Nach Wettbewerb
Kulturmeile droht an Finanzierung zu scheitern
Thomas Borgmann, veröffentlicht am 20.02.2009
Stuttgart - Im Ideenwettbewerb um die Neuordnung der Kulturmeile hat die Jury am Freitag einhellig einen Sieger gekürt. Doch OB Wolfgang Schuster sagt: "Der Entwurf ist sehr gut, aber wenn die 70 Millionen Euro dafür nicht reichen, übernehme ich keine Garantie."
Von Thomas Borgmann
Sieben Stunden lang, von 9 bis 16 Uhr, hat das aus 19 Stadträten, Architekten, Stadtplanern und der Rathausspitze besetzte Preisgericht am Freitag im Geno-Haus über den sechs Wettbewerbsarbeiten gebrütet, die diese Finalrunde erreicht hatten. Unter dem Vorsitz von Wolfgang Riehle, dem Präsidenten der Architektenkammer Baden-Württemberg, ging es um eine zentrale Frage: Gelingt es einem dieser Büros, die als besonders schwierig geltende Aufgabe zu lösen und der rund 600 Meter langen Kulturmeile eine neue städtebauliche Perspektive zu geben?
Als sich im Geno-Haus an der Heilbronner Straße schließlich die Türen des Tagungssaales öffneten, sagte Oberbürgermeister Wolfgang Schuster: "Es war richtig, dass wir im vergangenen Oktober sechs Architekturbüros aufgefordert haben, ihre Vorschläge und Entwürfe zu überarbeiten. Der Siegerentwurf, den das Berliner Büro Lützow und das Stuttgarter Büro Auer und Weber gemeinsam erarbeitet haben, hat uns alle überzeugt." Wenn dies nicht der Fall gewesen wäre, hätte er das Projekt bereits am Freitag für gescheitert erklärt. Nun allerdings habe die Stadt die Aufgabe, die Kosten für den Straßentunnel unter der Adenauerstraße und die spätere Gestaltung der Oberfläche neu zu berechnen.
"Der Tunnel ist sehr kompliziert"
Schusters Sorge: "Der Tunnel ist, rein technisch betrachtet, sehr kompliziert und aufwendig. Ich hoffe trotzdem, dass wir innerhalb der 70 Millionen Euro bleiben, die Stadt und Land bisher fest vereinbart haben." Sollte sich jedoch in den kommenden Wochen zeigen, dass "diese Summe deutlich überschritten wird, kann ich für das Projekt keine Garantie geben." Sein Ziel sei es, "dem Gemeinderat noch vor den Sommerferien den Baubeschluss vorzulegen, damit er entscheiden kann." Aus zeitlichen Gründen müsse der Straßentunnel unter der Adenauerstraße in diesem Jahr begonnen werden.
Rudolf Köberle (CDU), der Staatssekretär im Innenministerium, ebenfalls Mitglied der Jury, skizzierte die Sicht des Landes: "Auch uns gefällt der Siegerentwurf. Nun muss geprüft werden, was das Projekt kostet, danach sollte rasch entschieden werden." Die Grundlage der gemeinsamen Finanzierung von Stadt und Land liege bei 70 Millionen Euro. Die Gremien des Landes müssten entscheiden, was zu geschehen habe, wenn alles wesentlich teurer werde. Aber, so Köberle, "das Land kann nicht in beliebiger Höhe die Hälfte der Baukosten übernehmen".
Jurypräsident Wolfgang Riehle, der Präsident der Architektenkammer Baden-Württemberg, lobte den preisgekrönten Entwurf der Architektengemeinschaft aus Berlin und Stuttgart: "Das alte Problem der Kulturmeile ist, dass sie seit den sechziger Jahren die Stadt an dieser Stelle trennt. Der Siegerentwurf schafft neue Querverbindungen, die diese Trennung abmildert." Vor dem Kulissenhaus und beim Königin-Katharina-Stift würden Anbauten für die Theater sowie für die John-Cranko-Schule vorgeschlagen. Die Idee, auch den Akademiegarten zu bebauen, sei von der Jury jedoch verworfen worden.
"Zweite Runde war sinnvoll"
Der Baubürgermeister Matthias Hahn (SPD) zeigte sich ebenfalls zufrieden: "Endlich haben wir jetzt Klarheit. Die zweite Runde im Wettbewerb hat sich wirklich gelohnt. Nun müssen wir die Kosten neu ermitteln." Die Bauzeit für den Straßentunnel und die Neuordnung zu ebener Erde werde seiner Schätzung nach vier Jahre betragen.
Namens der CDU-Gemeinderatsfraktion sagte Stadtrat Philipp Hill: "Die hohe Qualität der Arbeiten hat mich positiv überrascht. Die zweite Runde des Wettbewerbs war überaus sinnvoll. Auf dieser Grundlage können wir weitermachen." Über die Kosten werde man zu gegebener Zeit entscheiden. Auch der SPD-Fraktionschef Manfred Kanzleiter lobte das Ergebnis: "Ich freue mich über den Siegerentwurf, er ist eine ganz exzellente Arbeit, die die Ausgangslage für die Neuordnung der Kulturmeile wesentlich verbessert hat." Über die Kosten werde man dann reden, wenn sie neu ermittelt seien. Grünen-Fraktionschef Werner Wölfle indessen blieb bei seinem Nein: "Den Siegerentwurf zieren eine Menge neuer Bäume - aber auf den Plänen war kein einziges Auto zu sehen. Wir meinen, 70Millionen Euro oder womöglich noch mehr wären zu viel dafür, dass man die Autos trotz allem nicht von der Straße wegbekommt." Das Geld wäre in der Schulsanierung sowie für den Abriss der Paulinenbrücke "wesentlich besser angelegt".
