Add-on für Firefox
Surfen wie in China
Sebastian Kaiser, veröffentlicht am 04.11.2008
Stuttgart - Wer wissen will, wie sich das Internet im Reich der Mitte anfühlt, sollte das Programm "China Channel" ausprobieren. Ein Stuttgarter Student hat die kleine Zusatzsoftware mitentwickelt.
Von Sebastian Kaiser
Im Unterschied zur westlichen Welt ist in China im öffentlich zugänglichen World Wide Web Zensur und das Filtern von Inhalten an der Tagesordnung. Im Sommer, bei den Olympischen Spielen, erzeugte dies vor allem bei den westlichen Sportjournalisten, die vor Ort waren, großen Missmut.
Seit kurzem kann unter www.chinachannel.hk jeder die Willkür der chinesischen Zensurbehörden am eigenen Schreibtisch miterleben. Auf der Website kann man sich eine kostenlose Programmerweiterung, ein sogenanntes Add-on, für den Internetbrowser Firefox herunterladen und sich damit ins chinesische Netz einloggen. Das Add-on bewirkt, dass der Rechner eine chinesische Identität annimmt und der Benutzer über chinesische Server direkt ins Land der Mitte gelenkt wird. Die Idee für "China Channel" stammt von den in Szenekreisen bekannten Medienkünstlern, Aram Bartholl aus Berlin, dem New Yorker Evan Roth sowie dem Stuttgarter Studenten und Programmierer Tobias Leingruber. Der 24-Jährige war für die Gestaltung und Programmierung der Software verantwortlich, Roth machte erst kürzlich mit der Ausstellung seines Projekts "Laser Tag" im Museum of Modern Art in New York Furore. Koordiniert wurde das ganze Projekt ausschließlich online.
Jede Regierung will Meinungen lenken
"Da wir alle drei ständig auf Achse sind, waren wir nur über unsere Rechner oder telefonisch miteinander verbunden", erzählt Leingruber. Das Projekt ziele nicht darauf ab, die chinesischen Umstände zu bewerten, "es geht vielmehr darum, durch den Einsatz aktueller Technologien etwas mehr Aufmerksamkeit auf das globale Thema Zensur zu richten". Leingrubers ganz persönliche Vermutung: Jede Regierung verfolge zumindest Ansätze, um Meinungen in gewisse Richtungen zu lenken. Bei aller Zensur ließen es sich die drei Medienkünstler nicht nehmen, ihr Projekt auch direkt in China einem großen Publikum zugänglich zu machen. In einer Galerie in Hongkong konnte man es einen Monat lang in Form einer recht simplen Installation bestaunen: zwei Computer, die über eine gemeinsame Maus und Tastatur bedient werden. Der einzige Unterschied: ein Rechner läuft über eine herkömmliche Verbindung, der andere über einen Server im chinesischen Festland.
Wer Suchbegriffe wie Tibet oder Dalai Lama eingibt, wird von den Rechnern auf unterschiedliche Seiten verwiesen oder kann zusehen, wie der PC mit der chinesischen Verbindung plötzlich gesperrt wird. "Es ist wichtig, offen über Zensur zu sprechen", sagt Leingruber. "Soweit ich weiß, steht unsere Internetseite aber in einigen chinesischen Regionen schon auf der schwarzen Liste." Im Zentrum müsse künftig ein neues, kritischeres Bewusstsein im Umgang mit dem Medium Internet stehen. Ein hohes Maß an Transparenz sei dafür Voraussetzung. Auch das westliche Netz dürfe sich nicht ausschließen. Wohl nicht zuletzt deshalb ist der Quelltext von "China Channel" offen - jeder kann es umschreiben, um etwa das deutsche Internet mit dem der USA vergleichen zu können.
www.chinachannel.hk
Von Sebastian Kaiser
Im Unterschied zur westlichen Welt ist in China im öffentlich zugänglichen World Wide Web Zensur und das Filtern von Inhalten an der Tagesordnung. Im Sommer, bei den Olympischen Spielen, erzeugte dies vor allem bei den westlichen Sportjournalisten, die vor Ort waren, großen Missmut.
Seit kurzem kann unter www.chinachannel.hk jeder die Willkür der chinesischen Zensurbehörden am eigenen Schreibtisch miterleben. Auf der Website kann man sich eine kostenlose Programmerweiterung, ein sogenanntes Add-on, für den Internetbrowser Firefox herunterladen und sich damit ins chinesische Netz einloggen. Das Add-on bewirkt, dass der Rechner eine chinesische Identität annimmt und der Benutzer über chinesische Server direkt ins Land der Mitte gelenkt wird. Die Idee für "China Channel" stammt von den in Szenekreisen bekannten Medienkünstlern, Aram Bartholl aus Berlin, dem New Yorker Evan Roth sowie dem Stuttgarter Studenten und Programmierer Tobias Leingruber. Der 24-Jährige war für die Gestaltung und Programmierung der Software verantwortlich, Roth machte erst kürzlich mit der Ausstellung seines Projekts "Laser Tag" im Museum of Modern Art in New York Furore. Koordiniert wurde das ganze Projekt ausschließlich online.
Jede Regierung will Meinungen lenken
"Da wir alle drei ständig auf Achse sind, waren wir nur über unsere Rechner oder telefonisch miteinander verbunden", erzählt Leingruber. Das Projekt ziele nicht darauf ab, die chinesischen Umstände zu bewerten, "es geht vielmehr darum, durch den Einsatz aktueller Technologien etwas mehr Aufmerksamkeit auf das globale Thema Zensur zu richten". Leingrubers ganz persönliche Vermutung: Jede Regierung verfolge zumindest Ansätze, um Meinungen in gewisse Richtungen zu lenken. Bei aller Zensur ließen es sich die drei Medienkünstler nicht nehmen, ihr Projekt auch direkt in China einem großen Publikum zugänglich zu machen. In einer Galerie in Hongkong konnte man es einen Monat lang in Form einer recht simplen Installation bestaunen: zwei Computer, die über eine gemeinsame Maus und Tastatur bedient werden. Der einzige Unterschied: ein Rechner läuft über eine herkömmliche Verbindung, der andere über einen Server im chinesischen Festland.
Wer Suchbegriffe wie Tibet oder Dalai Lama eingibt, wird von den Rechnern auf unterschiedliche Seiten verwiesen oder kann zusehen, wie der PC mit der chinesischen Verbindung plötzlich gesperrt wird. "Es ist wichtig, offen über Zensur zu sprechen", sagt Leingruber. "Soweit ich weiß, steht unsere Internetseite aber in einigen chinesischen Regionen schon auf der schwarzen Liste." Im Zentrum müsse künftig ein neues, kritischeres Bewusstsein im Umgang mit dem Medium Internet stehen. Ein hohes Maß an Transparenz sei dafür Voraussetzung. Auch das westliche Netz dürfe sich nicht ausschließen. Wohl nicht zuletzt deshalb ist der Quelltext von "China Channel" offen - jeder kann es umschreiben, um etwa das deutsche Internet mit dem der USA vergleichen zu können.
www.chinachannel.hk
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