Recht oder Rücktritt

Theo Zwanzigers Drohkulisse

Tobias Schall, veröffentlicht am 08.12.2008
Foto: dpa

Frankfurt - Der DFB-Chef Theo Zwanziger hat mit seinem Rücktritt gedroht, falls er ein weiteres Mal vor Gericht gegen den Journalisten Jens Weinreich unterliegen sollte. Der hatte ihn einen "Demagogen" genannt. Der Disput wird immer mehr zur Posse.


  Von Tobias Schall

 
Eigentlich war Theo Zwanziger guter Laune, als er sich am Montag in Frankfurt vor die Presse stellte. Es ist Dezember, und der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sah die Zeit gekommen, ein Fazit dieses Jahres zu ziehen. Überaus erfolgreiche zwölf Monate liegen hinter dem DFB, sagte er dann, und dass man tolle sportliche Höhepunkte erlebt habe. Gleichwohl erwarte er schwierige Zeiten, da die Finanzkrise auch vor dem Fußball nicht haltmachen werde. Es ging um Fußball, um Finanzen, doch dann plötzlich auch um dieses eine Thema, das den einflussreichen Verband seit vielen Wochen intensiv beschäftigt: Der Streit des DFB-Präsidenten mit einem kritischen Journalisten, der ihn einen "Demagogen" genannt hatte und gegen den Zwanziger eine Klage angekündigt hat (die StZ berichtete). "Wenn das verfassungsrechtlich zulässig ist, werde ich sehr ernsthaft erwägen, ob ich dieses Amt weiterführe", sagte der 63-Jährige am Montag.

Recht oder Rücktritt

Rücktritt. Damit droht der mächtige Lobbyist, falls die Judikative nicht das machen sollte, was die Frankfurter Fußballexekutive von ihr erwartet. Recht oder Rücktritt. Das sagt Zwanziger, Jurist und einst Verwaltungsrichter in Koblenz, in der nächsten Episode des "Demagogen-Gate". "Das kann ich nicht auf mir sitzen lassen. Es wird ein Urteil geben. Ich werde meine persönliche Ehre nicht auf dem Altar des Amtes opfern", sagt Zwanziger. Er will sich am Dienstag mit dem DFB-Anwalt Christian Schertz treffen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Eine Entscheidung über den Gerichtsstand der Klage sei laut DFB nicht gefallen. Was in einem Internetblog begann, hat sich endgültig zu einer Medienaffäre ausgeweitet.

Im Juli dieses Jahres hatte der freie Journalist und StZ-Autor Jens Weinreich auf der Internetseite "Direkter Freistoss" den DFB-Präsidenten als "unglaublichen Demagogen" bezeichnet. Dabei ging es um einen Auftritt und Aussagen Zwanzigers im Streit mit dem Kartellamt bezüglich der zentralen TV-Vermarktung. Demagoge, ein harter Vorwurf, keine Frage, Zwanziger fühlte sich in die rechte Ecke gedrängt, diffamiert. Aber sowohl das Berliner Landgericht als auch das Kammergericht hatten eine einstweilige Verfügung abgelehnt und die Aussage als "zulässige Meinungsäußerung" angesehen. Zwanziger aber wollte dies nicht einsehen und warf die PR-Maschinerie an: mit einer Pressemeldung, die einige Fehler und Desinformationen enthielt, mit keinem Wort die bereits gesprochenen Urteile erwähnte - und deshalb richterlich per einstweiliger Verfügung unter Androhung eines Ordnungsgelds von 250.000 Euro zurückgepfiffen wurde.

Tief gekränkt und beratungsresistent

Tief gekränkt sei der Präsident, beratungsresistent, und er habe sich hoffnungslos verrannt, so ist zu hören. Der DFB-Chef kann wie jeder andere auch für sein Recht kämpfen, auch mehrmals, wenn er sich nicht entsprechend behandelt fühlt, doch mit der neuerlichen Drohkulisse beschädigt er vor allem sich selbst. Zwanzigers Aussage wird auf den Rechtsstreit keinen Einfluss haben, stünde es doch schlecht um den Rechtsstaat bestellt, sollten derartige Äußerungen ein Verfahren im Positiven wie im Negativen beeinflussen. Der Vorgang offenbart aber einmal mehr das seltsame Gebahren des Verbands, und vor allem seines Präsidenten, der viel Gutes für den Fußball getan hat, hier allerdings nach Gutsherrenmanier agiert.

Die von Zwanziger so gerne postulierte "Kommunikationsherrschaft" hat der Verband längst verloren, und mit ihr auch die Kontrolle über einen bislang einmaligen Vorgang im deutschen Sport, der immer stärker Züge einer Posse annimmt.
 
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