Mit Folgen für die Wirtschaftsregion

Würth will Österreicher werden

Wieland Schmid, veröffentlicht am 18.12.2008
Foto: dpa

Künzelsau - Schraubenhändler Reinhold Würth hat seiner hohenlohischen Heimat stets die Treue geschworen. Gut ein halbes Jahr nach dem Strafbefehl für seine Steuersünden strebt er nun die österreichische Staatsbürgerschaft an.


  Von Wieland Schmid

 
"Würth zu verlieren wäre dramatisch", reagierte Steffen Schoch, Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken im ersten Schrecken auf die Nachricht, dass die Würth-Gruppe ihre Auslandsgeschäfte künftig von Rorschach in der Schweiz aus lenken werde. Das ist laut Schoch "ein Zeichen, das man sehr ernst nehmen muss". Den Grund dafür kann allerdings auch er nur vermuten. "Vielleicht ist es eine Reaktion auf die politischen Tendenzen in Deutschland", rätselt der oberste Wirtschaftsförderer Nordwürttembergs und tröstet sich gleichzeitig selbst: "In Zukunft ist das vielleicht anders, aber solange es Reinhold Würth gibt, kann ich mir weitere Konsequenzen nicht vorstellen."

Der Größte teil der Gewerbesteuern stammt von Würth

Der Künzelsauer Bürgermeister Volker Lenz "bedauert" zwar, dass die Geschäfte des Schraubenkonzerns Würth künftig überwiegend von der Schweiz aus gesteuert werden. "Man muss schon überlegen, warum immer mehr Wohn- beziehungsweise Betriebssitze in die Schweiz oder nach Österreich verlegt werden", sinniert der Rathauschef und befürchtet, dass die Künzelsauer Steuereinnahmen "deshalb nicht gerade steigen werden". Die Stadtväter, die ihrem Ehrenbürger Reinhold Würth den größten Teil ihrer Gewerbesteuereinnahmen verdanken, müssen ohnehin derzeit zwei weitere Rückschläge verkraften.

Die Führungskräfte, an ihrer Spitze Reinhold Würths Tochter Bettina, die die deutsche und schweizerische Staatsbürgerschaft besitzt, haben zwei Großprojekte auf unbestimmte Zeit verschoben. Im Frühjahr sollte mit dem Bau des elf Millionen Euro teuren Erweiterungsbaus für die Verwaltung am Stammsitz in Gaisbach mit 300 neuen Arbeitsplätzen begonnen werden. Außerdem war daneben eine von den Hohenlohern freudig erwartete Kultur- und Kongresshalle für 2500 Zuschauer geplant, die 25 Millionen Euro kosten sollte. Beide Projekte würden "grundsätzlich" weiterhin geplant, verlautet aus der Konzernzentrale. Aber die Realisierung sei derzeit nicht absehbar.

Der Hohenloher Landrat Helmut Jahn kennt Würth nach eigener Bekundung "sehr gut", aber auch er kann nur spekulieren. "Bei uns nimmt die Bürokratie massiv zu, und in der Schweiz wird man als Unternehmer anders behandelt", meint der Amtschef und glaubt, dass die Verlagerung der Würth-Auslandszentrale in die Schweiz "eher eine Stabilisierung" des Gesamtkonzerns bewirke. Dass der in einem Schloss residierende Milliardär Reinhold Würth seinen Wohnsitz nach Salzburg verlegen und die österreichische Staatsbürgerschaft erwerben will, war Jahn nicht bekannt. "Im Herzen ist und bleibt er aber ein Hohenloher", glaubt der CDU-Landrat. Außerdem sei Reinhold Würth "ein globaler Bürger" mit Domizilen in mehreren europäischen Ländern. Das bestätigt die Konzernzentrale.

Er fühlt sich als Bürger Europas

"Reinhold Würth pflegt seit Jahrzehnten enge Beziehungen nach Österreich", heißt es in einer Stellungnahme zur Bewerbung des Unternehmers um einen Pass der Alpenrepublik. Würth habe schon seit 1993 einen Wohnsitz im Salzburger Land, der "mit abnehmenden beruflichen Aktivitäten immer mehr zum Altersruhesitz" werde. Würth selbst fühle sich "als europäischer Bürger", außerdem sei "in der Europäischen Union die Zugehörigkeit zu zwei Staatsbürgerschaften nichts Ungewöhnliches".

Beim Firmenjubiläum hat Würth laut darüber nachgedacht, wann für ihn eine Abwanderung infrage käme. Dann nämlich, wenn "irgendwann so eine Antistimmung gegen ,die da oben' oder die Reichen produziert" würde." Auf 300 bis 500 Millionen Euro bezifferte er damals die Erbschaftsteuer, wenn er sterbe und "wenn die Firma mir persönlich gehören würde". Wenn man jedoch "400 Kilometer weiter wohnt, dann kostet das null". Und da gehöre "schon ein gewisser Patriotismus dazu, wenn man sagt, dass man trotzdem bleibt".
 

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