Die Region in der Literatur (5)
Mit dem Privatdetektiv in den Straßen von Stuttgart
Kathrin Haasis, veröffentlicht am 02.01.2009
Stuttgart - London hat Sherlock Holmes, Paris Commissaire Maigret und Los Angeles Philip Marlowe. Durch Stuttgart streift Georg Dengler. Der Privatermittler ist das Geschöpf Wolfgang Schorlaus. Damit hat der Schriftsteller der Landeshauptstadt ein literarisches Denkmal gesetzt.
Von Kathrin Haasis
Georg Dengler wohnt im Bohnenviertel, einen Stock tiefer als seine Freundin Olga, die rumänische Taschendiebin. Seine Lieblingskneipe ist das Basta, wo er unaufgefordert je nach Tageszeit einen doppelten Espresso mit einem Kännchen Milch oder einen badischen Grauburgunder serviert bekommt. Manchmal frühstückt er auch in Herbertz Espressobar, sein Freund Mario wohnt in der Mozartstraße. Dengler ist Mitte 40, aufgewachsen in Altglashütte und Mitglied bei Stadtmobil. Zum Joggen geht er an die Bärenseen, wo an den Wochenenden "kaum weniger Andrang als in der Königstraße, dem großen Einkaufsboulevard der Stadt", herrsche. Der Privatermittler ist jetzt ein echter Stuttgarter.
Streifzüge durch die Landeshauptstadt
Wolfgang Schorlau hat sich die Figur ausgedacht. Seit vier Büchern streift der Exmitarbeiter des Bundeskriminalamts nach den Vorstellungen des Schriftstellers durch die Landeshauptstadt. Am Anfang, als Georg Dengler gerade von Wiesbaden nach Stuttgart gezogen war, wirkten die Beschreibungen noch etwas oberflächlich. "Eine Amsel probte auf einem Verkehrsschild unsicher den ersten Gesang, und die Königstraße war belebt wie immer", heißt es etwa in seinem ersten Fall "Die blaue Liste". "Die Schwaben sind gar nicht so schlecht wie ihr Ruf", erklärt ihm darin auch sein Freund Mario.
Im vierten Band "Brennende Kälte" ist Georg Dengler längst heimisch im Bohnenviertel geworden. Er registriert jedes neue Café. "Heute aber hatte er es eilig. Hinter der Leonhardskirche überquerte er die Straße beim Jazzclub Bix. Auf der anderen Seite der Hauptstätter Straße waren es nur noch wenige Schritte zum Bürgerzentrum Süd", lautet eine der Stadtbeschreibungen. Der Ermittler kommt eben herum. "Dengler traf sich mit Jakob auf den Stufen neben dem neuen Kunstmuseum am Kleinen Schlossplatz", beginnt ein Treffen mit seinem Sohn. Der Junge hört Hip-Hop: "Wenn der Vorhang fällt, sieh hinter die Kulissen", zitiert der Autor den Text von der Gruppe Freundeskreis.
Die Großstadt - ein Abenteuer
"Es ist eine große Stärke des Kriminalromans, dass er den Schauplatz liebt", hat Wolfgang Schorlau in einem Interview gesagt. Er selbst sei, lange bevor er in Los Angeles war, mit Raymond Chandlers Romanen und dessen Held Philip Marlowe durch die Stadt gefahren oder mit Georges Simenons Maigret durch Paris. In "Brennende Kälte" macht er sich darüber lustig: "Dengler griff nach dem neuen Buch von Heinrich Steinfest, das in Stuttgart spielte, ihn aber nicht nur wegen der bekannten Schauplätze interessierte."
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts dient die Großstadt als Tatort für Kriminalromane. Edgar Allan Poe gilt als Erfinder des Genres: Er schuf 1841 mit Auguste Dupin die erste literarische Detektivgestalt. Etwas später ließ sich Arthur Conan Doyle den pfeiferauchenden Sherlock Holmes einfallen. Gilbert Keith Chesterton steuerte den Amateurdetektiv Pater Brown bei - und 1901 den Text "Verteidigung der Detektivgeschichte". "Diese neue Vorstellung von der Großstadt als etwas Abenteuerlichem und Auffälligem hat ihre Ilias in der Detektivgeschichte gefunden", erklärte er darin. Der Held findet in der Großstadt dunkle Ecken, Mord und Totschlag. Das Land symbolisiert dagegen Idylle.
"Stuttgart, das Ödland" heißt das erste Kapitel von "Brennende Kälte". Ein schmieriger Typ erklärt Dengler darin die Vorteile des Bahnprojekts Stuttgart 21. "Da wird auch einiges für uns zu holen sein", sagt er. Der Detektiv soll für die Profiteure die Gegner ausspionieren, gegen ein Spitzenhonorar. Ein nach einem Afghanistan-Einsatz durchgedrehter Bundeswehrsoldat kommt ihm dazwischen. Der Veteran ballert mit einer Mikrowellenwaffe herum, und der Privatermittler deckt eine große Verschwörung auf, dieses Mal von der Waffenindustrie mit der Bundesregierung. Der Autor Wolfgang Schorlau geht nämlich weit über Stuttgart hinaus: vom Bohnenviertel in die ganze Welt.
