Holocaust-Debatte
Piusbrüder sind in bester Stimmung
Nicole Höfle, veröffentlicht am 03.02.2009
Stuttgart - Die jüngste Entscheidung des Vatikans ruft auch in Stuttgart Kopfschütteln hervor. Nicht nur im Haus der Katholischen Kirche fragt man sich, was den Papst zur Rehabilitierung der Traditionalisten bewogen hat. Bei den Piusbrüdern dagegen ist die Laune bestens.
Von Nicole Höfle
Die Eröffnung des Hauses der Katholischen Kirche in der Königstraße liegt noch keine zwei Wochen zurück, doch schon hat die Verärgerung über Rom Einzug gehalten. Seitdem der Papst entschieden hat, vier Bischöfe der traditionalistischen Piusbruderschaft zu rehabilitieren, darf sich Ordensschwester Nicola Maria von Besuchern einiges anhören. Eigentlich soll sie Auskunft geben über Fragen, die die katholische Kirche in Stuttgart betreffen, aber derzeit geht es in vielen Gesprächen um den Papst. "Ich versuche den Menschen zu erklären, dass die Kirche viele Gesichter hat", sagt die Ordensfrau.
Auch der Chef des Hauses, der Theologe Hermann Merkle, bemüht sich um Schadensbegrenzung. "Wir haben das Haus der Katholischen Kirche im Zentrum der Landeshauptstadt gebaut, um zu zeigen, dass wir eine offene Kirche sind." Gebaut wurde es auch, um dem Klischee des Ewiggestrigen entgegenzuwirken, das der katholischen Kirche so beharrlich anhaftet. "Wir wollten eine Sprache finden, die die heutigen Menschen verstehen", sagt Merkle.
Mehr Austritte verzeichnet
Dass der Papst vier Bischöfe rehabilitiert, die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils ablehnen, mit Ökumene nichts am Hut haben wollen und nur einen wahren Glauben kennen, läuft seinem Bemühen um Offenheit zuwider. "Wir befürchten großen Schaden für die Kirche", sagt der Leiter des Hauses der Katholischen Kirche. Der lässt sich tatsächlich schon messen: Allein im Standesamt Mitte wurden in den vergangenen zwei Tagen zwölf Austritte aus der katholischen Kirche gezählt, der Durchschnitt liegt bei zwei bis drei pro Tag.
Auch andernorts wehren sich Katholiken gegen die Entscheidung des Vatikans. In den Gemeinden St. Josef in Heslach und St. Antonius in Kaltental haben etwa 100 Gläubige nach den sonntäglichen Gottesdiensten eine an Bischof Gebhard Fürst gerichtete Erklärung unterschrieben, in der es heißt: "Wir wollen uns weder für theologische Aussagen, die dem Zweiten Vatikanischen Konzil widersprechen, vereinnahmen lassen, noch wollen wir in irgendeiner Weise mit Positionen in Verbindung gebracht werden, die die Schoah verharmlosen oder gar leugnen."
Der zuständige Pfarrer Paul Kugler hat das Papier zusammen mit einigen Gemeindemitgliedern verfasst und hofft, dass die Verärgerung der Basis auch in Rom ankommt. "Die Leute fragen mich, was ist bloß los bei euch? Wir wollten mit unserer Aktion zeigen, dass es für uns Grenzen der kirchlichen Einheit gibt", sagt Kugler.
Nachgebaute Barockkirche im Gewerbegebiet
Am anderen Ende der Stadt, in der nachgebauten Barockkirche der Piusbruderschaft im Feuerbacher Gewerbegebiet, ist die Stimmung dagegen bestens. Pater Andreas Steiner freut sich über die Aufhebung der Exkommunikation der Bischöfe seiner Glaubensgemeinschaft: "Damit ist eine Ungerechtigkeit beendet. Unsere Intention war es, die Tradition zu bewahren, und das haben wir erreicht." Zur Bewahrung der Tradition gehört für den Pater nicht nur die priesterzentrierte tridentinische Messe, die in Feuerbach seit Mitte der 1990er Jahre gepflegt wird, sondern auch die Ablehnung der Ökumene. "Wenn wir die Heilige Schrift ernst nehmen, ist klar, es gibt nur eine wahre Religion", versichert Steiner. Welche er meint, ist klar: die von der Piusbruderschaft gelebte.
250 Anhänger zählt die Bruderschaft in der Region Stuttgart, die von fünf Priestern und zwei Ordensmännern betreut werden. Erteilt wird in Feuerbach jeden Samstag Religionsunterricht für Jugendliche, angeboten wird aber auch Nachhilfeunterricht für katholische Theologen. So hat die Piusbruderschaft eine DVD produziert, die den lateinischen Ritus vor dem Zweiten Vatikanum vermittelt und die sich, wie Steiner versichert, großer Nachfrage erfreut. "Wir sind schon in der zweiten Auflage."