Wichtig zu wissen: Die im Siegerentwurf vorgeschlagenen Neubauten am Theater sowie am Königin-Katharina-Stift sind kein Bestandteil der Finanzierungsvereinbarung zwischen Stadt und Land.
Von Thomas Borgmann
Sieben Stunden lang, von 9 bis 16 Uhr, hat das aus 19 Stadträten, Architekten, Stadtplanern und der Rathausspitze besetzte Preisgericht am Freitag im Geno-Haus über den sechs Wettbewerbsarbeiten gebrütet, die diese Finalrunde erreicht hatten. Unter dem Vorsitz von Wolfgang Riehle, dem Präsidenten der Architektenkammer Baden-Württemberg, ging es um eine zentrale Frage: Gelingt es einem dieser Büros, die als besonders schwierig geltende Aufgabe zu lösen und der rund 600 Meter langen Kulturmeile eine neue städtebauliche Perspektive zu geben?
Als sich im Geno-Haus an der Heilbronner Straße schließlich die Türen des Tagungssaales öffneten, sagte Oberbürgermeister Wolfgang Schuster: "Es war richtig, dass wir im vergangenen Oktober sechs Architekturbüros aufgefordert haben, ihre Vorschläge und Entwürfe zu überarbeiten. Der Siegerentwurf, den das Berliner Büro Lützow und das Stuttgarter Büro Auer und Weber gemeinsam erarbeitet haben, hat uns alle überzeugt." Wenn dies nicht der Fall gewesen wäre, hätte er das Projekt bereits am Freitag für gescheitert erklärt. Nun allerdings habe die Stadt die Aufgabe, die Kosten für den Straßentunnel unter der Adenauerstraße und die spätere Gestaltung der Oberfläche neu zu berechnen.
"Der Tunnel ist sehr kompliziert"
Schusters Sorge: "Der Tunnel ist, rein technisch betrachtet, sehr kompliziert und aufwendig. Ich hoffe trotzdem, dass wir innerhalb der 70 Millionen Euro bleiben, die Stadt und Land bisher fest vereinbart haben." Sollte sich jedoch in den kommenden Wochen zeigen, dass "diese Summe deutlich überschritten wird, kann ich für das Projekt keine Garantie geben." Sein Ziel sei es, "dem Gemeinderat noch vor den Sommerferien den Baubeschluss vorzulegen, damit er entscheiden kann." Aus zeitlichen Gründen müsse der Straßentunnel unter der Adenauerstraße in diesem Jahr begonnen werden.
Rudolf Köberle (CDU), der Staatssekretär im Innenministerium, ebenfalls Mitglied der Jury, skizzierte die Sicht des Landes: "Auch uns gefällt der Siegerentwurf. Nun muss geprüft werden, was das Projekt kostet, danach sollte rasch entschieden werden." Die Grundlage der gemeinsamen Finanzierung von Stadt und Land liege bei 70 Millionen Euro. Die Gremien des Landes müssten entscheiden, was zu geschehen habe, wenn alles wesentlich teurer werde. Aber, so Köberle, "das Land kann nicht in beliebiger Höhe die Hälfte der Baukosten übernehmen".
Jurypräsident Wolfgang Riehle, der Präsident der Architektenkammer Baden-Württemberg, lobte den preisgekrönten Entwurf der Architektengemeinschaft aus Berlin und Stuttgart: "Das alte Problem der Kulturmeile ist, dass sie seit den sechziger Jahren die Stadt an dieser Stelle trennt. Der Siegerentwurf schafft neue Querverbindungen, die diese Trennung abmildert." Vor dem Kulissenhaus und beim Königin-Katharina-Stift würden Anbauten für die Theater sowie für die John-Cranko-Schule vorgeschlagen. Die Idee, auch den Akademiegarten zu bebauen, sei von der Jury jedoch verworfen worden.
"Zweite Runde war sinnvoll"
Der Baubürgermeister Matthias Hahn (SPD) zeigte sich ebenfalls zufrieden: "Endlich haben wir jetzt Klarheit. Die zweite Runde im Wettbewerb hat sich wirklich gelohnt. Nun müssen wir die Kosten neu ermitteln." Die Bauzeit für den Straßentunnel und die Neuordnung zu ebener Erde werde seiner Schätzung nach vier Jahre betragen.
Namens der CDU-Gemeinderatsfraktion sagte Stadtrat Philipp Hill: "Die hohe Qualität der Arbeiten hat mich positiv überrascht. Die zweite Runde des Wettbewerbs war überaus sinnvoll. Auf dieser Grundlage können wir weitermachen." Über die Kosten werde man zu gegebener Zeit entscheiden. Auch der SPD-Fraktionschef Manfred Kanzleiter lobte das Ergebnis: "Ich freue mich über den Siegerentwurf, er ist eine ganz exzellente Arbeit, die die Ausgangslage für die Neuordnung der Kulturmeile wesentlich verbessert hat." Über die Kosten werde man dann reden, wenn sie neu ermittelt seien. Grünen-Fraktionschef Werner Wölfle indessen blieb bei seinem Nein: "Den Siegerentwurf zieren eine Menge neuer Bäume - aber auf den Plänen war kein einziges Auto zu sehen. Wir meinen, 70Millionen Euro oder womöglich noch mehr wären zu viel dafür, dass man die Autos trotz allem nicht von der Straße wegbekommt." Das Geld wäre in der Schulsanierung sowie für den Abriss der Paulinenbrücke "wesentlich besser angelegt".
Wichtig zu wissen: Die im Siegerentwurf vorgeschlagenen Neubauten am Theater sowie am Königin-Katharina-Stift sind kein Bestandteil der Finanzierungsvereinbarung zwischen Stadt und Land.
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