Stuttgarter Zeitung online | Zeitungsgruppe Stuttgart |  Sonntag, 12. Februar 2012

Stuttgart & Region


Weitere zehn Geräte

Neue Blitzer werden scharf geschaltet

Susanne Janssen, veröffentlicht am 18.11.2008
Foto: Honzera

Stuttgart - Raser werden an zehn weiteren Stellen zur Kasse gebeten: Die Stadt hat neue digitale Blitzgeräte gekauft, einige werden bereits am Donnerstag in Betrieb gehen. Von versteckten Lasersäulen, wie sie in Böblingen eingesetzt werden, hält die Verkehrsbehörde nichts.


  Von Susanne Janssen

 
Schon seit einigen Wochen bremsen schnelle Autofahrer auf der Neuen Weinsteige abrupt ab: Die neuen "Starenkästen" erfüllten schon ihre Funktion. Bis jetzt hatten Raser keine Bußgelder zu befürchten, von Donnerstag an sieht es aber anders aus. "Das Eichamt hat jetzt grünes Licht gegeben", erklärt Joachim Elser, der Leiter der Verkehrsüberwachung. Auch in der Neckartalstraße werde nun geblitzt. Die Anlagen an der Rotenwaldstraße sollen Anfang Dezember in Betrieb gehen.

"Die Stadt will die Autofahrer nicht abzocken"

Zehn neue Masten sind installiert worden, damit erhöht sich die Zahl der stationären Blitzer in Stuttgart von 16 auf 26. Auch die neuen "Starenkästen" stünden an Unfallschwerpunkten, betont Elser: "Die Stadt will die Autofahrer nicht abzocken." Entschärft werden soll vor allem die Neckartalstraße, wo es vor zwei Jahren zu einem schweren Unfall kam. Hier hat die Polizei mit mobilen Messanlagen bereits Rekordwerte von 140 Stundenkilometern ermittelt - bei erlaubtem Tempo 50. Vier Masten sind installiert worden, in beiden Richtungen auf der Höhe der Haltestelle Freibergstraße, stadtauswärts vor der Aubrücke, stadteinwärts hinter der Stadtbahnhaltestelle Münster-Rathaus: Dort hatte es bereits tödliche Unfälle gegeben.

An der Rotenwaldstraße wird direkt hinter der Einmündung der Reinsburgstraße und vor der Esso-Tankstelle stadtauswärts geblitzt. Stadtauswärts sollen die Autofahrer auch vom Birkenkopf kommend vor der Linkskurve zum Westbahnhof ausgebremst werden. Auf der Neuen Weinsteige - auch hier geschahen zahlreiche Unfälle - werden rasende Autofahrer stadtauswärts auf der Höhe des bereits bestehenden Masten sowie noch eine Kurve tiefer in beiden Richtungen künftig zur Kasse gebeten.

Laseranlagen sind fast doppelt so teuer

Für die zehn neuen Kästen hat die Stadt aber nur fünf Fotoanlagen gekauft. Elser setzt auf den Abschreckungseffekt: "Man kann nicht sehen, ob die Anlage scharf ist oder nicht." Die neuen Blitzer sind nicht länger auf Filme angewiesen, die erst entwickelt werden müssen: Die Fotos werden digital auf einem Chip gespeichert. Bis zu 2000 Verkehrssünder haben darauf Platz. Die Stadt hat sich bewusst noch nicht für die neue Lasertechnik entschieden, die etwa in Böblingen eingesetzt wird: Dort wird aus schlanken Säulen die Geschwindigkeit der vorbeifahrenden Autos gemessen, die Bilder können per Glasfaserkabel direkt ins Rathaus geschickt werden. "Die Technik ist noch nicht ausgereift," sagt Joachim Elser. Außerdem seien in Stuttgart noch nicht überall die nötigen Kabel verlegt. Die Laseranlagen seien auch erheblich teurer, sie kosteten pro Stück rund 90.000 Euro, eine herkömmliche mit digitaler Technik dagegen nur 50.000 Euro.

Die Stadtverwaltung setzt die traditionelle Technik durchaus bewusst ein: "Die Abschreckung ist Prävention." Wenn die Autofahrer die grünen Kästen entdeckten, würden sie automatisch bremsen, der Unfallschwerpunkt sei entschärft. Für andere, überraschende Messungen gebe es die mobilen Lasergeräte, von denen die Stadt auch ein weiteres angeschafft hat.

Die meisten Raser werden an der Konrad-Adenauer-Straße erwischt

Denn die Investionen lohnen sich: Für 100 Euro, die die Verwaltung für die Geschwindigkeitsmessung ausgibt, kommen 120 Euro wieder herein. Eine halbe Million hat Stuttgart nun in neue Anlagen investiert, 890.000 Euro kostet laut Elser der Betrieb der Masten im Jahr. Dem stehen aber 1,1 Millionen Euro Einnahmen gegenüber.

Und die Zahl der ertappten Raser steigt: Wurden 2006 erst 88.535 Tempoverstöße festgestellt, so waren es im Jahr 2007 bereits 112.862. Der Trend für 2008 liegt bis jetzt nur wenig darunter. Die meisten Raser wurden auf der Konrad-Adenauer-Straße erwischt, wo seit 2006 Tempo 50 statt 60 gilt, auch an den beiden Einfallstraßen B14/Johannesgraben in Vaihingen und auf der Stahlhochbrücke in Stammheim (B10/27) werden jährlich mehr als 10.000 Raser erwischt.

Daneben werden vom 1.Januar 2009 an die Bußgelder für Raser und Drängler zum Teil drastisch erhöht. Die Stadt kann sich damit auf noch höhere Einnahmen freuen.
 
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