Stuttgarter Zeitung online | Zeitungsgruppe Stuttgart |  Freitag, 10. Februar 2012

Stuttgart & Region


Absage

Stuttgart verliert die Hip-Hop-Open

Markus Heffner und Jan Ulrich Welke, veröffentlicht am 09.02.2009
Foto: Heiss

Stuttgart - Das Musikfestival Hip-Hop-Open wird dieses Jahr nicht in Stuttgart stattfinden. Die Veranstalter haben die neunte Auflage abgesagt, weil sie sich von der Polizei schikaniert fühlen. Derzeit verhandelt das 0711-Büro mit einer anderen deutschen Stadt.


  Von Markus Heffner und Jan Ulrich Welke

 
Mehr als 12.000 Besucher waren im vergangenen Jahr zu den Hip-Hop-Open gekommen, mindestens so viele wären wohl auch zur neunten Auflage ins Reitstadion gepilgert. Doch dort bleiben die Lichter in diesem Jahr aus: Europas größtes Musikfestival hat Stuttgart einen Korb gegeben. Der Veranstalter Johannes Graf von Strachwitz vom 0711-Büro bestätigte der Stuttgarter Zeitung, dass er der Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann diese Entscheidung am Freitagmorgen mitgeteilt habe. Das Festival solle in diesem Jahr in einer anderen Stadt durchgeführt werden; Verhandlungen mit der Verwaltung dieser Stadt liefen derzeit.

Die Begründung für diese Entscheidung ist allerdings außergewöhnlich. Nicht aus künstlerischen oder organisatorischen Gründen habe man sich zur Absage entschieden, sondern wegen des Verhaltens der Stuttgarter Polizei. Diese hatte bereits in den vergangenen Jahren rund um das Areal des Cannstatter Reitstadions mit rigiden Drogenkontrollen Schlagzeilen gemacht, 2008 hatten sich die Klagen der Besucher über "exzessive Kontrollen" und schikanöse Behandlung" dann massiv gehäuft. Viele hatten hinterher per Brief oder E-Mail angekündigt, Stuttgart künftig zu meiden.

"Es war für uns keine einfache Entscheidung. Wir wollen uns nicht aus Stuttgart verabschieden und nur auf der Polizei herumtrampeln", sagt Strachwitz. Doch man wolle "einen Akzent setzen gegen die Polizeiwillkür". Von der Stadt und dem Kulturamt seien sie "immer super unterstützt" worden, sagt Strachwitz. Daher sei es sehr schwergefallen, sich "gegen die von uns geliebte Stadt" zu entscheiden. Das Verhalten der Polizei sei nicht der alleinige Auslöser, aber letztlich das entscheidende Moment gewesen. "Wir haben im Vorfeld des Festivals jedes Jahr Gespräche mit der Polizei geführt. Aber man verliert das Vertrauen darauf, dass sich etwas ändert." Das Verhalten der Polizei gegenüber den Hip-Hop-Fans sei eine Stigmatisierung. "Wir fordern gleiches Recht für alle."

Stuttgarts Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann bedauert diese Entscheidung, man müsse aber akzeptieren, sagt sie, "dass sich ein Wirtschaftsunternehmen, und das ist auch eine Konzertagentur, für einen anderen Standort entscheidet". Es habe sich bereits abgezeichnet, dass die Hip-Hop-Open 2009 die Stadt verlassen werden, nachdem es vergangenen Oktober ein Gespräch zwischen Veranstalter, Polizei und ihr gegeben habe.

Dabei sei auch deutlich geworden, dass sich die finanziellen Erwartungen des Veranstalters in Stuttgart nicht wie erhofft erfüllt hätten. Die massive Kritik an der Polizei kann die Bürgermeisterin derweil nicht nachvollziehen: "Die Polizei genießt mein absolutes Vertrauen. Ich habe keine Veranlassung, an ihrem Vorgehen zu zweifeln."

Auch die Polizeiführung selbst kann an ihren Großeinsätzen auf dem Wasen keine Unverhältnismäßigkeit erkennen, wie Polizeisprecher Stefan Keilbach sagt. Es habe viele Gespräche gegeben und der Polizei sei durchaus klar, welche Wirkung die Kontrollen auf normale Besucher habe. "Straftaten zu verfolgen ist aber unser Auftrag, da können wir nicht einfach wegschauen."

So wird Europas größtes Hip-Hop-Festival nun in eine andere Stadt umziehen, deren Namen Strachwitz mit Blick auf die laufenden Verhandlungen aber noch nicht öffentlich machen will. Das 0711-Büro sei schon lange mit mehreren Künstlern im Gespräch und kurz vor dem Abschluss der Verträge. Wichtig ist dem Musikmanager auch, dass es sich zunächst nur um eine Entscheidung für dieses Jahr handele. 2010, wenn das traditionell im Juli stattfindende Festival sein zehnjähriges Bestehen feiert, sei man "für alles offen". "Ich hoffe sehr", so Strachwitz, "dass wir wieder in Stuttgart sind."

Das hofft zudem auch Susanne Eisenmann, die vereinbart hat, im Gespräch zu bleiben. "Auch diese Art von Musikkultur soll sich in Stuttgart zu Hause fühlen. Schließlich haben wir die Hip-Hop-Open jahrelang finanziell unterstützt."
 
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