"Tag der Bibliotheken"

"Kettenleser" fallen in Stuttgart-Mitte ein

Caroline Leibfritz, veröffentlicht am 24.10.2008
Foto: Steinert

Stuttgart - Knapp 200 Studierende der Hochschule der Medien haben am Freitag eine "lesende Menschenkette" zwischen der Stadtbücherei und der Wolframstraße gebildet. Mit der Aktion wollten sie auf Bibliotheken als Ort der Wissensvermittlung hinweisen.


  Von Caroline Leibfritz

 
Wer sich am Freitag in der Stuttgarter Innenstadt über eine Reihe lesender Menschen in roten T-Shirts wunderte, der wurde Zeuge einer außergewöhnlichen Studenten-Aktion: Zwischen der Stadtbücherei im Wilhelmspalais und dem Standort der Hochschule der Medien in der Wolframstraße, saßen im Abstand von etwa 20 Metern Studierende auf Papphockern und lasen ihre Lieblingsbücher - ob auf Gehwegen, Verkehrsinseln, im Park, auf der Königsstraße oder mitten auf dem Schloßplatz.

Organisiert wurde die Aktion von elf Studenten des dritten Semesters des Master-Studiengangs Bibliotheks- und Informationsmanagement. "Wir möchten mit dieser Aktion zeigen, dass Lesen Spaß macht und dass Bibliotheken der ideale Ort sind, um sich ein Leben lang weiterzubilden", erklärt Andrea Wuchner, die das Projekt mit initiiert hat. "Gleichzeitig wollen wir aber auch unseren Studiengang bekannter machen."

Studenten haben sich die Aktion ausgedacht

Andrea Wuchner liest für ihr Leben gern und wollte schon immer Bibliothekarin werden. Deshalb hat sie sich für das Studium an der Hochschule der Medien entschieden. In ihrem Studium spezialisiert sie sich auf Berufe in Bibliotheken, Kultur-, Medien- und Informationseinrichtungen und qualifiziert sich für spätere Führungsaufgaben. Die "Kettenleser"-Aktion war Teil eines Projekts, das die Studierenden im vergangenen Semester für die Hochschule erarbeiten sollten.

"Unsere Aufgabe war es, eine Aktion mit der Stadtbücherei zu organisieren", sagt Andrea Wuchner. "Ursprünglich hatten wir eine Veranstaltung auf dem Gelände der neuen Stadtbücherei beim Bahnhof geplant, aber dafür haben wir keine Genehmigung bekommen. Deshalb haben wir uns die lesende Menschenkette ausgedacht."

Einzeln oder in kleinen Gruppen saßen die Teilnehmer auf Papphockern und lasen ihre Lieblingsbücher - entweder still für sich oder auch gemeinsam. Brigitte Lutz, die im zweiten Semester Bibliotheks- und Informationsmanagement studiert, hatte sich als Standort eine Verkehrsinsel mitten auf der Konrad-Adenauer-Straße ausgesucht. Hier las sie ihren beiden "Beisitzern" die lustigsten Passagen aus "Quattro Staggioni" von Stefan Ulrich vor. "Das gegenseitige Vorlesen macht natürlich noch mehr Spaß als wenn jeder still vor sich hin liest", sagt sie. "Außerdem können wir so zumindest ein bisschen den Straßenlärm übertönen, denn hier auf der Verkehrsinsel geht es doch ziemlich laut zu."

Von 11 bis 13.15 Uhr hielten die Studenten tapfer dem Lärm und der Kälte stand. Um auch ihr Gehirn ausreichend mit Nahrung zu versorgen, hatten sich die meisten Leseratten sogar ihr eigenes Picknick mit Brötchen, Heißgetränken und Muffins mitgebracht. Gegen 14 Uhr sammelten sich die Teilnehmer der Lesekette schließlich wieder auf dem Schloßplatz zu einem Abschlußfoto. Nun hoffen die Studenten, dass es auch zum nächsten "Tag der Bibliotheken" im kommenden Jahr eine ähnlich außergewöhnliche und erfolgreiche Aktion geben wird.
 
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