Weinstube am Stadtgraben
Von Satansbraten und Saftschubsen
Erik Raidt , veröffentlicht am 08.01.2009
Stuttgart - Ach herrje, diese Weinstuben. Man sitzt geduckt an derben Holztischen, auf denen sich noch fleckig die Ränder vom Viertelesglas des Vorgängers abzeichnen. Schier mag man den Kopf zwischen den Schultern einziehen, weil dunkle Balken bedrohlich an der Decke prangen. Auf der Karte finden sich Wurstsalat, Bratkartoffeln und eine Auswahl von Trollingern, vor denen man seine Leber lieber in Sicherheit bringt.
Von Erik Raidt
Alles falsch, alles längst zum Klischee verklumpter Käse, der nur noch selten etwas mit der Wirklichkeit zu tun hat. An kaum einem anderen Ort in Stuttgart lässt sich das derzeit besser beweisen als in der Cannstatter Altstadt, wo Sebastian Ludwig am 1. Oktober als neuer Chef in der Weinstube am Stadtgraben angefangen hat. Cremeweiß sind die Wände gestrichen, blütenweiß und sauber sind die Tischdecken, modern die Fotos aus der Welt der Kochtöpfe und Pfannen, welche die Wände zieren. Hell und aufgeräumt wirkt das Restaurant, bei dem die Macher an Details gedacht haben. Die Lampen wurden von einer Stuttgarter Porzellanmacherin gefertigt und mit Schlagwörtern geprägt: Hier ein Satansbraten, dort eine Schnapsdrossel - über unserem Tisch leuchtet einen Saftschubse. Sehr hübsch.
Kein ganz billiges Vergnügen...
Und kein ganz billiges Vergnügen. Sebastian Ludwig, der zuvor drei Jahre den Adler in Untertürkheim geführt hat, strebt in Bad Cannstatt eine "gehobene Küche an, die zum Ort passt". So können seine Gäste einerseits zwischen einigen wenigen Dauerbrennern wie Zwiebelrostbraten oder Kaiserschmarrn wählen, die immer auf der Karte stehen. Darüber hinaus gibt es ein Cannstatter und ein Feinschmeckermenü zur Auswahl. Ludwig, der unter anderem im Elsass und in Genf kochte, folgt dabei dem Konzept einer Küche, die sich an saisonalen und regionalen Bedingungen orientiert.
Folglich wechseln die beiden Menüs immer nach einigen Wochen. Wir entscheiden uns für das Cannstatter Menü mit Weinbegleitung. Zu jedem Gang hat Ludwig einen passenden Württemberger oder einen österreichischen Tropfen ausgewählt. Zum Auftakt landet eine Entenleber mit Linsengemüse (8,80 Euro) auf dem Tisch. Beides ist dezent gewürzt, die Linsen sind knackig, der Riesling "Katharina" aus dem Collegium Wirttemberg (4,60 Euro) ein fruchtiger Begleiter.
... in einer überdurchschnittlichen Weinstube
Auch beim Hauptgericht harmoniert die Rotweincuvée des Weinguts Diehl (4,60 Euro) mit dem Wildhasenrücken im Pfeffermantel (18,80 Euro). Beim zarten Fleisch und auch bei der Sauce mit dem feinen Wacholdergeschmack zeigt sich, dass die Küche ihr Handwerk souverän beherrscht und das Menü von einer Idee geprägt ist. In diesem Fall ist es die Pfeffernote, die in Variationen in jedem Gang hervorschmeckt. Beim Dessert jedoch zu deutlich. Das Pflaumenkompott auf Zimtschaum (5,80 Euro) ist zu pikant geraten - was den überdurchschnittlichen Auftritt der modernen Weinstube jedoch kaum trübt.
Weinstube am Stadtgraben, Am Stadtgraben 6 in Bad Cannstatt. Telefon: 0711/567006. Geöffnet dienstags bis freitags von 12 bis 14 Uhr und sonntags bis 15 Uhr. Mittwochs bis sonntags abends von 18 Uhr an geöffnet. Betriebsferien vom 1. bis 12. Januar.
