Bald jeder Zehnte betroffen?
Stuttgart bleibt deutsche Hochburg der Kurzarbeit
Markus Heffner, veröffentlicht am 27.01.2009
Stuttgart - Kurzarbeit hat bundesweit Hochkonjunktur - allen voran in der Landeshauptstadt. In keiner anderen Region in der Republik ist die Quote so hoch wie in der Automobilstadt Stuttgart: im Februar könnte bereits jeder zehnte Beschäftigte betroffen sein.
Von Markus Heffner
Die genauen Zahlen kommen erst am Donnerstag auf den Tisch der Stuttgarter Agentur für Arbeit, so viel kann Jürgen Schwab aber schon heute verraten: Die Zahl der angemeldeten Kurzarbeiter im Stuttgarter Bezirk der Bundesagentur wird im Januar wohl weiter ansteigen. Der Beratungsbedarf seitens der Unternehmen sei derzeit enorm hoch, so der Leiter der Arbeitsagentur. "Wir rechnen mit einem deutlichen Anwachsen der Zahlen."
Damit dürfte auch feststehen, dass Stuttgart seinen Spitzenplatz im bundesweiten Vergleich auf absehbare Zeit behalten wird: In keinem anderen der 176 Bezirke der Bundesagentur für Arbeit (BA) ist die Kurzarbeitsquote derzeit so hoch wie in der Landeshauptstadt. Im Dezember waren von den insgesamt knapp 500.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigen, die es im Stuttgart Bezirk gibt, genau 45.279 zur Kurzarbeit angemeldet worden - also immerhin jeder elfte. Zum Vergleich: bundesweit wurden im Dezember pro 10.000 Beschäftigte im Schnitt 108 Kurzarbeiter gemeldet, in München waren es vier, in Stuttgart 904.
Maßgeblichen Anteil hat Daimler
Maßgeblichen Anteil an der Stuttgarter Marktführerschaft hat der Automobilkonzern Daimler, der nach Angaben einer Sprecherin aktuell bundesweit 50.000 Mitarbeitern Kurzarbeit verordnet hat. Im Bezirk der Stuttgarter Arbeitsagentur, die für die Landeshauptstadt und den gesamten Landkreis Böblingen zuständig ist, schlagen mit den Standorten Sindelfingen und Untertürkheim dabei gleich zwei große Daimler-Werke zu Buche. In Untertürkheim seien nach heutigem Stand 10.000 der rund 18.000 Beschäftigten von der Kurzarbeit betroffen, in Sindelfingen etwa zwei Drittel von 28.800 Mitarbeitern, so die Unternehmenssprecherin.
Mit einem weiteren Anstieg dieser Zahlen rechnet auch die Bundesagentur in Nürnberg, die derzeit mit großem Interesse den Ausnahmefall Stuttgart beobachtet, wie die Sprecherin Anja Huth sagt. So richtig würde die Kurzarbeit wohl erst demnächst durchschlagen. Bisher hätten viele Firmen zwar verkürzte Arbeitszeiten angemeldet, sie aber noch nicht umgesetzt. Das würde aber in den nächsten Tagen und Wochen passieren.
Weil mit der Verabschiedung des zweiten Konjunkturpakets der Bundesregierung die Kurzarbeit um einiges attraktiver für Firmen werde, so Anja Huth, würden sich außerdem wohl noch mehr Unternehmen dafür entscheiden. "Das wird die Zahlen auch in Stuttgart noch einmal enorm nach oben treiben."
Neue gesetzliche Regelungen
Unter anderem sehen die neuen gesetzlichen Regelungen vor, dass die Arbeitsagenturen künftig den Anteil der Arbeitnehmer an Sozialabgaben übernehmen, den das Unternehmen während der Kurzarbeit bisher selbst bezahlen musste. Bekommt der Mitarbeiter während dieser Zeit eine Qualifizierungsmaßnahme, zahlt die Agentur sogar hundert Prozent der Sozialabgaben. Das Interesse seitens der Firmen sei derzeit enorm, sagt Jürgen Schwab. Man habe extra Mitarbeiter geschult, um alle Anfragen möglichst zeitnah beantworten zu können. Außerdem sei eine Informationsbroschüre zu diesem Thema aufgelegt worden, die in den nächsten Tagen an alle Firmen verschickt werde.
Interessieren dürfte das Schreiben der Stuttgarter Arbeitsagentur vor allem die Automobilbranche und deren Zulieferer, die bisher mit unterschiedlichen Strategien auf die Krise reagieren. Bei Porsche etwa ist die Kurzarbeit nach wie vor kein Thema, wie Firmensprecher Albrecht Bamler sagt: "Wir haben nichts geplant." Gleiches gilt für den Großkonzern Bosch, der bundesweit zwar für 9000 Mitarbeiter vorsorglich Kurzarbeit beantragt hat, unter anderem für den Standort Reutlingen. Das Werk Feuerbach oder andere Standorte in der Landeshauptstadt seien aber nicht betroffen, sagt Firmensprecher Andreas Kempf. Es sei denkbar, dass im Rahmen des Tarifvertrags die Wochenarbeitszeit um zwei Stunden reduziert werde. Ansonsten gelte Stand heute: "Keine Kurzarbeit in Stuttgart."
