Baden-Baden

"Brüssler Ignoranz" lässt Hoteliers vor Wut schäumen

Meinrad Heck, veröffentlicht am 25.02.2009
Foto: dpa

Baden-Baden - Der deutsch-französische Nato-Gipfel Anfang April findet nicht in Baden-Baden statt - jedenfalls nicht laut offiziellem Gipfellogo aus Brüssel. Deshalb schäumen die Baden-Badener vor Wut. Tatsächlich sorgt die mondäne Kurstadt mit einem Bankett für den ersehnten Glamour.


  Von Meinrad Heck

 
Das Bündnis feiert seinen 60. Geburtstag. Die großen Staatsmänner und -frauen dieser Welt dinieren und nächtigen am 3. April in Baden-Baden, und sie tagen am 4. April in Straßburg. Zuvor werden sie zu Fuß mitgroßer Geste für die Kameras der Weltpresse in Kehl über die Europabrücke von Deutschland nach Frankreich schreiten. Das offizielle Nato-Geburtstagslogo beschreibt einen "Summit Strasbourg-Kehl", und weil Baden-Baden "das Unmögliche möglich macht", aber auf diesem geschichtsträchtigen Dokument nicht erwähnt wird, können die Baden-Badener nur mühsam die Contenance bewahren und sind kurz davor, die Fassung zu verlieren.

Glamour musste plötzlich her

Tatsächlich war der Gipfel, der auf deutscher Seite knapp 50 Millionen Euro kostet und fast 15.000 Polizisten in Atem halten wird, zunächst nur in Kehl und Straßburg geplant. Bis das Bündnis feststellte, dass die Grenzstadt Kehl mit ihrer Europabrücke zwar viel Symbolkraft besitzt, die sich medial inszenieren lässt, ihr Glamourfaktor aber gegen null geht. Aber vor allem Glamour muss sein, wenn Amerikas First Lady etwa auf Präsident Sarkozys Gattin Carla Bruni trifft. Kehl schien dafür nicht gerade der geeignete Ort - also Baden-Baden.

Seit vergangenen Oktober weiß die Kurstadt, dass ihre Hotels ausgebucht und von mächtigen Staatsgästen samt Gefolge und Weltpresse belegt sein werden. Und so haben die Hoteliers und Tourismuschefs am Fuß des Schwarzwalds anderweitig gebuchte Zimmer eilends wieder freigeräumt, sie haben aus Sicherheitsgründen große Musikevents und geplante Museumseröffnungen verschoben, bereits gebuchte Kongresse wieder abgesagt. Nicht dass die Baden-Badener gleich in Ehrfurcht vor den Mächtigen dieser Welt erstarren, dazu hat die Stadt in den letzten Jahrzehnten in schöner Regelmäßigkeit schon zu viele namhafte Könige, Prinzen, Präsidenten oder Scheichs beherbergt. Wenn's sein durfte gerne mit viel Öffentlichkeit, wenn's sein musste auch sehr professionell und diskret.

Droht ein Eklat?

Und jetzt dieser "Fauxpas", mit dem nicht erwähnten Namen auf dem offiziellen Logo. Etwas, das offiziellen Stellen zufolge "nicht mehr änderbar" sein soll. Also hat der Hotel- und Gaststättenverband an die Bundeskanzlerin geschrieben und - bei aller Contenance - doch "sehr nachdrücklich" darum gebeten sowohl "einen drohenden Affront" als auch einen "folgenden Eklat" zu vermeiden. Denn mancher Hotelier überlegt sich allen Ernstes, sein Zimmerkontingent für die Staatsgäste und Gefolge zu stornieren. Frau Bundeskanzlerin wird also vor die Tür gesetzt? Hinter vorgehaltener Hand hätten selbst die besten Hoteliers der Stadt angesichts dieser "Ignoranz" der Brüsseler "gute Lust dazu".

So weit wird es nicht kommen. "Wir werden professionelle Gastgeber sein", sagen sie. Der Hotel- und Gaststättenverband hat seine Mitglieder schon gar nicht zum Boykott aufgerufen. Derlei "kindliche Drohgebärden liegen uns fern", sagt der Vorstandsvorsitzende Hans Schindler. Dennoch kann er "einzelne Rückzieher nicht ausschließen". Der Name Baden-Baden müsse schon wegen der Geschichtsschreibung und der Wahrheit zuliebe ins Logo. Schindler versteht seine vor Wut schäumenden Kollegen. Die Stadt wird zur Festung, wenn US-Präsident Barack Obama&Co. anreisen. Geschäfte werden schließen müssen, in Sicherheitszonen werden sich Bewohner nur in Polizeibegleitung bewegen dürfen - und dann der Ärger mit dem Logo. Manche, sagt Schindler, "haben schlicht und einfach die Schnauze voll".
 

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