Klassiker der Pädagogik

Pestalozzis Geist weht bis heute durch die Klassen

Renate Allgöwer, veröffentlicht am 08.02.2009
Foto: dpa

Stuttgart - Pädagogische Theorien werden seit Jahrhunderten aufgestellt. Von den meisten haben sich einzelne Elemente durchgesetzt. Wir stellen einige Lehren kurz vor:


  Von Renate Allgöwer

 
Johann Heinrich Pestalozzi (1746 bis 1827): Das Ziel des Schweizer Philosophen war, den Menschen zu stärken und ihn in die Lage zu versetzen, sich selbst zu helfen. Die Elementarbildung der Kinder sollte schon in der Familie beginnen. Pestalozzi vertrat einen später als ganzheitlich bezeichneten Ansatz. Es kam ihm darauf an, die intellektuellen, sittlich-religiösen und handwerklichen Kräfte der Kinder gleichermaßen zu stärken.

Maria Montessori (1870 bis 1952): Die italienische Ärztin vertrat die Auffassung, dass jedes Kind den "Bauplan der Seele" in sich trägt. Kinder könnten sich allein, frei und spontan entwickeln, wenn ihnen eine "vorbereitete Umgebung" mit bestimmten Arbeitsmaterialien zur Verfügung stünde. Sie sollen ihre Fehler selbst erkennen und korrigieren. Erwachsene sind Begleiter, die den Kindern helfen sollen, "es selbst zu tun".

Rudolf Steiner (1861 bis 1925) hat die Nachahmung als Prinzip der Waldorfpädagogik festgelegt. Erziehern und Lehrern kommt eine besondere Vorbildfunktion zu. Handeln steht für Steiner am Anfang des kindlichen Erkenntniswegs. Fühlen und Denken folgen.

Célestin Freinet (1896 bis 1966) gab den Schülern das Wort. Sie druckten eigene Texte, die schrittweise die Schulbücher ablösten. Im Mittelpunkt der Freinetpädagogik stehen die Bedürfnisse der Kinder. Sie sollen experimentieren und ihren Alltag gestalten.

Reggio-Pädagogik: Männer und Frauen aus einem Dorf nahe der Stadt Reggio Emilia in Italien haben 1945 den ersten Reggiokindergarten gegründet. Daraus resultiert eine "Pädagogik des Werdens", die sich in ständiger Interaktion zwischen Erwachsenen und Kindern entwickelt. Projekte und Projektarbeit sind Herzstücke der Reggio-Pädagogik.

Eine einzelne pädagogische Lehre wird außerhalb von speziellen Einrichtungen nur selten verfolgt. So hat sich in den meisten Kindergärten der "Situationsansatz" durchgesetzt. Im Mittelpunkt stehen das soziale Lernen und die realen Lebensbedingungen der Kinder. Altersgemischte Gruppen, Elternmitarbeit, Beteiligung der Kinder an der Tages- und Wochenplanung sowie eine flexible Tageseinteilung sind Merkmale der modernen Pädagogik in Kindergärten.

In den Schulen ist der instruktive Ansatz als nicht zeitgemäßer Frontalunterricht in die Kritik geraten. Nur das autonome und entdeckende Lernen, bei dem Kinder selbst experimentieren und recherchieren, führe zu nachhaltigen Ergebnissen, heißt das Gegenargument. Lehrer werden Lernbegleiter. In den mit Anregungen gespickten "Lernhäusern" des Schweizers Peter Fratton gelten sogar die vier pädagogischen Urbitten der Schüler, die dort Lernpartner heißen: "Bringe mir nichts bei, erkläre mir nicht, erziehe mich nicht, motiviere mich nicht". Für den instruktiven Frontalunterricht spricht etwa der Lernforscher Martin Wellenreuther. Direkte Instruktion helfe besonders schwächeren Schülern. Komplexe Dinge außerhalb ihres Erfahrungsbereichs könnten Kinder nicht ohne klare Anleitung lernen.
 
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