Neue Pläne der Bahn

Sonntags sollen viele Schalter zubleiben

Michael Petersen, veröffentlicht am 10.02.2009
Foto: AP

Stuttgart - Oberzentren wie Reutlingen und Heilbronn gehören dazu, auch der Touristenort Freudenstadt: nach Plänen der Bahn werden Reisezentren hier wie dort sonntags bald nicht mehr öffnen. An anderen Bahnhöfen drohen kürzere Öffnungszeiten.


  Von Michael Petersen

 
"Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit", der Standardsatz findet sich auch am Ende einer 42-seitigen Präsentation der Bahnsparte "DB Vertrieb". Aufmerksamkeit dürfte dem Papier, das der Stuttgarter Zeitung aus Gewerkschaftskreisen zugespielt wurde, gewiss sein. Denn für rund 40 Bahnhöfe im ganzen Land wird darin eine "geplante Optimierung in 2009" angekündigt.

Wie häufig nutzen Sie ein Reisezentrum der Bahn? Genügt Ihnen der Automat und die Bestellmöglichkeit im Internet? Diskutieren Sie mit!


In den meisten Fällen heißt dies eine Reduzierung der Öffnungszeiten. Wie das Stuttgarter Innenministerium auf Anfrage erklärte, ist das Papier dort bereits vorgestellt worden. Derzeit werde an einer Einschätzung dazu gearbeitet. Rechtlichen Einfluss hat das Land freilich nicht. Der Verkehrsvertrag zwischen dem Land Baden-Württemberg und der DB AG/DB Regio AG enthält keine Passage über Fahrkartenverkaufsstellen.

Besonders Sonntage sind betroffen. Da soll manches Reisezentrum in Zukunft ganz geschossen bleiben. Dazu gehören selbst Oberzentren wie Reutlingen und Heilbronn. "Sonntags geschlossen" gilt dann auch für Städte wie Göppingen oder Ravensburg. Eine Spitzenposition nimmt Albstadt-Ebingen ein: Statt samstags (7.00 bis 12.00) und sonntags (8.00 bis 18.00) heißt es dort Schließung gleich am ganzen Wochenende. Die Öffnungszeiten sollen in der 46.000-Einwohner-Gemeinde von 62.05 auf 36.50 Stunden nahezu halbiert werden.

Reisebüros sind sonntags ebenfalls geschlossen

Auch andere Städte müssen damit rechnen, dass die Arbeitszeiten in den Reisezentren deutlich reduziert werden. In Ulm soll das von knapp 102 auf 87 Stunden in der Woche geschehen, in Freiburg von 93.30 auf 84.30 Stunden, in Rottweil von 69.20 auf 58.15 Stunden und in Mühlacker von 62.55 auf 50.15 Stunden.

Bahnkunden, die mit dem Papier konfrontiert wurden, ärgern sich bereits. "Also gibt es an Sonntagen selbst in Großstädten wie Reutlingen und Heilbronn keine Beratung mehr, keine Buchung von Platzkarten am Schalter und eben auch kein Fahrkartenverkauf", ist von einem regelmäßigen Bahnreisenden zu hören. Besonders ärgerlich sei, dass private Reisebüros, die auch Fahrscheine der Bahn verkaufen, am Sonntag ebenfalls geschlossen hätten. Insofern würde der Service deutlich reduziert.

Bereits vor fünf Jahren hat die Bahn zahlreiche Reisezentren in Bahnhöfen geschlossen. Damals sind viele Vollzeitstellen weggefallen. Ersatz sollen seit Jahren die Automaten bieten, auch auf die Möglichkeiten des Internets wird gern verwiesen. Doch die Kritik an den Automaten ist weit verbreitet. Sie sind kompliziert in der Bedienung, mitunter treten Störungen auf und von einer Beratung kann kaum die Rede sein. Auf das Internet kann nicht jeder zugreifen und erst recht nicht diejenigen, die unterwegs sind und sich gerne beraten ließen.

