Die Bars Fou Fou und Breezin'
Die Boheme zieht in die Viertel
Matthias Ring , veröffentlicht am 09.02.2009
Stuttgart - Für viele ist die Theo-Heuss-Ausgehmeile längst eine No-go-Area: zu laut, zu voll, zu fies. So sucht sich die entwachsene Szene lieber ein gemütliches Plätzchen in der zweiten Reihe - und sie hat seit wenigen Wochen zwei neue Anlaufstellen.
Von Matthias Ring
Eine davon befindet sich im Rotlichtviertel in den ehemaligen Räumen des Antiquitätenhändlers Edeltrödel. Wenn man sich in den hinteren Räumen mit ihrem seltsamen Mix aus Empire- und Jugendstil so umschaut, dann hätte man den Namen eigentlich getrost beibehalten können. Aber Fou Fou ist ja auch nicht schlecht für eine "Hotelbar ohne Hotel". Hinter dem Konzept stehen drei Namen: Kai Binder hat als Mitbegründer der Suite 212 eine Theo-Heuss-Vergangenheit, Joachim Stahls Eltern betreiben einen Cateringservice, und Gianni De Palo hat schon in großen Häusern wie dem Atlantic Hotel in Hamburg oder dem Steigenberger in Stuttgart Erfahrung gesammelt. Wer vorbei am zuvorkommenden Türsteher, der nur unternehmungslustige bis angeheiterte Jugendliche abfangen soll, das Fou Fou betritt, der ist immer noch mittendrin im Rotlicht, denn durch die großen Schiebefenster leuchtet die gewerbetreibende Nachbarschaft in den Vorraum mit der Bar hinein.
Gepflegtes Nippen an Trinks - bei angenehmer Musik
Die Karte ist üppig, aber noch ohne Speisen - Clubsandwiches und Co. sollen folgen. Die von uns probierten Cocktails überraschen, denn der Moulin Rouge ist hier die Variante mit Absinth, der zwar zum Boheme-Milieu passt, aber alle anderen Zutaten in dem hübsch roten Gesöff geschmacklich übertüncht. Und die Pina Colada wird nicht mit Crushed Ice, sondern mit riesigen Eisblöcken serviert, die kaum schmelzen - falls es hier mal richtig heiß hergehen sollte.
Fein sind die Weine: blumig der Anarkos (5 Euro) aus der apulischen Heimat von De Palo, griffig der Madiran (8 Euro) aus dem Barrique. Da man kein Club, sondern eine Bar für ein Ü-30-Publikum sein will, ist die Lounge-Musik dezent, so dass einer gepflegten Konversation nichts im Wege steht.
Ähnlichen Sound, andere Optik gibt es im Breezin' im Heusteigviertel, das zuletzt Bernd Heidelbauers Juwel war. Olavo Fernando Alves hat den Laden ordentlich entrümpelt, das Parkett geschliffen und in Udine Möbel besorgt. Der Portugiese und Branchenneuling hat eh ein Faible fürs Italienische und will demnächst auch das schöne Schnabulierritual Aperitivo italiano einführen. Neben einem Mittagstisch gibt es schon jetzt ein paar Kleinigkeiten zu essen.
Von dem von uns probierten Antipasti-Teller (9,50 Euro) kann sich so mancher selbst ernannte Edelitaliener eine Scheibe abschneiden. Dennoch geht es auch hier mehr ums gepflegte Nippen an Drinks - für gut befunden der Côte du Rhône (3 Euro für 0,1). Beiden Bars gemein ist der gute Service, der jeden Neuankömmling höflich empfängt. Das kennt man von woanders anders, wobei ja nicht alles auf der Theo-Heuss schlecht sein muss, wie man sagt.
Fou Fou, Leonhardstr. 13, 70180 Stuttgart, Telefon 51 89 15 11, Mo bis Mi 17 bis 1 Uhr, Do bis Sa bis 3 Uhr
Breezin', Mozartstr. 3, Telefon 50 42 74 94, Mo bis Do 12 bis 1 Uhr, Fr bis 2 Uhr, Sa 17 bis 2 Uhr, So 10 bis 16 Uhr. Beide Bars haben einen Raucherbereich.
