Erste Depandance im Land
Discount-Apotheke in Backnang eröffnet
Martin Tschepe, veröffentlicht am 21.10.2008
Backnang - Die offenbar erste Discount-Apotheke der Region hat jetzt in der Stadtmitte von Backnang eine Dependance eröffnet. Die alteingesessenen Apotheker in der Stadt betrachten die neue Konkurrenz mit Skepsis.
Von Martin Tschepe
Die Kunden könnten einen Haufen Geld sparen. Das jedenfalls behaupten die Betreiber der Easy-Apotheke AG mit Hauptsitz in Hildesheim. Das Discountkonzept, das an Drogerie- und Supermärkte erinnert, ermögliche "dauerhaft" reduzierte Preise, heißt es in der Werbung. Kopfschmerztabletten und Nikotinpflaster zum Beispiel würden bis zu 50 Prozent preiswerter angeboten als anderorts.
DocMorris hat noch keine Filiale in der Region
Die erste Easy-Apotheke im Land, die jetzt in Backnang (Rems-Murr-Kreis) um Kunden wirbt, sorgt bei den anderen Apothekern in der Stadt für Debatten, auch für Unbehagen und in den ersten Tagen in der Apotheke von Volker Müller für etwas weniger Kunden. Er betreibt die Schillerapotheke, er sieht den Bestand der inhabergeführten Apotheken von Filialisten bedroht. Für ihn sind die Easy-Apotheken ähnliche Konkurrenten wie die niederländische Versandapotheke DocMorris, die zuerst in Saarbrücken und dann auch andernorts in Kooperation mit selbstständigen Pharmazeuten Apotheken eröffnet hat. In Deutschland gibt es nach Angaben der Firma "weit über hundert" Doc-Morris-Apotheken, in der Region Stuttgart noch keine.
Die Discounter setzten zu stark auf den Preis und verkauften möglicherweise mitunter zu große Mengen an Arzneimitteln. Das könne zum Beispiel beim Schmerzmittel Paracetamol gefährlich werden, sagt Müller. Patienten, die diese Tabletten in großen Mengen nur wegen der niedrigen Preises kauften, liefen Gefahr, sie zu oft einzunehmen. Müller behauptet, die Beratung der Kunden komme in vielen dieser Apotheken zu kurz. Der Apotheker erinnert in diesem Zusammenhang an die Auseinandersetzung, die zurzeit vor dem Europäischen Gerichtshof läuft. Dabei geht es um die Öffnung des deutschen Apothekenmarkts. Investoren wollen mit Filialketten massiv den Markt aufmischen. Die deutsche Apothekerschaft hingegen will möglichst alles beim Alten lassen. Derzeit dürfen Apotheker maximal vier Apotheken haben.
Bundesweit bisher 24 Easy-Partner
Der Betreiber der Backnanger Easy-Apotheke, Karl Heinz Kolb, sagt jedoch, das Easy-Konzept unterscheide sich von anderen Discountern. Er führe seit Jahren eine gewöhnliche Apotheke in Kornwestheim, mit Hilfe seiner neuen Easy-Filiale in Backnang wolle er versuchen, der Konkurrenz die Stirn zu bieten. Es sei "die einzige Chance" für selbstständige Apotheker zu bestehen.
Laut der Easy-Apotheke AG haben die Beschäftigten wegen "optimierter Prozesse" in den Läden sogar mehr Zeit für die Kunden. Zurzeit gebe es bundesweit 24 Easy-Partner. Das Ziel, Ende des Jahres 50 Apotheken zu betreiben, werde wohl nicht erreicht. Bis Ende 2009 sollen es aber rund 100 Dependancen sein. Baden-Württemberg spiele in den Zukunftsplänen der Firma eine "wichtige Rolle". Man suche preiswerte Gebäude in Städten mit mindestens 30.000 Einwohnern.
Hintergrund: Auf Expansionskurs
Der deutsche Apothekenmarkt ist im Umbruch. Neben einer eigenen Apotheke in Saarbrücken schließt Doc Morris seit dem vergangen Jahr Partnerschaften mit Apotheken. Diese sind als Doc-Morris-Apotheken erkennbar, bleiben aber "wirtschaftlich und pharmazeutisch selbstständig", wie Ralf Däinghaus sagt, der Gründer und Vorstandschef von Doc Morris. Auch die Drogeriemarktketten Schlecker und DM haben durch Zusammenarbeit mit Arzneimittelversendern das bestehende Recht aufgeweicht. Kunden erhalten die Medikamente an Abholstationen in den Filialen. Weitere Versandhändler und Internetapotheken umgehen das deutsche Recht, auch Supermarktketten wie Rewe und Edeka haben Pläne in der Schublade.
