Was ist Twitter?
Zum Zwitschern braucht man nicht mehr als 140 Zeichen
Helmut Merschmann, veröffentlicht am 14.01.2009
"Was machst du gerade?" Wer das seiner Umwelt mitteilen will, twittert. Twitter ist aber mehr als nur eine Plattform, auf der man mit anderen kommunizieren und stets in Kontakt bleiben kann. Inzwischen nutzen viele Medien diesen Dienst.
Von Helmut Merschmann
Als Ende November die indische Metropole Bombay von schweren Terroranschlägen erschüttert wurde, stammten viele Nachrichten aus einem neuen Informationsmedium, das bis dato nur wenige kannten: Twitter. Schneller noch als klassische Medien wie Fernsehen, Radio und Zeitungen, schneller aber auch als Blogs, gelangten kurze Augenzeugenberichte via Twitter an die Öffentlichkeit. "Sporadische Schüsse immer noch am Tadj Hotel zu hören", hieß es etwa am 28. November2008 um 5.39Uhr Ortszeit. Mangels anderer Quellen übernahmen einige Nachrichtendienste solche Meldungen, um ein Bild der Situation zu vermitteln.
Geschnatter überall
Die Schnelligkeit von Twitter (was im Englischen so viel wie "Geschnatter" oder "Gezwitscher" heißt) basiert auf dem Eingabegerät. Die Nachrichten, die mit 140 Zeichen noch kürzer als eine SMS sind, können am PC oder mit dem Handy eingegeben werden - wie im Fall von Bombay. Diese sogenannten Tweets werden von Nutzern, die man dann Follower nennt, verfolgt und am PC oder auf dem Handy gelesen. Twitter ist sozusagen ein Abosystem mit Netzstruktur. Private Nutzer abonnieren gegenseitig ihre Tweets und halten sich so auf dem Laufenden. Wer ein interessantes Dasein führt, kann sich einer großen Gefolgschaft sicher sein. Der Microblogging-Dienst wurde 2006 gegründet und hat sich seitdem zu einem schnell wachsenden sozialen Netzwerk gemausert. Die Erfinder von Twitter, Jack Dorsey, Biz Stone und Evan Williams, hatten ursprünglich eine Technologie für die interne Kommunikation ihrer Firma Odeo aus San Francisco entwickelt. Bald schon erkannten sie jedoch das Potenzial von Twitter und gliederten den Dienst aus.
Heute twittern mehr als 3,3 Millionen Nutzer, besonders beliebt ist der Dienst in Japan. Große Bedeutung erlangte Twitter bei der letzten US-Wahl. Sowohl das Wahlkampfteam von Barack Obama als auch das von dessen Widersacher John McCain gingen mit den Kurznachrichten online: prägnante Wahlkampfbotschaften mit den wichtigsten Programmpunkten der jeweiligen Partei. Auf der Website Twitter.com konnte man die rasche Nachrichtenfolge, die wie ein Newsticker funktioniert, verfolgen beziehungsweise abonnieren. Noch heute lassen sich unter dem Suchwort "Obama" dessen tägliche Aktivitäten finden. Besonders bei der jungen Generation kam der Wahlkampf-Twitter der US-Parteien gut an. Obama verzeichnete eine Anhängerschaft von mehr als 128.000 Nutzern. Der SPD-Generalsekretär Hubertus Heil, der damals einen Kongress der US-Demokraten besuchte, machte die Technologie hierzulande politisch hoffähig. Inzwischen twittert es auch bei CDU, FDP und den Grünen samt deren Jugendorganisationen.
Mehr Interaktion
Auch Unternehmen und Tageszeitungen setzen zunehmend auf den Microblogging-Dienst. Während Firmen besonders an einer Interaktion mit ihren Kunden interessiert sind, speisen Zeitungen ihre Schlagzeilen ein. Google News hat sogar bestimmten Twitter-Usern dieselbe Nachrichtenpriorität wie kleineren Zeitungen zugeteilt. Ihre Nachrichten erscheinen auf der amerikanischen Website inmitten der Schlagzeilen von Tageszeitungen. Twitter ist erwachsen geworden, oder besser gesagt: gewissen Nutzern wird hohe Glaubwürdigkeit attestiert.
Das ist nicht zwangsläufig der Fall. Bei den Bombay-Attentaten hatten sich Nachrichtendienste wie die BBC schwergetan, Twitter-Meldungen als Quelle zu nutzen. In der Hektik des Geschehens war weder eine Überprüfung des Wahrheitsgehaltes möglich, noch eine Verifizierung der Person oder Ortsangabe. Jeder hätte vermeintliche Beobachtungen twittern können, weil sich jeder mit einem beliebigen Namen bei Twitter anmelden kann. Inzwischen ist es sogar zu prominenten und teils sehr lustigen Fälschungen gekommen: Die Twitternamen Claus Cleber, Franz Müntefering und Steve Jobs stimmen nicht mit den realen Personen überein.