Von Markus Heffner
Die genauen Zahlen kommen erst am Donnerstag auf den Tisch der Stuttgarter Agentur für Arbeit, so viel kann Jürgen Schwab aber schon heute verraten: Die Zahl der angemeldeten Kurzarbeiter im Stuttgarter Bezirk der Bundesagentur wird im Januar wohl weiter ansteigen. Der Beratungsbedarf seitens der Unternehmen sei derzeit enorm hoch, so der Leiter der Arbeitsagentur. "Wir rechnen mit einem deutlichen Anwachsen der Zahlen."
Damit dürfte auch feststehen, dass Stuttgart seinen Spitzenplatz im bundesweiten Vergleich auf absehbare Zeit behalten wird: In keinem anderen der 176 Bezirke der Bundesagentur für Arbeit (BA) ist die Kurzarbeitsquote derzeit so hoch wie in der Landeshauptstadt. Im Dezember waren von den insgesamt knapp 500.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigen, die es im Stuttgart Bezirk gibt, genau 45.279 zur Kurzarbeit angemeldet worden - also immerhin jeder elfte. Zum Vergleich: bundesweit wurden im Dezember pro 10.000 Beschäftigte im Schnitt 108 Kurzarbeiter gemeldet, in München waren es vier, in Stuttgart 904.
Maßgeblichen Anteil hat Daimler
Maßgeblichen Anteil an der Stuttgarter Marktführerschaft hat der Automobilkonzern Daimler, der nach Angaben einer Sprecherin aktuell bundesweit 50.000 Mitarbeitern Kurzarbeit verordnet hat. Im Bezirk der Stuttgarter Arbeitsagentur, die für die Landeshauptstadt und den gesamten Landkreis Böblingen zuständig ist, schlagen mit den Standorten Sindelfingen und Untertürkheim dabei gleich zwei große Daimler-Werke zu Buche. In Untertürkheim seien nach heutigem Stand 10.000 der rund 18.000 Beschäftigten von der Kurzarbeit betroffen, in Sindelfingen etwa zwei Drittel von 28.800 Mitarbeitern, so die Unternehmenssprecherin.
Mit einem weiteren Anstieg dieser Zahlen rechnet auch die Bundesagentur in Nürnberg, die derzeit mit großem Interesse den Ausnahmefall Stuttgart beobachtet, wie die Sprecherin Anja Huth sagt. So richtig würde die Kurzarbeit wohl erst demnächst durchschlagen. Bisher hätten viele Firmen zwar verkürzte Arbeitszeiten angemeldet, sie aber noch nicht umgesetzt. Das würde aber in den nächsten Tagen und Wochen passieren.
Weil mit der Verabschiedung des zweiten Konjunkturpakets der Bundesregierung die Kurzarbeit um einiges attraktiver für Firmen werde, so Anja Huth, würden sich außerdem wohl noch mehr Unternehmen dafür entscheiden. "Das wird die Zahlen auch in Stuttgart noch einmal enorm nach oben treiben."
Neue gesetzliche Regelungen
Unter anderem sehen die neuen gesetzlichen Regelungen vor, dass die Arbeitsagenturen künftig den Anteil der Arbeitnehmer an Sozialabgaben übernehmen, den das Unternehmen während der Kurzarbeit bisher selbst bezahlen musste. Bekommt der Mitarbeiter während dieser Zeit eine Qualifizierungsmaßnahme, zahlt die Agentur sogar hundert Prozent der Sozialabgaben. Das Interesse seitens der Firmen sei derzeit enorm, sagt Jürgen Schwab. Man habe extra Mitarbeiter geschult, um alle Anfragen möglichst zeitnah beantworten zu können. Außerdem sei eine Informationsbroschüre zu diesem Thema aufgelegt worden, die in den nächsten Tagen an alle Firmen verschickt werde.
Interessieren dürfte das Schreiben der Stuttgarter Arbeitsagentur vor allem die Automobilbranche und deren Zulieferer, die bisher mit unterschiedlichen Strategien auf die Krise reagieren. Bei Porsche etwa ist die Kurzarbeit nach wie vor kein Thema, wie Firmensprecher Albrecht Bamler sagt: "Wir haben nichts geplant." Gleiches gilt für den Großkonzern Bosch, der bundesweit zwar für 9000 Mitarbeiter vorsorglich Kurzarbeit beantragt hat, unter anderem für den Standort Reutlingen. Das Werk Feuerbach oder andere Standorte in der Landeshauptstadt seien aber nicht betroffen, sagt Firmensprecher Andreas Kempf. Es sei denkbar, dass im Rahmen des Tarifvertrags die Wochenarbeitszeit um zwei Stunden reduziert werde. Ansonsten gelte Stand heute: "Keine Kurzarbeit in Stuttgart."
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