Auf einen Blick
Fou Fou ****
Breezin' ****
Legende
***** = herausragend
**** = überdurchschnittlich
*** = gut
** = Luft nach oben
* = viel zu verbessern
Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-/ Leistungsverhältnis. Das günstige Lokal um die Ecke wird nach anderen Kriterien bewertet als ein Sternerestaurant. Der Test gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche.
Von Matthias Ring
Eine davon befindet sich im Rotlichtviertel in den ehemaligen Räumen des Antiquitätenhändlers Edeltrödel. Wenn man sich in den hinteren Räumen mit ihrem seltsamen Mix aus Empire- und Jugendstil so umschaut, dann hätte man den Namen eigentlich getrost beibehalten können. Aber Fou Fou ist ja auch nicht schlecht für eine "Hotelbar ohne Hotel". Hinter dem Konzept stehen drei Namen: Kai Binder hat als Mitbegründer der Suite 212 eine Theo-Heuss-Vergangenheit, Joachim Stahls Eltern betreiben einen Cateringservice, und Gianni De Palo hat schon in großen Häusern wie dem Atlantic Hotel in Hamburg oder dem Steigenberger in Stuttgart Erfahrung gesammelt. Wer vorbei am zuvorkommenden Türsteher, der nur unternehmungslustige bis angeheiterte Jugendliche abfangen soll, das Fou Fou betritt, der ist immer noch mittendrin im Rotlicht, denn durch die großen Schiebefenster leuchtet die gewerbetreibende Nachbarschaft in den Vorraum mit der Bar hinein.
Gepflegtes Nippen an Trinks - bei angenehmer Musik
Die Karte ist üppig, aber noch ohne Speisen - Clubsandwiches und Co. sollen folgen. Die von uns probierten Cocktails überraschen, denn der Moulin Rouge ist hier die Variante mit Absinth, der zwar zum Boheme-Milieu passt, aber alle anderen Zutaten in dem hübsch roten Gesöff geschmacklich übertüncht. Und die Pina Colada wird nicht mit Crushed Ice, sondern mit riesigen Eisblöcken serviert, die kaum schmelzen - falls es hier mal richtig heiß hergehen sollte.
Fein sind die Weine: blumig der Anarkos (5 Euro) aus der apulischen Heimat von De Palo, griffig der Madiran (8 Euro) aus dem Barrique. Da man kein Club, sondern eine Bar für ein Ü-30-Publikum sein will, ist die Lounge-Musik dezent, so dass einer gepflegten Konversation nichts im Wege steht.
Ähnlichen Sound, andere Optik gibt es im Breezin' im Heusteigviertel, das zuletzt Bernd Heidelbauers Juwel war. Olavo Fernando Alves hat den Laden ordentlich entrümpelt, das Parkett geschliffen und in Udine Möbel besorgt. Der Portugiese und Branchenneuling hat eh ein Faible fürs Italienische und will demnächst auch das schöne Schnabulierritual Aperitivo italiano einführen. Neben einem Mittagstisch gibt es schon jetzt ein paar Kleinigkeiten zu essen.
Von dem von uns probierten Antipasti-Teller (9,50 Euro) kann sich so mancher selbst ernannte Edelitaliener eine Scheibe abschneiden. Dennoch geht es auch hier mehr ums gepflegte Nippen an Drinks - für gut befunden der Côte du Rhône (3 Euro für 0,1). Beiden Bars gemein ist der gute Service, der jeden Neuankömmling höflich empfängt. Das kennt man von woanders anders, wobei ja nicht alles auf der Theo-Heuss schlecht sein muss, wie man sagt.
Fou Fou, Leonhardstr. 13, 70180 Stuttgart, Telefon 51 89 15 11, Mo bis Mi 17 bis 1 Uhr, Do bis Sa bis 3 Uhr
Breezin', Mozartstr. 3, Telefon 50 42 74 94, Mo bis Do 12 bis 1 Uhr, Fr bis 2 Uhr, Sa 17 bis 2 Uhr, So 10 bis 16 Uhr. Beide Bars haben einen Raucherbereich.
Auf einen Blick
Fou Fou ****
Breezin' ****
Legende
***** = herausragend
**** = überdurchschnittlich
*** = gut
** = Luft nach oben
* = viel zu verbessern
Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-/ Leistungsverhältnis. Das günstige Lokal um die Ecke wird nach anderen Kriterien bewertet als ein Sternerestaurant. Der Test gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche.
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