Cannstatter Krankenhaus

Zum Abschied eine satte Abfindung

Mathias Bury, veröffentlicht am 24.02.2009
Foto: dpa

Stuttgart - Das städtische Klinikum trennt sich von Uwe Jörg Hesse, dem leitenden Chirurgen im Krankenhaus Bad Cannstatt. Es ist von Führungsproblemen die Rede, was Hesse zurückweist. Zum einvernehmlichen Abschied erhält der Mediziner fast eine Million Euro.


  Von Mathias Bury

 
Die Pressemitteilung des städtischen Klinikums fällt denkbar kurz aus: Der Ärztliche Direktor der Klinik für Allgemein- und Visceralchirurgie im Krankenhaus Bad Cannstatt, Uwe Jörg Hesse, der im Herbst 2003 die Nachfolge von Günther Kieninger angetreten hat, werde das Klinikum zum 30. Juni verlassen, um sich neuen Aufgaben zu widmen. Man danke ihm für die geleistete Arbeit und das Engagement für die Patienten.

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Foto: Langen
Auch der Geschäftsführer des Klinikums, Ralf-Michael Schmitz, ist nicht auskunftsfreudiger. "Wir haben uns geeinigt, uns nicht zu äußern", erklärt er knapp. Gerüchte freilich, dass die Klinikleitung mit der Arbeit ihres leitenden Chirurgen in Bad Cannstatt unzufrieden war, gab es in Kreisen des Gemeinderates schon länger, zumal Uwe Hesse bereits im Jahr 2007 die Zuständigkeit für die Unfallchirurgie in dem Krankenhaus entzogen wurde.

Thomas Böhm, der Personalratsvorsitzende im Klinikum, kann über die Sache nur so viel sagen: "Es hat immer wieder Klagen und Kritik von Mitarbeitern an der Personalführung von Professor Hesse gegeben."

Fachliche Qualifikation war kein Problem

Anfang Februar ist es nun zur Vertragsauflösung zwischen dem Klinikum und Hesse gekommen. Es ist im Rat davon die Rede, dass es aufgrund seines Führungsstils "atmosphärische Störungen" in seinem Team gegeben habe, die fachliche Qualifikation des Mediziners sei nicht das Problem gewesen. Und dem Chirurgen sei es nicht gelungen, die niedergelassen Ärzte von seinen Qualitäten zu überzeugen und den Kontakt mit diesen zu pflegen. In der Folge seien die OP-Zahlen merklich zurückgegangen. "Er hatte seinen Laden nicht im Griff", sagt ein Kenner der Verhältnisse in Bad Cannstatt.

Uwe Jörg Hesse weist diese Kritik als unbegründet zurück. Mit den OP-Zahlen habe die Vertragsauflösung nichts zutun, sagt er. "Wir haben eine Vollauslastung im OP", dies gelte auch für die vorhandenen Betten. Natürlich könne man "immer mehr machen", erklärt der Mediziner, aber dafür brauche man Räume und Personal. Angesichts des Mangels an Fachkräften sei dies aber nicht möglich gewesen. Über die Gründe für den Abschied wollte sich der Chirurg nicht genau äußern, er sagte nur so viel: Er und die Leitung des Klinikums hätten "unterschiedliche Auffassungen darüber, wie sich die Klinik entwickeln soll".

Der Auflösungsvertrag hat dem Chirurgen, der vor seiner Tätigkeit in Stuttgart an verschiedenen renommierten Kliniken in Deutschland und den USA arbeitete, aber eine goldene Brücke in die Zukunft gebaut. Hesse erhält nahezu eine Million Euro zum Abschied. Diese setzt sich dem Vernehmen nach zusammen aus ihm noch zustehenden Einkünften, einer branchenüblichen Abfindung und - ein beträchtlicher Posten - aus den berechneten Einnahmen für die Behandlung von Privatpatienten, die dem Mediziner durch die Trennung bis Jahresende entgehen.
 
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