Auf einen Blick
Küche: ****
Service: ***
Ambiente: ****
Legende
***** = herausragend
**** = überdurchschnittlich
*** = gut
** = Luft nach oben
* = viel zu verbessern
Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Das günstige Lokal um die Ecke wird nach anderen Kriterien bewertet als ein Sternerestaurant. Der Test gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche.
Von Erik Raidt
Alles falsch, alles längst zum Klischee verklumpter Käse, der nur noch selten etwas mit der Wirklichkeit zu tun hat. An kaum einem anderen Ort in Stuttgart lässt sich das derzeit besser beweisen als in der Cannstatter Altstadt, wo Sebastian Ludwig am 1. Oktober als neuer Chef in der Weinstube am Stadtgraben angefangen hat. Cremeweiß sind die Wände gestrichen, blütenweiß und sauber sind die Tischdecken, modern die Fotos aus der Welt der Kochtöpfe und Pfannen, welche die Wände zieren. Hell und aufgeräumt wirkt das Restaurant, bei dem die Macher an Details gedacht haben. Die Lampen wurden von einer Stuttgarter Porzellanmacherin gefertigt und mit Schlagwörtern geprägt: Hier ein Satansbraten, dort eine Schnapsdrossel - über unserem Tisch leuchtet einen Saftschubse. Sehr hübsch.
Kein ganz billiges Vergnügen...
Und kein ganz billiges Vergnügen. Sebastian Ludwig, der zuvor drei Jahre den Adler in Untertürkheim geführt hat, strebt in Bad Cannstatt eine "gehobene Küche an, die zum Ort passt". So können seine Gäste einerseits zwischen einigen wenigen Dauerbrennern wie Zwiebelrostbraten oder Kaiserschmarrn wählen, die immer auf der Karte stehen. Darüber hinaus gibt es ein Cannstatter und ein Feinschmeckermenü zur Auswahl. Ludwig, der unter anderem im Elsass und in Genf kochte, folgt dabei dem Konzept einer Küche, die sich an saisonalen und regionalen Bedingungen orientiert.
Folglich wechseln die beiden Menüs immer nach einigen Wochen. Wir entscheiden uns für das Cannstatter Menü mit Weinbegleitung. Zu jedem Gang hat Ludwig einen passenden Württemberger oder einen österreichischen Tropfen ausgewählt. Zum Auftakt landet eine Entenleber mit Linsengemüse (8,80 Euro) auf dem Tisch. Beides ist dezent gewürzt, die Linsen sind knackig, der Riesling "Katharina" aus dem Collegium Wirttemberg (4,60 Euro) ein fruchtiger Begleiter.
... in einer überdurchschnittlichen Weinstube
Auch beim Hauptgericht harmoniert die Rotweincuvée des Weinguts Diehl (4,60 Euro) mit dem Wildhasenrücken im Pfeffermantel (18,80 Euro). Beim zarten Fleisch und auch bei der Sauce mit dem feinen Wacholdergeschmack zeigt sich, dass die Küche ihr Handwerk souverän beherrscht und das Menü von einer Idee geprägt ist. In diesem Fall ist es die Pfeffernote, die in Variationen in jedem Gang hervorschmeckt. Beim Dessert jedoch zu deutlich. Das Pflaumenkompott auf Zimtschaum (5,80 Euro) ist zu pikant geraten - was den überdurchschnittlichen Auftritt der modernen Weinstube jedoch kaum trübt.
Weinstube am Stadtgraben, Am Stadtgraben 6 in Bad Cannstatt. Telefon: 0711/567006. Geöffnet dienstags bis freitags von 12 bis 14 Uhr und sonntags bis 15 Uhr. Mittwochs bis sonntags abends von 18 Uhr an geöffnet. Betriebsferien vom 1. bis 12. Januar.
Auf einen Blick
Küche: ****
Service: ***
Ambiente: ****
Legende
***** = herausragend
**** = überdurchschnittlich
*** = gut
** = Luft nach oben
* = viel zu verbessern
Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Das günstige Lokal um die Ecke wird nach anderen Kriterien bewertet als ein Sternerestaurant. Der Test gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche.
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