Fly me to the Moon 3D

Fliegen auf dem Mond

Rupert Koppold, veröffentlicht am 18.12.2008
Filmbeschreibung
Die 3-D-Brille aufgesetzt, und schon geht's hinein in die Hyperwirklichkeit. Beziehungsweise andersrum: aus der Leinwand heraus schwirren Insekten direkt auf einen zu, und bald wird auch eine Rakete in geschätzten fünfzehn Zentimetern Entfernung am eigenen Kopf vorbeidonnern. "Fly me to the Moon" ist nämlich ein Animationsfilm, in dem sich drei Fliegen-Teenies zuerst in eine Astronauten-Lunchbox und dann in die Kapsel der Apollo-11-Mondmission schmuggeln. Der abenteuerlustige Nat, der den gefräßigen Scooter und den bebrillten IQ zu dieser Tat überredet, hat die Gene wohl vom Opa geerbt, der saß in seiner Jugend mal im Cockpit einer atlantiküberquerenden Flugpionierin und hat sie vor dem Einschlafen gerettet, indem er ihr niesreizend ins Nasenloch flog.

Das ist alles ganz liebevoll animiert, von den Teenie-Klamotten bis hin zum Fliegenwohnhaus, das den American Way of Life der sechziger Jahre im Miniformat nachstellt. Und wenn das Ausreißer-Trio, dessen besorgte Mütter den Raumflug der Söhne am Fernseher verfolgen, schwerelos durch die Kapsel schwebt und Purzelbäume ausprobiert, dann schaut man gerne zu, es ist eine Sequenz, die sich quasi eine Auszeit von der Geschichte nimmt und sich selbst genügt. Diese Geschichte allerdings ist eher schlicht und dünn geraten und auch nur selten so charmant, wie sie gern sein will. Um sie überhaupt auf ihre 84 Minuten Spielfilmlänge zu bringen, wird ihr noch ein Kalter-Krieg-mit-den-bösen-Russen-Strang angeknüpft, der sich ein bisschen parodistisch geben will. Tatsächlich aber trägt er dazu bei, dass "Fly me to the Moon" ein patriotisch-nostalgisches Stückchen geworden ist, in dem Neil Armstrongs Original-Mondbetretungs-Worte und die US-Flagge an ruhmreiche Zeiten erinnern sollen.

Auch amerikanische Fliegen tragen im Film ihr Teil dazu bei, dass die US-Mission gelingt. Als die Kapsel schwer durchgerüttelt wird, reparieren sie heldenhaft den störungsverursachenden Kurzschluss. In einer Geschichte des polnischen Science-Fiction-Autors Stanislaw Lem, erschienen 1968, also etwa zur Handlungszeit von "Fly me to the Moon", ist es übrigens gerade umgekehrt: da verursacht eine Fliege, die sich in die Kapsel des Raumkadetten Pirx verirrt hat, einen Kurzschluss. Diese Geschichte heißt "Test", sie ist auch als Audio-CD für Kinder ab acht Jahren erhältlich und eine echte Fliegen-und-Raumfahrt-Alternative zu diesem Film.
 
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