Es geht auch anders

"Anpassung der Öffnungszeiten an das Nachfrageverhalten" oder "Schließung des umsatzschwachen Sonntags" nennt DB Vertrieb als Grund für das geplante Vorgehen und "zwei neue DB-Automaten seit Mai 08".

Es geht auch anders. In Leutkirch gab es zuletzt gar kein bahneigenes Reisezentrum mehr. Seit Jahresanfang wurde eine Verkaufsstelle vom DB Vertrieb übernommen. In Abstimmung mit der Stadtverwaltung stehen in Leutkirch an vier Tagen in der Woche jeweils sieben Stunden Fachkräfte mit Rat und Tat bereit. Dagegen, dass im Reisezentrum Freiburg-Wiehre eine Mittagspause eingeführt wird, die einen Einschichtbetrieb möglich macht, lässt sich kaum argumentieren.

Nachvollziehbar ist auch, dass sich das Kundenverhalten ändert. Mancher Schalter öffnet am Wochenende bald erst eine Stunde später als bisher. Von Stellenstreichungen ist bis jetzt nichts bekannt. Immerhin argumentieren Bahnvertreter damit, dass - Beispiel Göppingen - die Besetzung an nachfragestarken Wochentagen ausgebaut werden soll.

Wie häufig nutzen Sie ein Reisezentrum der Bahn? Genügt Ihnen der Automat und die Bestellmöglichkeit im Internet? Diskutieren Sie mit!



Sonntags geschlossen

An folgenden Bahnhöfen im Land sollen die Reisezentren künftig am Sonntag ganz geschlossen bleiben:

>Aalen (bisher 8:40 bis 17:05 Uhr)

>Albstadt-Ebingen (bisher 8:00 bis 18:00)

>Freudenstadt (bisher 12:50 bis 18 Uhr)

>Göppingen (bisher 9:00 bis 17:00 Uhr)

>Kehl (bisher 10:30 bis 13:15 und 14:30

bis 17:30 Uhr)

>Heilbronn (bisher 09:30 bis 18:30)

>Ravensburg (bisher 09:30 bis 17:30 Uhr)

>Reutlingen (bisher 10:30 bis 16:00 Uhr)

In vielen anderen Bahnhöfen werden die Öffnungszeiten der Schalter außerdem zum Teil deutlich reduziert.
 
Kommentare
Gesa Ebert,
18.02.2009 15:17
Der immer schlechter werdende Service der Bahn - bei ständig steigenden Preisen - ist ein großes Ärgernis für mich seit Jahren. Stuttgart hat zwar noch ein offenes Reisezentrum, aber das ist nur benutzbar, wenn man oder frau sehr viel Zeit mitbringt. Offenbar werden nur noch soviele Schalter geöffnet, dass die MitarbeiterInnen keine Minute Leerlauf haben. (Die haben mein Mitleid!) Egal zu welcher Tageszeit, es sind immer riesige Menschenschlangen. Jetzt werden Wartenummern ausgegeben wie beim Finanzamt. - Ich hasse Automaten! Dito Herrn Mehdorn. Warum schafft er die Bahn eigentlich nicht ganz ab?
SEPP,
16.02.2009 11:39
@ Elke Gärtner
Aber versuchen sie mal eine Fahrkarte ins fremde Verkehrsverbund zu kaufen. Auch für´s Ausland wird nur noch abgewimmelt. Und Busverbindungen werden mittlerweile nicht mehr angegeben. Und gerade auf dem Land lässt sich bei Automaten nur mir EC-Karte bezahlen.
Und letztendlich: solange die Schalter offen haben, solange haben auch die (warmen) Bahnhöfe offen. Gerade in der Winterzeit.
Thomas Hirche, Stuttgart,
13.02.2009 17:12
Hier zum Ersten.

Eigentlich wollte ich das Kursbuchproblem noch unter einem Vorgängerforum ('21) bringen, aber hier paßt das gnadenlose Donnerwetter bestens.

