Kommentar zum Alkoholverbot

Erfolglos

Wolfgang Schulz-Braunschmid, veröffentlicht am 03.02.2009

Stuttgart - Der Nahverkehr in Stuttgart ist auf Erfolgskurs. Für die SSB war 2008 ein gutes Jahr, auch die S-Bahnen und die Regionalzüge sind gut ausgelastet. Sogar so gut, dass der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) in wenigen Tagen einen neuen Fahrgastrekord bekanntgeben wird. Doch trotz solcher Erfolgsmeldungen hat der Verbund ein Problem: viele Nutzer fühlen sich abends und am Wochenende in Bus und Bahn nicht mehr wohl. Und so mancher Fahrgast steht im S-Bahn- oder Stadtbahnabteil manchmal sogar Ängste aus.


  Von Wolfgang Schulz-Braunschmid

 
Das liegt vor allem an alkoholisierten Mitreisenden, die sich wie die Axt im Walde verhalten. Wer sich über laute Musik beschwert, der wird oft rüde zurechtgewiesen, beschimpft, mit Schlägen bedroht oder sogar tatsächlich angegriffen und verletzt. Vor allem ältere Mitbürger fühlen sich dieser Gefahr schutzlos ausgesetzt. Auf der Straße kann man betrunkenen Rowdys noch ausweichen, im engen Bahnabteil hingegen fühlt sich so mancher völlig ausgeliefert.

Vor diesem Hintergrund steht nach zwölf Monaten fest, dass ein Alkohol- und Rauchverbot im Nahverkehr nicht allein mit Aufklebern durchgesetzt werden kann. Diese bremsen weder bereits betrunken zusteigende Randalierer aus, noch vermitteln sie den übrigen Fahrgästen ein Geborgenheitsgefühl.

Doch wer soll das notwendige Sicherheitspersonal bezahlen? Bahn und SSB verweisen zu Recht darauf, dass der hohe Alkoholkonsum von Jugendlichen ein gesellschaftliches Problem ist, mit dem der Nahverkehr stark belastet werde. Dahinter steckt auch die Hoffnung, dass der Staat die Forderung nach mehr öffentlicher Kontrolle mitfinanziert. Auch der dezente Hinweis auf den Trend zu mehr Sicherheitspersonal im Nahverkehr ist für die Region Stuttgart bestimmt, die gerade mit der Bahn über einen neuen, von 2013 an geltenden S-Bahn-Vertrag verhandelt.

Der vom VVS geforderte Runde Tisch kann ein erster Schritt zu mehr Sicherheit im Nahverkehr sein. Das funktioniert aber nur, wenn die Ansprechpartner Stadt und Polizei bereit sind, dafür mehr zu tun. Letztere beteiligt sich gern an der Großfahndung nach Schwarzfahrern, weil das in der Regel ordentlich Aufklärungsquote bringt. Deshalb sollten künftig mehr Ordnungshüter auch rein präventiv öffentlich fahren.
 

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