Von Martin Tschepe
Die Kunden könnten einen Haufen Geld sparen. Das jedenfalls behaupten die Betreiber der Easy-Apotheke AG mit Hauptsitz in Hildesheim. Das Discountkonzept, das an Drogerie- und Supermärkte erinnert, ermögliche "dauerhaft" reduzierte Preise, heißt es in der Werbung. Kopfschmerztabletten und Nikotinpflaster zum Beispiel würden bis zu 50 Prozent preiswerter angeboten als anderorts.
DocMorris hat noch keine Filiale in der Region
Die erste Easy-Apotheke im Land, die jetzt in Backnang (Rems-Murr-Kreis) um Kunden wirbt, sorgt bei den anderen Apothekern in der Stadt für Debatten, auch für Unbehagen und in den ersten Tagen in der Apotheke von Volker Müller für etwas weniger Kunden. Er betreibt die Schillerapotheke, er sieht den Bestand der inhabergeführten Apotheken von Filialisten bedroht. Für ihn sind die Easy-Apotheken ähnliche Konkurrenten wie die niederländische Versandapotheke DocMorris, die zuerst in Saarbrücken und dann auch andernorts in Kooperation mit selbstständigen Pharmazeuten Apotheken eröffnet hat. In Deutschland gibt es nach Angaben der Firma "weit über hundert" Doc-Morris-Apotheken, in der Region Stuttgart noch keine.
Die Discounter setzten zu stark auf den Preis und verkauften möglicherweise mitunter zu große Mengen an Arzneimitteln. Das könne zum Beispiel beim Schmerzmittel Paracetamol gefährlich werden, sagt Müller. Patienten, die diese Tabletten in großen Mengen nur wegen der niedrigen Preises kauften, liefen Gefahr, sie zu oft einzunehmen. Müller behauptet, die Beratung der Kunden komme in vielen dieser Apotheken zu kurz. Der Apotheker erinnert in diesem Zusammenhang an die Auseinandersetzung, die zurzeit vor dem Europäischen Gerichtshof läuft. Dabei geht es um die Öffnung des deutschen Apothekenmarkts. Investoren wollen mit Filialketten massiv den Markt aufmischen. Die deutsche Apothekerschaft hingegen will möglichst alles beim Alten lassen. Derzeit dürfen Apotheker maximal vier Apotheken haben.
Bundesweit bisher 24 Easy-Partner
Der Betreiber der Backnanger Easy-Apotheke, Karl Heinz Kolb, sagt jedoch, das Easy-Konzept unterscheide sich von anderen Discountern. Er führe seit Jahren eine gewöhnliche Apotheke in Kornwestheim, mit Hilfe seiner neuen Easy-Filiale in Backnang wolle er versuchen, der Konkurrenz die Stirn zu bieten. Es sei "die einzige Chance" für selbstständige Apotheker zu bestehen.
Laut der Easy-Apotheke AG haben die Beschäftigten wegen "optimierter Prozesse" in den Läden sogar mehr Zeit für die Kunden. Zurzeit gebe es bundesweit 24 Easy-Partner. Das Ziel, Ende des Jahres 50 Apotheken zu betreiben, werde wohl nicht erreicht. Bis Ende 2009 sollen es aber rund 100 Dependancen sein. Baden-Württemberg spiele in den Zukunftsplänen der Firma eine "wichtige Rolle". Man suche preiswerte Gebäude in Städten mit mindestens 30.000 Einwohnern.
Hintergrund: Auf Expansionskurs
Der deutsche Apothekenmarkt ist im Umbruch. Neben einer eigenen Apotheke in Saarbrücken schließt Doc Morris seit dem vergangen Jahr Partnerschaften mit Apotheken. Diese sind als Doc-Morris-Apotheken erkennbar, bleiben aber "wirtschaftlich und pharmazeutisch selbstständig", wie Ralf Däinghaus sagt, der Gründer und Vorstandschef von Doc Morris. Auch die Drogeriemarktketten Schlecker und DM haben durch Zusammenarbeit mit Arzneimittelversendern das bestehende Recht aufgeweicht. Kunden erhalten die Medikamente an Abholstationen in den Filialen. Weitere Versandhändler und Internetapotheken umgehen das deutsche Recht, auch Supermarktketten wie Rewe und Edeka haben Pläne in der Schublade.
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