Als erstes die Schlagdonnerforderung: In/an AUSNAHMSLOS JEDER Lokalität (Amt, Schalter, Kasse, (Waren)Haus, Service...) hat AUSNAHMSLOS AUSNAHMSLOS JEDER, also auch solcher Nullbyteler mit Krückstock und taubstumm blind, aber ebenso mit "nur" 0Byte, wie anderen "Schlauis" selbstverständlich gebührt (win), AUSNAHMSLOS AUSNAHMSLOS JEDERZEIT SOFORT er/sie den Artikel/Service... will, zu bekommen, bedient zu sein,...natürlich zu fairsten Preisen ohne Sonderabzockung (wie die Fahrkarten am Bahnschalter etwa). Auch nach Jahrtausenden nicht anders!!
RRAOUMM!!!!! (Und um denen von "hiesiger Seite 2" energischst entgegenzutreten)

Erdreistet sich die Bahn als letzte "Krönung" das im Artikel geschilderte. Ich brigne gleich einen dicken Hund dazu: Stuttgart Hauptbahnhof: große Schalterhalle. Einstens (bis Anfangs 90'er) ALLE Schalter in der großen UND kleinen Schalterhalle offen und (sicher) arbeitsames Personal dahinter. Außer in ganz bestimmten Situationen bekam man sein Billet (Pappkarte, dann Papier) nahezu sofort. Denn: Besertzungsgrad nahezu immer 100%. aber: Bahn noch staatlich. Mitt90'er: Radikahle Abstreichung der Schalterplätze der kleinen Schalterhalle (ca. 12) und der großen Schalterhalle (ca. 15-16, Summe: knapp 30) und Zusammenstauchung auf EIN Reisezentrum mit bestenfalls 16 direkten Bahnschaltern. Andere dienten schon längst als Reisebüros, etc. Besetzungsgrad: ca. 70% in der Anfangsphase, Millennium (& wenige) im Mittel 45%, also erst 12, dann je Phase 3 (!) bis 9 Schalter wechselnd besetzt. Bahn aber schon privat, so Fahrkarte anfangs in 5-8min. (auch wenn die Zeit zum Zug gedengelt hat!!) bekommen. Noch ohne Abzocke. End 90'er: plötzliche Einführung einer zentralen Warteschlange Modell Post. Soll angeblich Wartezeit reduzieren. Gegeneffekt trat ein: 10-12min. im Mittel, bis man zum Zug rasen konnte. Nach Millenium Steigerung (s. Besetzungsgrad!) auf 15 min. Automaten anfangs noch kapabel und beherrschbar, also: Ticket dort in 3 min. bekommen. Wurden in die Vorläufer der jetzigen Generation ca. Millennium umgewandelt: Karte vonnöten, also wiederum Schalter, s. eben zuvor. Dann kamen die Automaten mit Multifunktionen, wie sie heute überall stehen. Otto Normalbürger, der in der "Commodore 64-Sauriergeneration" aufgewachsen sind, also Kollege und Arbeitsplatzkiller Computer noch nicht tägliches Muß waren, braucht nach "einigermaßen" Checken trotzdem ca. 5-10 min. um GENAU SEIN Ticket (pardon: nicht mehr Fahrkarte) zu bekommen und dann den Zug in letzten Zügen am Puffer zu erwischen. Die Bahn schottet sich ab, indem sie ab kurz nach '00 Bearbeitungsgebühren von 2€ am Schalter einführt (und jetzt klammheimlich versucht, zu erhöhen). Ist das bereits (schon/noch) normal?? Saurier friß oder stirb??? Und jetzt, ich glaub, mich trifft der Schlag, wird seit 1'09 ein System eingeführt, mittels dem z. B. Ämter ihre KundenDISTANZ (statt: Nähe) erfolgreich ausbauen: ein Nummernsystem! Kriege also folglich dort mein Ticket, selbstverständlich abgezockt, erst in ca. 15-20 min. (abgeschätzter Schnitt) Also Automat s. o. Ist die Bahn noch zu retten??