Von Kathrin Haasis
Georg Dengler wohnt im Bohnenviertel, einen Stock tiefer als seine Freundin Olga, die rumänische Taschendiebin. Seine Lieblingskneipe ist das Basta, wo er unaufgefordert je nach Tageszeit einen doppelten Espresso mit einem Kännchen Milch oder einen badischen Grauburgunder serviert bekommt. Manchmal frühstückt er auch in Herbertz Espressobar, sein Freund Mario wohnt in der Mozartstraße. Dengler ist Mitte 40, aufgewachsen in Altglashütte und Mitglied bei Stadtmobil. Zum Joggen geht er an die Bärenseen, wo an den Wochenenden "kaum weniger Andrang als in der Königstraße, dem großen Einkaufsboulevard der Stadt", herrsche. Der Privatermittler ist jetzt ein echter Stuttgarter.
Streifzüge durch die Landeshauptstadt
Wolfgang Schorlau hat sich die Figur ausgedacht. Seit vier Büchern streift der Exmitarbeiter des Bundeskriminalamts nach den Vorstellungen des Schriftstellers durch die Landeshauptstadt. Am Anfang, als Georg Dengler gerade von Wiesbaden nach Stuttgart gezogen war, wirkten die Beschreibungen noch etwas oberflächlich. "Eine Amsel probte auf einem Verkehrsschild unsicher den ersten Gesang, und die Königstraße war belebt wie immer", heißt es etwa in seinem ersten Fall "Die blaue Liste". "Die Schwaben sind gar nicht so schlecht wie ihr Ruf", erklärt ihm darin auch sein Freund Mario.
Im vierten Band "Brennende Kälte" ist Georg Dengler längst heimisch im Bohnenviertel geworden. Er registriert jedes neue Café. "Heute aber hatte er es eilig. Hinter der Leonhardskirche überquerte er die Straße beim Jazzclub Bix. Auf der anderen Seite der Hauptstätter Straße waren es nur noch wenige Schritte zum Bürgerzentrum Süd", lautet eine der Stadtbeschreibungen. Der Ermittler kommt eben herum. "Dengler traf sich mit Jakob auf den Stufen neben dem neuen Kunstmuseum am Kleinen Schlossplatz", beginnt ein Treffen mit seinem Sohn. Der Junge hört Hip-Hop: "Wenn der Vorhang fällt, sieh hinter die Kulissen", zitiert der Autor den Text von der Gruppe Freundeskreis.
Die Großstadt - ein Abenteuer
"Es ist eine große Stärke des Kriminalromans, dass er den Schauplatz liebt", hat Wolfgang Schorlau in einem Interview gesagt. Er selbst sei, lange bevor er in Los Angeles war, mit Raymond Chandlers Romanen und dessen Held Philip Marlowe durch die Stadt gefahren oder mit Georges Simenons Maigret durch Paris. In "Brennende Kälte" macht er sich darüber lustig: "Dengler griff nach dem neuen Buch von Heinrich Steinfest, das in Stuttgart spielte, ihn aber nicht nur wegen der bekannten Schauplätze interessierte."
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts dient die Großstadt als Tatort für Kriminalromane. Edgar Allan Poe gilt als Erfinder des Genres: Er schuf 1841 mit Auguste Dupin die erste literarische Detektivgestalt. Etwas später ließ sich Arthur Conan Doyle den pfeiferauchenden Sherlock Holmes einfallen. Gilbert Keith Chesterton steuerte den Amateurdetektiv Pater Brown bei - und 1901 den Text "Verteidigung der Detektivgeschichte". "Diese neue Vorstellung von der Großstadt als etwas Abenteuerlichem und Auffälligem hat ihre Ilias in der Detektivgeschichte gefunden", erklärte er darin. Der Held findet in der Großstadt dunkle Ecken, Mord und Totschlag. Das Land symbolisiert dagegen Idylle.
"Stuttgart, das Ödland" heißt das erste Kapitel von "Brennende Kälte". Ein schmieriger Typ erklärt Dengler darin die Vorteile des Bahnprojekts Stuttgart 21. "Da wird auch einiges für uns zu holen sein", sagt er. Der Detektiv soll für die Profiteure die Gegner ausspionieren, gegen ein Spitzenhonorar. Ein nach einem Afghanistan-Einsatz durchgedrehter Bundeswehrsoldat kommt ihm dazwischen. Der Veteran ballert mit einer Mikrowellenwaffe herum, und der Privatermittler deckt eine große Verschwörung auf, dieses Mal von der Waffenindustrie mit der Bundesregierung. Der Autor Wolfgang Schorlau geht nämlich weit über Stuttgart hinaus: vom Bohnenviertel in die ganze Welt.
Mehr aus Stuttgart & Region
Der Junge mit dem Fahrrad Engel in der Kälte
In Darkness Eine wahre Geschichte
Die Unsichtbare Aufgeben gilt nicht, auch wenn’s wehtut
Hugo Cabret 3D Das Phantom des Bahnhofs
Die Summe meiner einzelnen Teile Diagnose: Kapitalismus
Die Kunst zu gewinnen - Moneyball Eine Formel für den Sieg
Sex on the Beach Kretins auf Kreta
Dame, König, As, Spion Im Lügenlabyrinth der Bürointriganten
Zettl - Unschlagbar charakterlos Das hat die Hauptstadt nicht verdient
Ein riskanter Plan Manhattan ist ein Spielbrett
Alle Artikel anzeigen
Anzeigen
Was möchten Sie unternehmen?
Wann möchten Sie etwas unternehmen?

Monat

| Heute | Morgen | Akt. Woche |
| MO | DI | MI | DO | FR | SA | SO |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
Highlights am 11.02.
Premiere: Die Kunst zu Leben - Kinder- und Jugendhaus Zuffenhausen Haus 11
Premiere: Der Froschkönig - FITZ - Zentrum für Figurentheater
Derbe Kerbe - Schräglage
Anzeigen






