Vicky Cristina Barcelona
Ein Leben zum Jauchzen
Ruprecht Skasa-Weiß, veröffentlicht am 04.12.2008
Filmbeschreibung
Seltsamer Filmstart - zur ungemütlichsten Jahreszeit, behelligt von Glatteis und Schnee, denkt kein Mensch an Sommerferien. Fern sind Hitzeflirren, Sonnentage, der ganze vergnügliche Schlendrian, von mediterranen Lüften umweht, glücksbesoffen, liebessüchtig, erlebnishungrig. Aber sieh da, in genau diese lockerlebige Stimmung sind wir plötzlich wieder versetzt! Wie heißt der Mann, der solche Wunder wirkt? Woody Allen, aber ja.
Allens jüngster Film - es ist der dritte und letzte im "europäischen Exil" des New Yorker Regisseurs - bezaubert, als wär's ein PR-Film für katalanische Lebensart, ein Touristenprospekt mit Schmachtstory-Garnierung, werbend für Erlebnisreisen unter iberischer Sonne, für Kultur- und Lusterfahrungs-Abenteuer zwischen Barcelona und Orvieto.
Katalanische Märkte, Park Güell, Galerien, Weinlauben, Restaurants, Gaudís extravagant verschneckelte Architektur - so attraktiv sie gefilmt sind, man merkt, für die Kamera sind sie allemal nur Kulisse. Den kritischen Tiefenblick versagt sich der Film, im Einklang mit wohl den meisten Touristen. Nicht von ungefähr heißt er "Vicky Cristina Barcelona", die Stadt selbst soll darin nur Station sein. Allen selber hat es aufschlussreich erläutert: "Der Film könnte auch ,Vicky Cristina Paris' oder ,Vicky Cristina Venice' heißen. Aber wir brauchten eine romantische Stadt. Und Barcelona hat diese romantische Sensibilität. Andere Städte hätten nicht dieses besondere Feeling rübergebracht."
Er brauchte eine romantische Stadt, und natürlich brauchte er dazu eine romantische Story. Für Allen, den Liebeswirren-Experten, war das Zweite vermutlich die leichter beizusteuernde Zutat. Auf eigenes Mitspiel hat er diesmal verzichtet - was eine weise Entscheidung war, denn Woodys grämliches Schuhugesicht, pressant und faltenreich dem Publikum entgegenblinzelnd, passte keinesfalls zu dem, was er diesmal darstellen wollte: Sorglosigkeit, Glück, Lebenslust, Ferienlaune, ansteckend heiter, bei allerdings verdammt konfus verliebten jungen Menschen.
Indes, als Theoretiker und emeritierter Praktiker aller Liebeskünste und Liebesdilettantismen zettelt der Regisseur noch immer tollste Verwirrspiele an, in deren Verlauf er als Drehbuchautor noch immer fesselndste Fragen aufwirft: Wie erfährt man die Liebe? Warum sehnt der Mensch sich nach dem einen, warum entsagt er dem andern? Ist nur unerfüllte Liebe romantisch? Liegt das Glück in der Beständigkeit, liegt es im Wechsel? Genau diese Fragen stellt der Film. Aber er stellt sie augenzwinkernd unvernünftig, mit aller Lust am Trubel und an der Wirrsal - und er erzählt sie als eine Dreiecksgeschichte, die sich salopp zur Vierecks-Eskapade weitet.
Wenn der Zauber des Verliebtseins darin besteht, dass er Menschen leicht und locker macht wie nie, dann ist Woody Allen einer der größten Liebeszauberer. Kaum stürmen die beiden Amerikanerinnen, soeben in Barcelona dem Flugzeug entstiegen und ihre Rollenkoffer flott hinter sich herschleifend, dem Urlaubsquartier entgegen - da ahnt man bereits den Anhauch erotischer Eskapaden. Vicky und Cristina heißen die munteren Damen, die sich die Stadt erobern wollen, Gaudí, Miró, das übliche Programm. Die Kamera erobert die Stadt sofort mit: Barcelona erglänzt wie eine einzige goldgelbe Herrlichkeit, es ist ein Leben zum Jauchzen.
Und die Frauen (eine hübscher als die andere: Rebecca Hall, Scarlett Johansson) geraten auch gleich an den Rechten. Im Restaurant bemerken sie den Künstler wieder (Javier Bardem), von dessen mörderischem Ehekrach sie in der Galerie erfuhren - ein übler Frauenaufreißer, memorieren sie tuschelnd, soll der ja sein ... Sie bereden es noch, da tritt er an ihren Tisch. Ha, und schon lachen wir, als wär's die fleischgewordene Pointe: Der Typ ist das wirklich, ein Frauenaufreißer! Prompt lädt er ein zum gemeinsamen Wochenend in seinem Landhaus, was schwer nach Triolala klingt. Cristina, charmiert, schmilzt dahin - sie wird dem Herrn verfallen mit Haut und Haar.