Ein umfassendes Buch von den ersten Schritten bis hin zur professionellen Nutzung von Twitter: Nicole Simon, Nikolaus Bernhardt "Twitter - Mit 140 Zeichen zum Web 2.0". Open Source Press, 2008. 19,90 Euro.
Von Helmut Merschmann
Als Ende November die indische Metropole Bombay von schweren Terroranschlägen erschüttert wurde, stammten viele Nachrichten aus einem neuen Informationsmedium, das bis dato nur wenige kannten: Twitter. Schneller noch als klassische Medien wie Fernsehen, Radio und Zeitungen, schneller aber auch als Blogs, gelangten kurze Augenzeugenberichte via Twitter an die Öffentlichkeit. "Sporadische Schüsse immer noch am Tadj Hotel zu hören", hieß es etwa am 28. November2008 um 5.39Uhr Ortszeit. Mangels anderer Quellen übernahmen einige Nachrichtendienste solche Meldungen, um ein Bild der Situation zu vermitteln.
Geschnatter überall
Die Schnelligkeit von Twitter (was im Englischen so viel wie "Geschnatter" oder "Gezwitscher" heißt) basiert auf dem Eingabegerät. Die Nachrichten, die mit 140 Zeichen noch kürzer als eine SMS sind, können am PC oder mit dem Handy eingegeben werden - wie im Fall von Bombay. Diese sogenannten Tweets werden von Nutzern, die man dann Follower nennt, verfolgt und am PC oder auf dem Handy gelesen. Twitter ist sozusagen ein Abosystem mit Netzstruktur. Private Nutzer abonnieren gegenseitig ihre Tweets und halten sich so auf dem Laufenden. Wer ein interessantes Dasein führt, kann sich einer großen Gefolgschaft sicher sein. Der Microblogging-Dienst wurde 2006 gegründet und hat sich seitdem zu einem schnell wachsenden sozialen Netzwerk gemausert. Die Erfinder von Twitter, Jack Dorsey, Biz Stone und Evan Williams, hatten ursprünglich eine Technologie für die interne Kommunikation ihrer Firma Odeo aus San Francisco entwickelt. Bald schon erkannten sie jedoch das Potenzial von Twitter und gliederten den Dienst aus.
Heute twittern mehr als 3,3 Millionen Nutzer, besonders beliebt ist der Dienst in Japan. Große Bedeutung erlangte Twitter bei der letzten US-Wahl. Sowohl das Wahlkampfteam von Barack Obama als auch das von dessen Widersacher John McCain gingen mit den Kurznachrichten online: prägnante Wahlkampfbotschaften mit den wichtigsten Programmpunkten der jeweiligen Partei. Auf der Website Twitter.com konnte man die rasche Nachrichtenfolge, die wie ein Newsticker funktioniert, verfolgen beziehungsweise abonnieren. Noch heute lassen sich unter dem Suchwort "Obama" dessen tägliche Aktivitäten finden. Besonders bei der jungen Generation kam der Wahlkampf-Twitter der US-Parteien gut an. Obama verzeichnete eine Anhängerschaft von mehr als 128.000 Nutzern. Der SPD-Generalsekretär Hubertus Heil, der damals einen Kongress der US-Demokraten besuchte, machte die Technologie hierzulande politisch hoffähig. Inzwischen twittert es auch bei CDU, FDP und den Grünen samt deren Jugendorganisationen.
Mehr Interaktion
Auch Unternehmen und Tageszeitungen setzen zunehmend auf den Microblogging-Dienst. Während Firmen besonders an einer Interaktion mit ihren Kunden interessiert sind, speisen Zeitungen ihre Schlagzeilen ein. Google News hat sogar bestimmten Twitter-Usern dieselbe Nachrichtenpriorität wie kleineren Zeitungen zugeteilt. Ihre Nachrichten erscheinen auf der amerikanischen Website inmitten der Schlagzeilen von Tageszeitungen. Twitter ist erwachsen geworden, oder besser gesagt: gewissen Nutzern wird hohe Glaubwürdigkeit attestiert.
Das ist nicht zwangsläufig der Fall. Bei den Bombay-Attentaten hatten sich Nachrichtendienste wie die BBC schwergetan, Twitter-Meldungen als Quelle zu nutzen. In der Hektik des Geschehens war weder eine Überprüfung des Wahrheitsgehaltes möglich, noch eine Verifizierung der Person oder Ortsangabe. Jeder hätte vermeintliche Beobachtungen twittern können, weil sich jeder mit einem beliebigen Namen bei Twitter anmelden kann. Inzwischen ist es sogar zu prominenten und teils sehr lustigen Fälschungen gekommen: Die Twitternamen Claus Cleber, Franz Müntefering und Steve Jobs stimmen nicht mit den realen Personen überein.
Ein umfassendes Buch von den ersten Schritten bis hin zur professionellen Nutzung von Twitter: Nicole Simon, Nikolaus Bernhardt "Twitter - Mit 140 Zeichen zum Web 2.0". Open Source Press, 2008. 19,90 Euro.
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