O-Ton Berlinale
Alle schlottern, nur die Stars lächeln
Katja Bauer, veröffentlicht am 06.02.2009
Berlin - So ein roter Teppich ist für Filmschaffende vor allem eins: harte Arbeit mit - je nach Garderobenauswahl der Kollegen -wechselndem Ertrag. Man muss das richtige Kleid aussuchen, gut aussehen, den Bauch einziehen, lächeln und jemanden finden, der einem die Jacke hält.
Dann schreien die Fotografen Vornamen und man soll sich hierhin und dorthin drehen und dabei nichts von alledem vergessen, was schon seit den fünfziger Jahren über Stand- und Spielbeine, vorgeschobene Hüften und gerade Schultern gepredigt wird. Und dann kommt von hinten links die Kollegin mit dem zyklamfarbenen Kleid, das das eigene schwarze zum Verschwinden bringen wird, und legt einem lässig den Arm um die Schulter.
Nina Hoss in einem schwarzen Hauch von Robe
Ein Fall für Biologen ist dabei die Mutation, die offenbar synchron zu wachsendem Ruhm verläuft. Es scheint sich im Starstoffwechsel ein Neurotransmitter zu entwickeln, der auch bei Wintertemperaturen das Entstehen von Gänsehaut und blauen Lippen verhindert. Im sonnigen Los Angeles lässt sich diese Fähigkeit kaum entwickeln.
Aber vielleicht bildet sie sich ja während der Arbeit, wenn man wie Kate Winslet im "Vorleser" fortgesetzt zum Beispiel in Badewannen liegt. Solches Training zahlt sich bei der Carpet-Show aus. Schauen Sie sich die Damen genau an - Nina Hoss in einem schwarzen Hauch von Robe. Tilda Swinton in einem hautfarbenen Chiffonfeenfetzen. Und Esther Schweins in einem pinkfarbenen Dings aus Seidensatin ohne Rückenteil. Nichts zu sehen.
"Dieser Teppich war sehr lang"
Auch Männer frieren nicht. Rekordhalter im Berliner Nichtfrieren ist bekanntlich Tom Cruise, (anderthalb Stunden roter Teppich im Januar). Der scientologisch geclearte Geist mag's möglich machen. Aber auch Clive Owen war bei der Eröffnung alles andere als hektisch. Festivalchef Dieter Kosslick (trägt stets zwei Schals übereinander): "Dieser Teppich war sehr lang!" So lang, dass Owen seine Frau im Gewühl verlor, was nicht jede der anwesenden Damen bedauerte.
Zu lang offenbar für Nina Hagen, die dann doch etwas ungeduldig wurde. "Frau Hagen" rief ein Fotograf formvollendet. Die Dame im besten Alter drehte sich und sprach: "Frau Hagen - so heißt meine Mutter." Eher kniggegerecht war selbstredend Richard von Weizsäcker, der erstmals eine Berlinale besuchte. Um "gesprächsfähig" für die Enkel und Kinder zu bleiben, wie der Altbundespräsident sagte. Auf der Coolness-Skala der elfjährigen Enkelin ist er jedenfalls ein paar Plätze nach oben gerückt: "Sie hat gefragt, warum ich hier rein darf und sie nicht."
Dann schreien die Fotografen Vornamen und man soll sich hierhin und dorthin drehen und dabei nichts von alledem vergessen, was schon seit den fünfziger Jahren über Stand- und Spielbeine, vorgeschobene Hüften und gerade Schultern gepredigt wird. Und dann kommt von hinten links die Kollegin mit dem zyklamfarbenen Kleid, das das eigene schwarze zum Verschwinden bringen wird, und legt einem lässig den Arm um die Schulter.
Nina Hoss in einem schwarzen Hauch von Robe
Ein Fall für Biologen ist dabei die Mutation, die offenbar synchron zu wachsendem Ruhm verläuft. Es scheint sich im Starstoffwechsel ein Neurotransmitter zu entwickeln, der auch bei Wintertemperaturen das Entstehen von Gänsehaut und blauen Lippen verhindert. Im sonnigen Los Angeles lässt sich diese Fähigkeit kaum entwickeln.
Aber vielleicht bildet sie sich ja während der Arbeit, wenn man wie Kate Winslet im "Vorleser" fortgesetzt zum Beispiel in Badewannen liegt. Solches Training zahlt sich bei der Carpet-Show aus. Schauen Sie sich die Damen genau an - Nina Hoss in einem schwarzen Hauch von Robe. Tilda Swinton in einem hautfarbenen Chiffonfeenfetzen. Und Esther Schweins in einem pinkfarbenen Dings aus Seidensatin ohne Rückenteil. Nichts zu sehen.
"Dieser Teppich war sehr lang"
Auch Männer frieren nicht. Rekordhalter im Berliner Nichtfrieren ist bekanntlich Tom Cruise, (anderthalb Stunden roter Teppich im Januar). Der scientologisch geclearte Geist mag's möglich machen. Aber auch Clive Owen war bei der Eröffnung alles andere als hektisch. Festivalchef Dieter Kosslick (trägt stets zwei Schals übereinander): "Dieser Teppich war sehr lang!" So lang, dass Owen seine Frau im Gewühl verlor, was nicht jede der anwesenden Damen bedauerte.
Zu lang offenbar für Nina Hagen, die dann doch etwas ungeduldig wurde. "Frau Hagen" rief ein Fotograf formvollendet. Die Dame im besten Alter drehte sich und sprach: "Frau Hagen - so heißt meine Mutter." Eher kniggegerecht war selbstredend Richard von Weizsäcker, der erstmals eine Berlinale besuchte. Um "gesprächsfähig" für die Enkel und Kinder zu bleiben, wie der Altbundespräsident sagte. Auf der Coolness-Skala der elfjährigen Enkelin ist er jedenfalls ein paar Plätze nach oben gerückt: "Sie hat gefragt, warum ich hier rein darf und sie nicht."
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