Ja, Automat. Ich kann zu (11.2./ 9:44) noch Immenstadt als Beispiel der Nichtfunktion anführen. Unsere 4 Bahnhöfe liegen also auf engstem Raum, nur allein im Allgäu. Das "Desaaschdr" im Rest Deutschlands ist sofort einsichtig. Wo bleibt der gute alte Schaffner, der noch ohne Abzocke letzten "Anhetzern" die Tür geöffnet und Tickets besorgt hat?? Kaputtgespart osder bei der tschechischen Eisenbahn (cesky drahy) noch zu finden. Wo sind Berater, eigens für die Automatenhilfe angestellt zu finden? Kaputtgespart!! Ausrede: Internet. Durch diese neuerliche Abschottung: traditionelle Schalterplätze kaputtgespart. Und der Service stirbt weiter: Kursbuch? kaputtgespart für '10 ff.! Aber "Saurier unsererseits" sind aufs "Schwarz auf weiß" dringendst angewiesen!! Dort steht am glaubhaftesten drin, was ausgefallene Automaten verweigern. Und auch Rentner sofort noch kapieren können.

Aber Profit-Rendite-Kapital: (selbstverständlicherweise nur für Mehdorn(s) & Co (Saurier: friß oder stirb)) Für '21 und dem gnadenlosen Geheuchel dafür mit dem wirklichen Horrorprodukt, was '21 nun mal ist, sind urplötzlich Milliarden € da und frei oder werden von der Platzhirschlobby zugepumpt, aber für Kursbuch, Schaffner, Schiene in der Fläche, Service & Co kein müder Cent!!

Daraus folgt: Mehdorn sollte radikal vom Lokbildschirm verschwinden und ersetzt werden für einen, der noch VOLKSökonomisch denken kann. (Dürr hatte Ansätze dafür; z. B.) Und altbewährte Strukturen wieder eingeführt werden, bevor für die Hauptmasse von und die (Gleichberechtigungs)Lichter endgültig ausgehen. Da oben: DENKT NACH! (Bevor ihr die Katastrophe, lächelnd vom Rest der Weld auf dem Luxusgleis abgekoppelt, hinnehmt!!)

Salem!

Apple

Steve Jobs stellt iPad 2 selbst vor

Würde er auftreten oder nicht? „18.57 Uhr, Steve Jobs ist bisher nicht zu sehen“, lautet die Nachricht auf Applenews.de.mehr

Vor dem Spiel gegen Schalke

Cacau bricht Training ab

Können die Spieler des VfB Stuttgart nach dem zweiten Auswärtssieg gegen Eintracht Frankfurt (2:0) auch Schalke 04 bezwingen? mehr
Anzeigen

Stuttgart 21
Alle Infos zum Bahnprojekt
Stuttgart 21 finden Sie hier »
Anzeige



Nachrichten-Ticker
17:53 Blutbad in Syrien: Angeblich über 100 Zivilisten getötet »
17:51 Union und FDP warnen vor Verzögerung bei Euro-Abstimmungen »
17:33 Vatikan ermittelt gegen Kammerdiener des Papstes »
16:47 Islamistischer Polizist war auch auf Salafisten angesetzt »
16:45 Linke streitet weiter über Führung - Politologe sieht Ende »
1  2  3  4  5  6  7    weiter
Aktuelle Videos
Anzeige

Ausgewählte Adressen

Sie suchen eine neues Zuhause?

Wir haben Sie alle! Mieten oder kaufen, Wohnung oder Haus. In Baden-Württembergs bedeutendstem Immobilienmarkt finden Sie Angebote aus Stuttgart, der Region und dem Rest der Republik.
zur Immobiliensuche
Veranstaltungen

26.05. | Wein-Musketier Stuttgart-Degerloch

Körperlandschaften

Sandra Wolf stellt Aktfotografien aus mehr
Finden Sie
Heute können Sie aus 358 Veranstaltungsterminen auswählen
StZ digital
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
Für Abonnenten

Für Käufer
Hier können sie sich über Preise informieren, Abos abschließen oder Einzelexemplare kaufen.
Abonnement-Prämien
Werben Sie einen Freund als Abonnent der Stuttgarter Zeitung. Für jede Empfehlung erhalten Sie eine Prämie aus unserem Shop.