Der Ordensmann Steiner erhofft sich in den nächsten Wochen größeren Zulauf im Gottesdienst und er erhofft sich eine Annäherung an die katholischen Kirche in Stuttgart. Hermann Merkle aber winkt ab: "Wir werden auch weiterhin keine Kontakte zur Piusbruderschaft pflegen."
Von Nicole Höfle
Die Eröffnung des Hauses der Katholischen Kirche in der Königstraße liegt noch keine zwei Wochen zurück, doch schon hat die Verärgerung über Rom Einzug gehalten. Seitdem der Papst entschieden hat, vier Bischöfe der traditionalistischen Piusbruderschaft zu rehabilitieren, darf sich Ordensschwester Nicola Maria von Besuchern einiges anhören. Eigentlich soll sie Auskunft geben über Fragen, die die katholische Kirche in Stuttgart betreffen, aber derzeit geht es in vielen Gesprächen um den Papst. "Ich versuche den Menschen zu erklären, dass die Kirche viele Gesichter hat", sagt die Ordensfrau.
Auch der Chef des Hauses, der Theologe Hermann Merkle, bemüht sich um Schadensbegrenzung. "Wir haben das Haus der Katholischen Kirche im Zentrum der Landeshauptstadt gebaut, um zu zeigen, dass wir eine offene Kirche sind." Gebaut wurde es auch, um dem Klischee des Ewiggestrigen entgegenzuwirken, das der katholischen Kirche so beharrlich anhaftet. "Wir wollten eine Sprache finden, die die heutigen Menschen verstehen", sagt Merkle.
Mehr Austritte verzeichnet
Dass der Papst vier Bischöfe rehabilitiert, die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils ablehnen, mit Ökumene nichts am Hut haben wollen und nur einen wahren Glauben kennen, läuft seinem Bemühen um Offenheit zuwider. "Wir befürchten großen Schaden für die Kirche", sagt der Leiter des Hauses der Katholischen Kirche. Der lässt sich tatsächlich schon messen: Allein im Standesamt Mitte wurden in den vergangenen zwei Tagen zwölf Austritte aus der katholischen Kirche gezählt, der Durchschnitt liegt bei zwei bis drei pro Tag.
Auch andernorts wehren sich Katholiken gegen die Entscheidung des Vatikans. In den Gemeinden St. Josef in Heslach und St. Antonius in Kaltental haben etwa 100 Gläubige nach den sonntäglichen Gottesdiensten eine an Bischof Gebhard Fürst gerichtete Erklärung unterschrieben, in der es heißt: "Wir wollen uns weder für theologische Aussagen, die dem Zweiten Vatikanischen Konzil widersprechen, vereinnahmen lassen, noch wollen wir in irgendeiner Weise mit Positionen in Verbindung gebracht werden, die die Schoah verharmlosen oder gar leugnen."
Der zuständige Pfarrer Paul Kugler hat das Papier zusammen mit einigen Gemeindemitgliedern verfasst und hofft, dass die Verärgerung der Basis auch in Rom ankommt. "Die Leute fragen mich, was ist bloß los bei euch? Wir wollten mit unserer Aktion zeigen, dass es für uns Grenzen der kirchlichen Einheit gibt", sagt Kugler.
Nachgebaute Barockkirche im Gewerbegebiet
Am anderen Ende der Stadt, in der nachgebauten Barockkirche der Piusbruderschaft im Feuerbacher Gewerbegebiet, ist die Stimmung dagegen bestens. Pater Andreas Steiner freut sich über die Aufhebung der Exkommunikation der Bischöfe seiner Glaubensgemeinschaft: "Damit ist eine Ungerechtigkeit beendet. Unsere Intention war es, die Tradition zu bewahren, und das haben wir erreicht." Zur Bewahrung der Tradition gehört für den Pater nicht nur die priesterzentrierte tridentinische Messe, die in Feuerbach seit Mitte der 1990er Jahre gepflegt wird, sondern auch die Ablehnung der Ökumene. "Wenn wir die Heilige Schrift ernst nehmen, ist klar, es gibt nur eine wahre Religion", versichert Steiner. Welche er meint, ist klar: die von der Piusbruderschaft gelebte.
250 Anhänger zählt die Bruderschaft in der Region Stuttgart, die von fünf Priestern und zwei Ordensmännern betreut werden. Erteilt wird in Feuerbach jeden Samstag Religionsunterricht für Jugendliche, angeboten wird aber auch Nachhilfeunterricht für katholische Theologen. So hat die Piusbruderschaft eine DVD produziert, die den lateinischen Ritus vor dem Zweiten Vatikanum vermittelt und die sich, wie Steiner versichert, großer Nachfrage erfreut. "Wir sind schon in der zweiten Auflage."
Der Ordensmann Steiner erhofft sich in den nächsten Wochen größeren Zulauf im Gottesdienst und er erhofft sich eine Annäherung an die katholischen Kirche in Stuttgart. Hermann Merkle aber winkt ab: "Wir werden auch weiterhin keine Kontakte zur Piusbruderschaft pflegen."
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