VfB und der FC Bayern

Zahlreiche Giftpfeile und das Dauerthema Gomez

Thomas Haid, veröffentlicht am 12.12.2008
Foto: Prang/Baumann

Stuttgart - Am Samstag empfängt der VfB Stuttgart den FC Bayern München. Und bei diesen Duellen zwischen den beiden Südrivalen geht es seit einiger Zeit nicht nur auf dem Platz ziemlich giftig zu. Auch außerhalb davon sind sich die Verantwortlichen der beiden Clubs nicht grün - was vier Beispiele belegen.


  Von Thomas Haid

 
Wenn sich die Fußballdelegationen aus Stuttgart und München vor dem Südgipfel am Samstag wieder dem Anlass entsprechend zum Mittagessen treffen, stehen Plaudereien auf dem Programm. Dann werden Nettigkeiten ausgetauscht und Komplimente gemacht. Aber ob das alles auch ehrlich gemeint ist, sei einmal dahingestellt. Denn vieles spricht dafür, dass sich die Harmonie zwischen dem VfB und dem FC Bayern auf diverse Tischgespräche beschränkt. Andernorts ist das Verhältnis eher angespannt und von gegenseitigen Nadelstichen geprägt - was ein Blick in die jüngere Vergangenheit zeigt.

Der Fall Felix Magath

Mai 2004. Nach einem wochenlangen Tauziehen hinter den Kulissen verkündet der Bayern-Manager Uli Hoeneß ausgerechnet vor dem letzten Spieltag der Saison, dass der Wechsel des VfB-Trainers nach München perfekt sei. Dieses Vorpreschen löst in Stuttgart Irritationen und Ärger aus. Der Präsident Erwin Staudt kritisiert Hoeneß, weil der sich nicht an die Absprachen gehalten habe und damit nur Unruhe stiften wolle. Wenn das der Bayern-Plan gewesen ist, geht er auf. Der VfB unterliegt bei Bayer Leverkusen mit 0:2 und verpasst dadurch die Qualifikation für die Champions League. Nach der Partie wird Magath von Stuttgarter Fans bedroht und beleidigt, weil die Atmosphäre durch die Aussagen von Hoeneß aufgeheizt ist.

Über das Verhalten seines künftigen Managers ist sogar Magath verwundert. "Es hat mich überrascht, dass sich Hoeneß so deutlich äußerte", sagt der Trainer - um dem VfB zum Abschied noch ein paar bayerische Watschn mitzugeben: "Ich bin froh, dass ich in München lauter Fachleute um mich habe, und ich freue mich darauf, endlich mal mit einer Vereinsführung zusammenarbeiten zu können, die sehr viel Knowhow aufweist." Obwohl der Vertrag von Magath in Stuttgart noch ein Jahr läuft, müssen die Bayern keine Ablöse für den Coach zahlen - zumindest heißt es offiziell so. Der VfB habe deshalb bei ihnen etwas gut, sagt der Münchner Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Der Fall Piotr Trochowski

Januar 2005. Ein halbes Jahr später hält der VfB den Zeitpunkt für gekommen, um das Versprechen von Rummenigge einzulösen. Es geht um den Transfer von Piotr Trochowski. Alles scheint klar - ehe die Sache eskaliert. Der VfB bietet eine Ablöse von 750000 Euro, und obwohl der Club angeblich etwas guthat, verlangen die Bayern mehr, nämlich eine Million. Vielleicht liegt das daran, dass sich bis heute das Gerücht hält, Hoeneß hätte doch Geld nach Stuttgart überweisen müssen, um Magath loszueisen. Das Geschäft mit Trochowski platzt jedenfalls - und wieder feuert Hoeneß seine Giftpfeile ab. "Unser gutes Verhältnis zum VfB ist jetzt stark beschädigt", poltert er, um anschließend seinen Stuttgarter Verhandlungspartnern Herbert Briem und Jochen Schneider unseriöses Verhalten vorzuwerfen.

Briem kontert: "Wenn es unseriös ist, die Forderungen der Bayern nicht zu erfüllen, haben wir in der Tat unseriös gehandelt." Das letzte Wort hat jedoch wieder Hoeneß. "Das Verhalten des VfB entsprach nicht der guten alten Kaufmannsart", schimpft er und erklärt Briem und Schneider ab sofort zu in München unerwünschten Personen. Der spätere Nationalspieler Trochowski geht derweil zum Hamburger SV - für eine Million Euro.

Der Fall Horst Heldt

Januar 2008. Der VfB zeigt Interesse an der Verpflichtung von Lukas Podolski, bei dem schon damals klar ist, dass er in München nicht mehr glücklich wird. Obwohl der Teammanager Horst Heldt in dieser Angelegenheit nur so agiert wie einige andere Vereine auch, nimmt Hoeneß wieder den VfB aufs Korn. Es sei nicht korrekt, einen Spieler anzubaggern, der woanders noch zweieinhalb Jahre unter Vertrag stehe, sagt er. "Ich weiß nicht, wie der VfB reagieren würde, wenn wir sagen würden, der Mario Gomez würde uns auch interessieren. Dann wäre längst eine Protestnote aus Stuttgart da."

Abgesehen davon, dass die Bayern wenig später bei Gomez genau das machen, was Hoeneß beim VfB verurteilt hat, versteht Heldt (39) die Welt nicht mehr. "So langsam ist mir das alles zu blöd", erwidert er - und verweist auf die Abwerbung von Magath. Erschwerend kommt hinzu, dass Hoeneß kurz zuvor auf die Frage, wen er sich als seinen Nachfolger beim FC Bayern vorstellen könne, geantwortet hat: "Auf gar keinen Fall einen so jungen Mann wie Heldt." Der spielt den Ball zurück: "Wenn Hoeneß meint, dass ich noch so jung aussehe, freut mich das."

Der Fall Mario Gomez

Juni 2008. Geht er nach München, oder geht er nicht? So lautet die Frage, die wochenlang diskutiert wird und während der EM Unruhe im deutschen Lager stiftet. Gomez wirkt abgelenkt, weshalb er bei dem Turnier wohl nicht zu seiner Form findet. Eine Ablöse von 30 Millionen Euro steht im Raum. Aber obwohl der VfB die Freigabe für den mit einem Vertrag bis 2012 ausgestatteten Stürmer verweigert, bohren die Bayern weiter. "Gomez hat eine Klausel im Vertrag, die uns die Möglichkeit bietet, ihn zu holen - wann immer wir wollen", sagt Rummenigge.

Heldt ist sauer ("Auch der FC Bayern kann keinen Spieler holen, wann er will"), aber der Münchner Vorstandschef stichelt weiter - auch gegen Staudt, der sich zur Zentralvermarktung in der Liga geäußert hat. "Staudt glänzt momentan nicht unbedingt mit klugen Aussagen - weder beim eigenen Club noch bei anderen", sagt Rummenigge.

Unterdessen wird Gomez zum Dauerthema zwischen den Südrivalen. Vor einer Woche hat Hoeneß noch betont, Gewehr bei Fuß zu stehen, wenn der VfB ein Signal sendet. Inzwischen hört sich das anders an. Hoeneß sagt, dass der Transfer "nahezu ausgeschlossen ist" - wegen der Weltfinanzkrise. Dabei gab es diese Krise auch schon vor einer Woche. Was das alles zu bedeuten hat? Vielleicht können sich die Parteien ja heute beim Mittagessen mal darüber unterhalten.
 

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