Die Erweiterung "Google Ocean" informiert den Nutzer ausführlich über das Ökosystem Meer
San Francisco - Beta ade: Das Internetprogramm Google Earth ist jetzt vollständig. Vorgestern ist die finale Version vorgestellt worden. Sie zeigt nicht mehr nur Städte und Straßen, sondern taucht auch auf den Grund der sieben Weltmeere ab.
Von Cinthia Briseño
Wer als Kind immer davon geträumt hat, mit dem Unterwasserboot Nautilus aus Jules Vernes "20.000 Meilen unter dem Meer" die Tiefen des Ozeans zu erkunden, wird jetzt von Google beglückt. Die neueste Version des Internetprogramms Google Earth macht Weltenbummler nun auch zu Meeresforschern. Google Ocean, so nennt sich die Erweiterung des Programms, erlaubt dem Nutzer virtuelle Tauchfahrten und Einblicke auf den Grund der Meere - in Form von Videos, Bildern und zahlreichen Informationstexten.
Hübsch verpackte InformationenIm Grunde genommen hat Google wieder einmal das getan, was der Internetkonzern seit seiner Gründung schon immer tut: Er sammelt riesige Datenmengen, bündelt und sortiert sie, um sie anschließend auf einer eigenen Plattform wieder auszuspucken - möglichst nutzerfreundlich, hübsch verpackt und einsehbar für jedermann mit Internetanschluss. Dieses Mal hat sich Google mit allerlei Ozeanografen und anderen Wissenschaftlern zusammengetan, um die 20 Informationsebenen, die die Programmerweiterung bietet, mit ausreichend Material zu bestücken. Darunter sind etwa Videos von Unterwasserexpeditionen des berühmten Tiefseeforschers Jaques-Yves Cousteau ebenso wie Film- und Bildmaterial der National Geografic Society aus den USA oder Reportagen von "BBC Earth". Insgesamt 80 Partner sind Google zufolge mit an Bord.
Wird Google zum Missionar?"In den Debatten über den Klimawandel werden die Weltmeere oft übergangen, obwohl sie in der Thematik eine entscheidende Rolle spielen", sagte Eric Schmidt, der Google-Chef bei der Vorstellung von Google Earth 5.0. Die Software habe eine gute "Chance, die Perspektive der Menschen zu verändern", man wolle mit Google Ocean kontroverse Themen ins Gespräch bringen. Zeigt sich Google nun also auch von seiner missionarischen Seite? Zumindest ist das Programm voll gespickt mit Informationen über das Ökosystem Meer, beispielsweise über die Auswirkungen der Fischfangindustrie oder den Einfluss des Menschen.
Der Datenkrake, wie das Unternehmen oft auch bezeichnet wird, trauen viele durchaus zu, Hintergründiges im Schilde zu führen, schließlich ist Onlinewerbung deren Geschäft. Zwei Jahre hat die Entwicklung von Google Ocean gedauert. Aber mit Google Earth verdient der Suchmaschinenriese derzeit keinen Cent. Vielmehr gehe es um Image-Pflege. "Wir werden weiter in Google Earth investieren, fernab von jedem Monetarisierungs- oder Umsatzgedanken", sagte der Unternehmenssprecher Kay Overbeck. Man wolle lediglich Informationen, die die Welt betreffen, mit jedermann teilen können.
Dennoch sollte der Nutzer nicht zu viel von Google Ocean erwarten. Anders als auf den Landmassen ist noch längst nicht jeder Meter Meeresgrund erfasst. Außerdem handelt es sich bei den Unterwasseraufnahmen nicht um reale Fotos, sondern um virtuelle Landschaften. Dafür bietet aber eine offene Schnittstelle externen Anbietern die Möglichkeit, mit ihren Informationsangeboten den Google-Ozean nach und nach zu erweitern. Einen weiteren Haken haben die Unterwasserausflüge zudem: Wer seine Neugierde über die Meere befriedigen will, sollte einen halbwegs aktuellen Computer haben und mindestens mit DSL-Geschwindigkeit online sein. Sonst kommt die Nautilus ins Stottern.
Hier können Sie sich die aktuelle Version von Google Earth downloaden