Im Winter ein Jahr
Im Atelier des Malers oder Einige Gründe zum Weiterleben
Rupert Koppold, veröffentlicht am 13.11.2008
Filmbeschreibung
Vor dem großen Haus tanzt ein junger Mann selbstvergessen im Schneeflockenwirbel, die Schwester beobachtet ihn durch eine Fensterscheibe und lächelt, dann wird ihre Miene ernst, die Mutter ist in ihrem Blickfeld erschienen, sie vereinnahmt jetzt den Sohn, umkreist und filmt ihn mit einer Videokamera. Kurz danach sieht man die Mutter, wie sie durch den Wald joggt, wie sie einen Schuss hört, wie sie innehält.
Mit diesen Szenen beginnt Caroline Links Film "Im Winter ein Jahr", besser: Diese Szenen stellt die Regisseurin als etwas schon Vergangenes ihrem exzellenten Familiendrama voran. Es werden dabei nicht nur problematische Verhältnisse der Personen untereinander angedeutet, es ist in dieser Eröffnungssequenz auch ein tragisches Ereignis enthalten, das so wie in den Stücken von Henrik Ibsen auf der Gegenwart der Erzählung lastet und diese bestimmt.
"Ein Jagdunfall", sagt nun die Mutter (Corinna Harfouch) zu dem eigenbrötlerischen und zurückgezogen lebenden Maler Max Hollander (Josef Bierbichler), der ein Doppelporträt von ihrer Tochter Lilli (Karoline Herfurth) und von ihrem toten Sohn Alexander anfertigen soll. Aber es war kein Unfall, es war ein Selbstmord, an dem auch die hinterbliebenen Familienmitglieder zu zerbrechen drohen. Während sich die Mutter, eine Innenarchitektin, und der Vater (Hanns Zischler), ein Wissenschaftler, eher leise auseinanderleben, versucht die Tochter Lilli, die Tanz und Gesang studiert, ihre Trauer nach außen zu richten, gibt sich hart und trotzig, provoziert.
"Sind Sie schwul?" fragt Lilli rüde den Maler, dem sie auf Wunsch der ungeliebten Mutter ("Die möchte immer Deko an die Wand hängen") Modell sitzen soll. Tatsächlich ist sich dieser Max Hollander, ein Mann Mitte fünfzig, seiner sexuellen Identität nicht mehr sicher, lebt seit ein paar Jahren von seiner Frau getrennt, hatte ein Verhältnis mit einem jüngeren Mann, der gestorben ist, von dem er aber noch ein Porträt an der Wand hängen hat. "Bist du gut im Bett?" fragt Lilli beim ersten Treffen den jungen Künstler Aldo (Misel Maticevic), bei dem sie dann sofort einzieht, von dem sie zu viel will und deshalb bald wieder vor die Tür gesetzt wird.
Max aber lässt sich von Lillis aggressiver, sich selbst wegwerfender Haltung ("Ich bin einfach 'ne Theaterschlampe!") nicht täuschen. Er bleibt bei ihren Besuchen im Atelier unterschütterlich ruhig, erkennt ihren Schmerz, hat trotzdem keine Scheu, ihr Fragen zu ihrem Bruder zu stellen. Dabei bricht nicht nur bei Lilli, sondern auch bei Max etwas auf. Zwei Menschen begegnen sich hier, die aus der Bahn geworfen wurden, und sie liefern sich dabei nach und nach - und ohne es direkt anzustreben oder auszusprechen - Gründe fürs Weiterleben.
Auf ebenso zupackende wie subtile Weise hat Caroline Link mit einem hervorragenden Ensemble eine Art Kammerspiel inszeniert, das hochemotional wird, aber nie sentimental. Immer wieder verunglücken hier Kommunikationsversuche der Familienmitglieder, können sie sich nicht wirklich nahekommen, sind sie durch Glasscheiben oder geschlossene Türen voneinander getrennt. Die Regisseurin schaut ihnen genau zu, deutet auch an, warum etwas schiefläuft, verteilt aber keine Schuld. Warum Alexander sich umgebracht hat, auch dafür finden sich Hinweise, aber manchmal erweisen sie sich als falsch. So bleibt letztlich ein nicht aufzulösendes Geheimnis - und wahrscheinlich liegt gerade darin auch eine Art Trost.
