, wie könnte es auch anders sein - FRANKIERT abgeben, damit wir unseren Schein zugeschickt bekamen. Nicht mal 55 cent hatte die Uni für uns übrig, dabei sind das doch eigentlich meine 55 cent! Ich würde gerne arbeiten um die Studiengebühren nicht von meinem Ersparten bezahlen zu müssen, aber wer sagt, das sei doch kein Problem, kann sich ja mal meinen Stundenplan anschauen. Ich könnte ja weniger lernen, aber dann würde ich noch ein Semester länger brauchen und das bedeutet 633,34 Euro mehr! Ach ja und in den Semesterferien muss ich leider unbezahlte Praktika ableisten, wenn ich das nicht tue, werde ich nicht zum Examen zugelassen. Ein Teufelskreis...was auch sonst!
heba,
22.10.2008 17:41
hier gehts doch nr um eine weitere Abzocke des nie genug bekommenden Staates.
Aber bei den Nichtskönnern in der Politik ist es ja kein Wunder, wenn das Geld NIE reicht, egal was und wieviel wir abgenommen bekommen...
Eine staatliche Räuberbande zur Ausplünderung des Volkes!!
Aber wir habe das ja verdient, ....
Antonia R.,
22.10.2008 16:52
Unsere Regierung verlässt sich aus meiner Sicht zu selbstverständlich auf Unterstützungsleistungen wie das Bafög, um Studiengebühren bei sozial Schwächeren auffangen zu können. Dabei sind es häufig die geringen Einkommensgrenzen der Eltern, die ein Bafög schnell reduzieren bzw. schwinden lassen. Dazu habe ich auf den Seiten der süddeutschen Zeitung einen interessanten Blog-Beitrag gefunden (http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/443090). Vor allem das Ende des Artikels zeigt, wie eine bessere Lösung aussehen könnte. In einem solchen Falle wären dann sicherlich auch für jeden Studenten Studiengebühren leistbar.

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