Weil aber Liebe immer auch abhängt von einer Gelegenheit sowie davon, dass kein anderer uns zuvorkommt, dauert's nicht lang, da hat der Herr auch Vicky, wieder mit Haut und Haar. Zusätzlich aber hat er ein Exweib, welches ihm einheizen wird, fauchend wie eine Wildkatze in Weibsgestalt (furios: Penelope Cruz). So schlägt der Film immerfort neue, auch lesbische Volten, aber die seien nicht verraten - nur dies: schauspielerisch, atmosphärisch übertrumpft Woody Allens romantische Komödie alles, was derzeit das deutsche Winterkino durchtobt.
Allens jüngster Film - es ist der dritte und letzte im "europäischen Exil" des New Yorker Regisseurs - bezaubert, als wär's ein PR-Film für katalanische Lebensart, ein Touristenprospekt mit Schmachtstory-Garnierung, werbend für Erlebnisreisen unter iberischer Sonne, für Kultur- und Lusterfahrungs-Abenteuer zwischen Barcelona und Orvieto.
Katalanische Märkte, Park Güell, Galerien, Weinlauben, Restaurants, Gaudís extravagant verschneckelte Architektur - so attraktiv sie gefilmt sind, man merkt, für die Kamera sind sie allemal nur Kulisse. Den kritischen Tiefenblick versagt sich der Film, im Einklang mit wohl den meisten Touristen. Nicht von ungefähr heißt er "Vicky Cristina Barcelona", die Stadt selbst soll darin nur Station sein. Allen selber hat es aufschlussreich erläutert: "Der Film könnte auch ,Vicky Cristina Paris' oder ,Vicky Cristina Venice' heißen. Aber wir brauchten eine romantische Stadt. Und Barcelona hat diese romantische Sensibilität. Andere Städte hätten nicht dieses besondere Feeling rübergebracht."
Er brauchte eine romantische Stadt, und natürlich brauchte er dazu eine romantische Story. Für Allen, den Liebeswirren-Experten, war das Zweite vermutlich die leichter beizusteuernde Zutat. Auf eigenes Mitspiel hat er diesmal verzichtet - was eine weise Entscheidung war, denn Woodys grämliches Schuhugesicht, pressant und faltenreich dem Publikum entgegenblinzelnd, passte keinesfalls zu dem, was er diesmal darstellen wollte: Sorglosigkeit, Glück, Lebenslust, Ferienlaune, ansteckend heiter, bei allerdings verdammt konfus verliebten jungen Menschen.
Indes, als Theoretiker und emeritierter Praktiker aller Liebeskünste und Liebesdilettantismen zettelt der Regisseur noch immer tollste Verwirrspiele an, in deren Verlauf er als Drehbuchautor noch immer fesselndste Fragen aufwirft: Wie erfährt man die Liebe? Warum sehnt der Mensch sich nach dem einen, warum entsagt er dem andern? Ist nur unerfüllte Liebe romantisch? Liegt das Glück in der Beständigkeit, liegt es im Wechsel? Genau diese Fragen stellt der Film. Aber er stellt sie augenzwinkernd unvernünftig, mit aller Lust am Trubel und an der Wirrsal - und er erzählt sie als eine Dreiecksgeschichte, die sich salopp zur Vierecks-Eskapade weitet.
Wenn der Zauber des Verliebtseins darin besteht, dass er Menschen leicht und locker macht wie nie, dann ist Woody Allen einer der größten Liebeszauberer. Kaum stürmen die beiden Amerikanerinnen, soeben in Barcelona dem Flugzeug entstiegen und ihre Rollenkoffer flott hinter sich herschleifend, dem Urlaubsquartier entgegen - da ahnt man bereits den Anhauch erotischer Eskapaden. Vicky und Cristina heißen die munteren Damen, die sich die Stadt erobern wollen, Gaudí, Miró, das übliche Programm. Die Kamera erobert die Stadt sofort mit: Barcelona erglänzt wie eine einzige goldgelbe Herrlichkeit, es ist ein Leben zum Jauchzen.
Und die Frauen (eine hübscher als die andere: Rebecca Hall, Scarlett Johansson) geraten auch gleich an den Rechten. Im Restaurant bemerken sie den Künstler wieder (Javier Bardem), von dessen mörderischem Ehekrach sie in der Galerie erfuhren - ein übler Frauenaufreißer, memorieren sie tuschelnd, soll der ja sein ... Sie bereden es noch, da tritt er an ihren Tisch. Ha, und schon lachen wir, als wär's die fleischgewordene Pointe: Der Typ ist das wirklich, ein Frauenaufreißer! Prompt lädt er ein zum gemeinsamen Wochenend in seinem Landhaus, was schwer nach Triolala klingt. Cristina, charmiert, schmilzt dahin - sie wird dem Herrn verfallen mit Haut und Haar.
Weil aber Liebe immer auch abhängt von einer Gelegenheit sowie davon, dass kein anderer uns zuvorkommt, dauert's nicht lang, da hat der Herr auch Vicky, wieder mit Haut und Haar. Zusätzlich aber hat er ein Exweib, welches ihm einheizen wird, fauchend wie eine Wildkatze in Weibsgestalt (furios: Penelope Cruz). So schlägt der Film immerfort neue, auch lesbische Volten, aber die seien nicht verraten - nur dies: schauspielerisch, atmosphärisch übertrumpft Woody Allens romantische Komödie alles, was derzeit das deutsche Winterkino durchtobt.
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