Strategischer Schwenk
Wittwer verkauft Buchhandlungen
Bettina Langer, veröffentlicht am 18.11.2008
Stuttgart - Die Konrad Wittwer GmbH trennt sich von einem traditionsreichen Geschäftsfeld. Wie das Unternehmen in Stuttgart mitteilte, werden die 19 Bahnhofsbuchhandlungen verkauft. Branchenkollegen reagierten mit Unverständnis.
Von Bettina Langer
Die Konrad Wittwer Bahnhofsbuchhandlungen wechseln zum 1. Januar 2009 den Eigentümer. "Wir haben uns zu diesem strategischen Schritt entschieden, weil wir in diesem dicht besetzten Markt nicht mehr wachsen können", sagte der Geschäftsführer Michael Wittwer am Dienstag zur Begründung. Wittwer macht mit seinen Bahnhofsbuchhandlungen rund 35 Prozent seines Umsatzes von insgesamt rund 56 Millionen Euro und beschäftigt dort 178 Mitarbeiter. Über den Kaufpreis machte das Unternehmen keine Angaben.
Die 19 Buchhandlungen in Baden-Württemberg und Sachsen gehören künftig der Hamburger Valora Services GmbH, einer Tochter des Schweizer Valora-Konzerns. Der neue Eigentümer betreibt hierzulande bereits 171 Bahnhofsbuchhandlungen und ist nach eigenen Angaben in diesem Geschäftsfeld Marktführer in Deutschland, der Schweiz und Luxemburg. Valora sicherte zu, alle Mitarbeiter zu übernehmen. "Für uns ist dieser Zukauf eine ausgezeichnete Ergänzung des Portfolios", sagte Mathias Gehle, einer der beiden Geschäftsführer der Valora Services GmbH.
Wie stark steht Wittwer unter Druck?
In den vergangenen Jahren hat es im Bahnhofsbuchhandel eine Konzentrationswelle gegeben. Die 355 Bahnhofsbuchhandlungen werden direkt mit Presseerzeugnissen beliefert, müssen also nichts an Grossisten bezahlen. Dafür verlangt die Bahn Pacht und eine prozentuale Umsatzbeteiligung. Die Ansprüche der Bahn seien immer stärker gestiegen, während die Umsätze stagniert hätten, sagte ein Branchenkenner, so dass viele kleine Händler nicht überleben könnten. 2002 gehörten dem Verband der Deutschen Bahnhofsbuchhändler 80 Mitglieder an, mittlerweile liegt diese Zahl unter 40.
In der Branche heißt es, auch Michael Wittwer habe sich immer für einen Erhalt der Vielfalt eingesetzt. Umso befremdeter sei man jetzt, dass er seine Buchhandlungen ausgerechnet an den Branchenriesen verkaufe. Vielleicht stehe Wittwer unter Druck und spüre die neue Konkurrenz in Stuttgart stärker als zugegeben. Wittwer betreibt insgesamt sechs Buchverkaufsstellen, darunter das große Haupthaus in Stuttgart. Vor wenigen Wochen hat in der Stuttgarter Innenstadt auch der Branchenriese Hugendubel eine Buchhandlung eröffnet und dem Platzhirsch damit den Kampf angesagt. Michael Wittwer bezeichnete Vermutungen, Wittwer könne unter Druck gehandelt haben, als Blödsinn. "Wir haben eine langfristige, strategische Entscheidung getroffen, uns auf das Kerngeschäft zu konzentrieren."
Von Bettina Langer
Die Konrad Wittwer Bahnhofsbuchhandlungen wechseln zum 1. Januar 2009 den Eigentümer. "Wir haben uns zu diesem strategischen Schritt entschieden, weil wir in diesem dicht besetzten Markt nicht mehr wachsen können", sagte der Geschäftsführer Michael Wittwer am Dienstag zur Begründung. Wittwer macht mit seinen Bahnhofsbuchhandlungen rund 35 Prozent seines Umsatzes von insgesamt rund 56 Millionen Euro und beschäftigt dort 178 Mitarbeiter. Über den Kaufpreis machte das Unternehmen keine Angaben.
Die 19 Buchhandlungen in Baden-Württemberg und Sachsen gehören künftig der Hamburger Valora Services GmbH, einer Tochter des Schweizer Valora-Konzerns. Der neue Eigentümer betreibt hierzulande bereits 171 Bahnhofsbuchhandlungen und ist nach eigenen Angaben in diesem Geschäftsfeld Marktführer in Deutschland, der Schweiz und Luxemburg. Valora sicherte zu, alle Mitarbeiter zu übernehmen. "Für uns ist dieser Zukauf eine ausgezeichnete Ergänzung des Portfolios", sagte Mathias Gehle, einer der beiden Geschäftsführer der Valora Services GmbH.
Wie stark steht Wittwer unter Druck?
In den vergangenen Jahren hat es im Bahnhofsbuchhandel eine Konzentrationswelle gegeben. Die 355 Bahnhofsbuchhandlungen werden direkt mit Presseerzeugnissen beliefert, müssen also nichts an Grossisten bezahlen. Dafür verlangt die Bahn Pacht und eine prozentuale Umsatzbeteiligung. Die Ansprüche der Bahn seien immer stärker gestiegen, während die Umsätze stagniert hätten, sagte ein Branchenkenner, so dass viele kleine Händler nicht überleben könnten. 2002 gehörten dem Verband der Deutschen Bahnhofsbuchhändler 80 Mitglieder an, mittlerweile liegt diese Zahl unter 40.
In der Branche heißt es, auch Michael Wittwer habe sich immer für einen Erhalt der Vielfalt eingesetzt. Umso befremdeter sei man jetzt, dass er seine Buchhandlungen ausgerechnet an den Branchenriesen verkaufe. Vielleicht stehe Wittwer unter Druck und spüre die neue Konkurrenz in Stuttgart stärker als zugegeben. Wittwer betreibt insgesamt sechs Buchverkaufsstellen, darunter das große Haupthaus in Stuttgart. Vor wenigen Wochen hat in der Stuttgarter Innenstadt auch der Branchenriese Hugendubel eine Buchhandlung eröffnet und dem Platzhirsch damit den Kampf angesagt. Michael Wittwer bezeichnete Vermutungen, Wittwer könne unter Druck gehandelt haben, als Blödsinn. "Wir haben eine langfristige, strategische Entscheidung getroffen, uns auf das Kerngeschäft zu konzentrieren."
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