O'Horten
Der planmäßig entgleiste Lokführer
Thomas Klingenmaier, veröffentlicht am 18.12.2008
Filmbeschreibung
Sein Zug saust über die Schienen. Zu Beginn von "O'Horten" sehen wir Odd Horten (Bard Owe) in einer Doppelfunktion. Der Zugführer ist eine Art Dirigent eines Orchesters der Bewegung, das der Regisseur Bent Hamer ("Kitchen Stories") uns mit einem Spiel der Bilder und Töne, des gebannten Blicks aus der Lokkanzel, liebevoll vorstellt. Zugleich aber ist Horten - fast jeder Eisenbahnfilm spielt mit diesem Gegensatz von Macht und Ohnmacht - auch ein Gefangener. Die Schienen, die Signale, die Weichen geben ihm vor, wo es hingeht. Wenn die Strecke auf einen Tunnel zuläuft, dann geht es eben in diesen Tunnel hinein. Da gibt es kein Dranvorbei oder Drüberhinweg.
Aber es gibt ein Anhalten. Horten hat nun das Rentenalter erreicht, er soll seine letzte Fahrt antreten. Bent Hamer wäre durchaus der Regisseur für eine melancholische letzte Reise, für ein bittersüßes Hinübergleiten ins Ausrangiertsein: noch einmal den großen Motor unter den Fingerspitzen, und dann ein Dahintäppeln als Rentner, der keine Freunde und Bindungen hat in einer Welt, durch die er nur hindurchfuhr. Aber der 1956 geborene Norweger, dessen Filme uns unter anderem an die von Aki Kaurismäki, Jacques Tati und Buster Keaton denken lassen, kann auch über das ein wenig lachhaft Traurige hinausgehen, und das wagt er hier wieder mal: er führt uns ins Surreale.
Nichts klappt an Hortens letztem Tag. Der Mann verpasst seinen eigenen Zug, aber das ist mehr als der Auftakt zu Pleiten, Pech und Pannen. Die Welt fällt auseinander, wird wunderlich, das Konkreteste und Banalste in ihr plötzlich unberechenbar. Das Licht und die Kamerawinkel geben dem Gewöhnlichen etwas Artifizielles. In diesem Film wird die Rente zum Übertritt in ein Wunderland wie jenes, in das Alice bei Lewis Carroll eintritt, zum Sturz in eine Komik, die auch etwas Bedrohliches hat. Nicht einmal sich selbst kann der planmäßig Entgleiste mehr vertrauen. Er wird zu Unzeiten müde, sackt weg, wenn er wach bleiben müsste.
Bent Hamer erlaubt auch seinem Film, auseinanderzubrechen. Das ist kein Kontrollverlust, sondern ein Konstruktionsprinzip. Dass wir uns in einer Nummernrevue befinden, dass die Szenen hier nicht logisch aneinanderpassen, dass es lose Erzähl-Enden gibt, dass keine übergreifende Harmonie das Banale, Schrille, Weise, Melancholische, Bissige und Alberne einfasst und trägt, all das soll uns Hortens subjektives Weltempfinden nahebringen. Außerhalb der Lok und des alten Gleisbetts der Routine gibt es für ihn nur dieses neue Chaos. Der Schauspieler Bard Owe hält seinen Horten dabei immer glaubhaft: Wir wünschen diesem Mann, dass er das Chaos ordnen kann.
Aber es gibt ein Anhalten. Horten hat nun das Rentenalter erreicht, er soll seine letzte Fahrt antreten. Bent Hamer wäre durchaus der Regisseur für eine melancholische letzte Reise, für ein bittersüßes Hinübergleiten ins Ausrangiertsein: noch einmal den großen Motor unter den Fingerspitzen, und dann ein Dahintäppeln als Rentner, der keine Freunde und Bindungen hat in einer Welt, durch die er nur hindurchfuhr. Aber der 1956 geborene Norweger, dessen Filme uns unter anderem an die von Aki Kaurismäki, Jacques Tati und Buster Keaton denken lassen, kann auch über das ein wenig lachhaft Traurige hinausgehen, und das wagt er hier wieder mal: er führt uns ins Surreale.
Nichts klappt an Hortens letztem Tag. Der Mann verpasst seinen eigenen Zug, aber das ist mehr als der Auftakt zu Pleiten, Pech und Pannen. Die Welt fällt auseinander, wird wunderlich, das Konkreteste und Banalste in ihr plötzlich unberechenbar. Das Licht und die Kamerawinkel geben dem Gewöhnlichen etwas Artifizielles. In diesem Film wird die Rente zum Übertritt in ein Wunderland wie jenes, in das Alice bei Lewis Carroll eintritt, zum Sturz in eine Komik, die auch etwas Bedrohliches hat. Nicht einmal sich selbst kann der planmäßig Entgleiste mehr vertrauen. Er wird zu Unzeiten müde, sackt weg, wenn er wach bleiben müsste.
Bent Hamer erlaubt auch seinem Film, auseinanderzubrechen. Das ist kein Kontrollverlust, sondern ein Konstruktionsprinzip. Dass wir uns in einer Nummernrevue befinden, dass die Szenen hier nicht logisch aneinanderpassen, dass es lose Erzähl-Enden gibt, dass keine übergreifende Harmonie das Banale, Schrille, Weise, Melancholische, Bissige und Alberne einfasst und trägt, all das soll uns Hortens subjektives Weltempfinden nahebringen. Außerhalb der Lok und des alten Gleisbetts der Routine gibt es für ihn nur dieses neue Chaos. Der Schauspieler Bard Owe hält seinen Horten dabei immer glaubhaft: Wir wünschen diesem Mann, dass er das Chaos ordnen kann.
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