Mit diesen Szenen beginnt Caroline Links Film "Im Winter ein Jahr", besser: Diese Szenen stellt die Regisseurin als etwas schon Vergangenes ihrem exzellenten Familiendrama voran. Es werden dabei nicht nur problematische Verhältnisse der Personen untereinander angedeutet, es ist in dieser Eröffnungssequenz auch ein tragisches Ereignis enthalten, das so wie in den Stücken von Henrik Ibsen auf der Gegenwart der Erzählung lastet und diese bestimmt.
"Ein Jagdunfall", sagt nun die Mutter (Corinna Harfouch) zu dem eigenbrötlerischen und zurückgezogen lebenden Maler Max Hollander (Josef Bierbichler), der ein Doppelporträt von ihrer Tochter Lilli (Karoline Herfurth) und von ihrem toten Sohn Alexander anfertigen soll. Aber es war kein Unfall, es war ein Selbstmord, an dem auch die hinterbliebenen Familienmitglieder zu zerbrechen drohen. Während sich die Mutter, eine Innenarchitektin, und der Vater (Hanns Zischler), ein Wissenschaftler, eher leise auseinanderleben, versucht die Tochter Lilli, die Tanz und Gesang studiert, ihre Trauer nach außen zu richten, gibt sich hart und trotzig, provoziert.
"Sind Sie schwul?" fragt Lilli rüde den Maler, dem sie auf Wunsch der ungeliebten Mutter ("Die möchte immer Deko an die Wand hängen") Modell sitzen soll. Tatsächlich ist sich dieser Max Hollander, ein Mann Mitte fünfzig, seiner sexuellen Identität nicht mehr sicher, lebt seit ein paar Jahren von seiner Frau getrennt, hatte ein Verhältnis mit einem jüngeren Mann, der gestorben ist, von dem er aber noch ein Porträt an der Wand hängen hat. "Bist du gut im Bett?" fragt Lilli beim ersten Treffen den jungen Künstler Aldo (Misel Maticevic), bei dem sie dann sofort einzieht, von dem sie zu viel will und deshalb bald wieder vor die Tür gesetzt wird.
Max aber lässt sich von Lillis aggressiver, sich selbst wegwerfender Haltung ("Ich bin einfach 'ne Theaterschlampe!") nicht täuschen. Er bleibt bei ihren Besuchen im Atelier unterschütterlich ruhig, erkennt ihren Schmerz, hat trotzdem keine Scheu, ihr Fragen zu ihrem Bruder zu stellen. Dabei bricht nicht nur bei Lilli, sondern auch bei Max etwas auf. Zwei Menschen begegnen sich hier, die aus der Bahn geworfen wurden, und sie liefern sich dabei nach und nach - und ohne es direkt anzustreben oder auszusprechen - Gründe fürs Weiterleben.
Auf ebenso zupackende wie subtile Weise hat Caroline Link mit einem hervorragenden Ensemble eine Art Kammerspiel inszeniert, das hochemotional wird, aber nie sentimental. Immer wieder verunglücken hier Kommunikationsversuche der Familienmitglieder, können sie sich nicht wirklich nahekommen, sind sie durch Glasscheiben oder geschlossene Türen voneinander getrennt. Die Regisseurin schaut ihnen genau zu, deutet auch an, warum etwas schiefläuft, verteilt aber keine Schuld. Warum Alexander sich umgebracht hat, auch dafür finden sich Hinweise, aber manchmal erweisen sie sich als falsch. So bleibt letztlich ein nicht aufzulösendes Geheimnis - und wahrscheinlich liegt gerade darin auch eine Art Trost.
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Highlights am 26.05.
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