Grenzwert überschritten
Bei den Stickoxiden spitzt sich die Lage zu
Wolfgang Schulz-Braunschmidt, veröffentlicht am 27.02.2009
Stuttgart - Trotz Luftreinhalteplans und Umweltzonen liegen die Feinstaub- und Stickoxidwerte in Stuttgart weit über dem gesetzlichen Limit. In acht Monaten dürfte sich die Lage erheblich verschärfen. Denn dann tritt ein viel strengerer EU-Grenzwert für Stickoxide in Kraft.
Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt
Seit einem Jahr sind rote, gelbe und grüne Plaketten in Leonberg, Ludwigsburg, Pleidelsheim und in Stuttgart das Maß aller Dinge. Nur mit buntem Aufkleber an der Windschutzscheibe oder mit der Ausnahmegenehmigung im Handschuhfach darf noch in diese Städte gefahren werden. Am 4. März will Umweltministerin Tanja Gönner verkünden, was die Umweltzone Gutes gebracht hat.
Ulrich Reuter, Leiter der Klimatologie im Stuttgarter Umweltamt, hat sein Urteil schon gefällt. ."Die Lage hat sich nur scheinbar entspannt", sagt er. Im vergangenen Jahr habe der Feinstaubgrenzwert, der höchstens an 35 Tagen im Jahr über 50 Mikrogramm je Kubikmeter Luft liegen dürfe, am Stuttgarter Neckartor an 89 Tagen über dem Limit gelegen. "2008 herrschten oft günstige Winde, die haben die Partikel besser verteilt", erläutert Reuter. Im Jahr 2007 sei die Feinstaubkonzentration am Neckartor an 110, ein Jahr vorher sogar an 175 Tagen zu hoch gewesen.
Problemfall Neckartor
Das Umweltbundesamt (UBA) teilt Reuters Einschätzung. Die geringere Feinstaubbelastung im Jahr 2008 hätten günstige Wetterlagen mit viel Regen bewirkt. "Wir müssen die Belastung weiter senken, um in gesunder Luft leben zu können", verlangt UBA-Präsident Andreas Troge. Stuttgart kommt ganz schlecht weg, weil am Neckartor im Jahr 2008 auch der Jahresgrenzwert für Feinstaub von 40 Mikrogramm je Kubikmeter Luft nicht eingehalten wurde.
Wie rasch sich das Wetter drehen kann, zeigt für Reuter die aktuelle Entwicklung. "Wegen der seit Anfang 2009 vorherrschenden austauscharmen Wetterlage sind die Feinstaub- und Stickoxidwerte am Neckartor und in der Hohenheimer Straße schon jetzt sehr hoch." An beiden Messpunkten war das Feinstaublimit schon am 18. Januar fast zur Hälfte ausgeschöpft. In der Region sind die Werte vergleichbar hoch (siehe Tabelle).
Auch beim Schadstoff Stickstoffdioxid (NO2) spitzt sich die Situation laut Reuter zu. Vom 1. Januar 2010 an gelte ein strengerer Stickoxidgrenzwert. "Dann darf der Einstundengrenzwert von 200 Mikrogramm je Kubikmeter Luft nur 18-mal im Jahr überschritten werden." Heute dürfe der Spitzenwert noch 175 Stunden über dem Limit liegen. Dieses wurde in der Hohenheimer Straße schon am 24. Februar mit 203NO2-Stundenwerten über 200 Mikrogramm überboten. "Die von 2010 an geltende Messlatte wurde direkt nach Neujahr gerissen", so Reuter. Im Luftreinhalteplan gebe es nichts, um diesen bedenklichen Trend aufzuhalten.
Für den Klimatologen ist es höchste Zeit, Schritte gegen die steigende NO2-Belastung zu ergreifen. Immerhin denke das Regierungspräsidium über einen neuen Luftreinhalteplan gegen Stickoxide nach. Reuter sieht auch den Gesetzgeber in der Pflicht, die Plakettenregelung nachzubessern. Heute erhielten alle Benziner mit Kat einen grünen Bäbber, obwohl älteren Autos mehr NO2 ausstießen. "Auch beim Diesel muss mehr gegen den hohen NO2-Ausstoß getan werden."
Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt
Seit einem Jahr sind rote, gelbe und grüne Plaketten in Leonberg, Ludwigsburg, Pleidelsheim und in Stuttgart das Maß aller Dinge. Nur mit buntem Aufkleber an der Windschutzscheibe oder mit der Ausnahmegenehmigung im Handschuhfach darf noch in diese Städte gefahren werden. Am 4. März will Umweltministerin Tanja Gönner verkünden, was die Umweltzone Gutes gebracht hat.
Ulrich Reuter, Leiter der Klimatologie im Stuttgarter Umweltamt, hat sein Urteil schon gefällt. ."Die Lage hat sich nur scheinbar entspannt", sagt er. Im vergangenen Jahr habe der Feinstaubgrenzwert, der höchstens an 35 Tagen im Jahr über 50 Mikrogramm je Kubikmeter Luft liegen dürfe, am Stuttgarter Neckartor an 89 Tagen über dem Limit gelegen. "2008 herrschten oft günstige Winde, die haben die Partikel besser verteilt", erläutert Reuter. Im Jahr 2007 sei die Feinstaubkonzentration am Neckartor an 110, ein Jahr vorher sogar an 175 Tagen zu hoch gewesen.
Problemfall Neckartor
Das Umweltbundesamt (UBA) teilt Reuters Einschätzung. Die geringere Feinstaubbelastung im Jahr 2008 hätten günstige Wetterlagen mit viel Regen bewirkt. "Wir müssen die Belastung weiter senken, um in gesunder Luft leben zu können", verlangt UBA-Präsident Andreas Troge. Stuttgart kommt ganz schlecht weg, weil am Neckartor im Jahr 2008 auch der Jahresgrenzwert für Feinstaub von 40 Mikrogramm je Kubikmeter Luft nicht eingehalten wurde.
Wie rasch sich das Wetter drehen kann, zeigt für Reuter die aktuelle Entwicklung. "Wegen der seit Anfang 2009 vorherrschenden austauscharmen Wetterlage sind die Feinstaub- und Stickoxidwerte am Neckartor und in der Hohenheimer Straße schon jetzt sehr hoch." An beiden Messpunkten war das Feinstaublimit schon am 18. Januar fast zur Hälfte ausgeschöpft. In der Region sind die Werte vergleichbar hoch (siehe Tabelle).
Auch beim Schadstoff Stickstoffdioxid (NO2) spitzt sich die Situation laut Reuter zu. Vom 1. Januar 2010 an gelte ein strengerer Stickoxidgrenzwert. "Dann darf der Einstundengrenzwert von 200 Mikrogramm je Kubikmeter Luft nur 18-mal im Jahr überschritten werden." Heute dürfe der Spitzenwert noch 175 Stunden über dem Limit liegen. Dieses wurde in der Hohenheimer Straße schon am 24. Februar mit 203NO2-Stundenwerten über 200 Mikrogramm überboten. "Die von 2010 an geltende Messlatte wurde direkt nach Neujahr gerissen", so Reuter. Im Luftreinhalteplan gebe es nichts, um diesen bedenklichen Trend aufzuhalten.
Für den Klimatologen ist es höchste Zeit, Schritte gegen die steigende NO2-Belastung zu ergreifen. Immerhin denke das Regierungspräsidium über einen neuen Luftreinhalteplan gegen Stickoxide nach. Reuter sieht auch den Gesetzgeber in der Pflicht, die Plakettenregelung nachzubessern. Heute erhielten alle Benziner mit Kat einen grünen Bäbber, obwohl älteren Autos mehr NO2 ausstießen. "Auch beim Diesel muss mehr gegen den hohen NO2-Ausstoß getan werden."
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