Twilight - Biss zum Morgengrauen

Mein neuer Freund, der Vampir

Rupert Koppold, veröffentlicht am 15.01.2009
Filmbeschreibung
Ein Rehkitz äst friedlich im Wald, schreckt jetzt plötzlich auf. "Ich habe nie viel darüber nachgedacht, wie ich sterben werde", so spricht zu diesen Bildern das Mädchen Bella Swan aus dem Off. Und nun versucht das Rehkitz mit seiner Mutter zu fliehen - bis es hinter einer Kuppe von irgendetwas gepackt und gerissen wird. Bella aber, die Erzählerin und Heldin (Kristen Stewart) dieses Films, verlässt jetzt ihre Mutter, die einen neuen Freund gefunden hat, und zieht von Arizona zum Vater, in ein Kaff im trübnassen Norden. Das Wetter passt zu ihrem Gemüt. Bella ist ernst, introvertiert, vergrübelt, also nicht der Typ für eine Highschool-Klamotte, sondern eher für ein romantisches Melodram.

Und dieses Melodram beginnt, als Bellas Blicke sich mit denen des Mitschülers Edward (Robert Pattinson) kreuzen, einem blassen und morbid-schönen Jüngling, der mit seiner Haartolle, der markanten Stirn, den schwarzen Brauen und langen Wimpern aussieht wie von Jean Cocteau gezeichnet. Zuerst weicht der von einer tragisch-melancholischen Aura umgebene Edward der Heldin aus, so als fürchte er sich vor ihr. Später wird klar, dass er vor sich selber Angst hat. Auch Bella spürt, dass Edward anders ist, dass er zum Beispiel mit seiner eiskalten Hand ein auf sie zuschleuderndes Auto stoppen kann. Bei einem Gang durch den Wald sagt sie ihm schließlich, was er ist und wovor sie sich trotzdem nicht fürchtet: "Vampir!"

"Twilight" ist die Adaption eines Bestsellers von Stephenie Meyer, die ihre Geschichte in weiteren Bänden - und ebenso erfolgreich - fortgesetzt hat. Der deutsche Untertitel von Catherine Hardwickes Kinoadaption lautet übrigens "Biss zum Morgengrauen" - und führt damit in die Irre. Denn in diesem Film ist ja nicht mal ein Anflug von Komödie oder Parodie zu erkennen, er nimmt sich ernst - sogar in jener Szene, in welcher der engelhafte Edward vor einem ausgestopften Vogel sitzt und aussieht, als seien ihm tatsächlich Flügel gewachsen.

Aber es ist eben einiges erlaubt, wenn die Stürme der Pubertät geschildert werden. Denn die Vampirgeschichte ist ja metaphorische Verkleidung. Wenn Edward zu Bella sagt, er wisse nicht, ob er sich kontrollieren könne, und wenn Bella zu Edward sagt, sie wolle bei ihm sein und wenn es sie das Leben koste, dann wird tatsächlich vom ersten Mal gesprochen, vor dem er zurückschreckt und das sie herbeisehnt. "Twilight" erzählt, so wie vor gut zwanzig Jahren "The lost Boys" eine Adoleszenzgeschichte im Blutsaugergewand, diesmal allerdings aus weiblicher Sicht. Und das erklärt auch, warum der Film zwar ein wenig mit dem Horrorgenre spielt, sich diesem aber nicht ein- und unterordnet - und warum er so sparsam umgeht mit Action, dafür aber so verschwenderisch mit romantischer Atmosphäre und Gefühl.

Dass dieser Hier-kann-geschmachtet-werden-Film sich in der zweiten Hälfte sehr dehnt und dabei auch redundant wird, mag für pubertierende Mädchen als Zuschauer kein Problem sein. Sie bekommen hier ja immer wieder bestätigt, dass ihr Leben etwas Besonderes ist, dass es voller Aufregungen, Gefahren, Liebe und Tragik steckt und die Eltern von all dem überhaupt nichts ahnen. Bloß sollten sie sich überlegen, ob sie auch Jungs zum Kinobesuch überreden wollen. Denen könnte Edward, dessen Vampirsippe übrigens Diät hält, sich also zivilisiert und gezähmt hat und auf Menschenblut verzichtet, doch ein bisschen zu blass wirken.
 
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