Stuttgarter Zeitung online | Zeitungsgruppe Stuttgart |  Samstag, 11. Februar 2012

Stuttgart & Region


"Soko Stuttgart"

Die Stadt ist sexy - die Ermittler sind es auch

Ariane Holzhausen, veröffentlicht am 02.03.2009
Foto: Honzera

Stuttgart - Erst im Stuttgart-"Tatort" in der ARD und jetzt auch in der ZDF-"Soko": junge Ermittler machen die Stadt sicher. Am Montag wurden das Team und der Drehort im Römerkastell vorgestellt.


  Von Ariane Holzhausen

 
Hoffentlich schnappt die Stadt nicht über - nicht dass wir Stuttgart demnächst in einer Nervenheilanstalt besuchen müssen. Erst vor einem Jahr wurde sie für den neuen "Tatort" mit Richy Müller und Felix Klare zur modernen und hippen Großstadt erklärt, jetzt schwärmt der "Soko Stuttgart"-Produzent Oliver Vogel sogar davon, wie sexy die schwäbische Hauptstadt ist, nämlich "sehr" und dass "die Menschen hier alles können, manche sogar auch Hochdeutsch".

Und Humor muss man hier erst haben! Sonst wären solche Witze langsam nicht mehr zu ertragen. Die Zeiten, in denen die Darstellung der Stadt im Fernsehen massiv wie Eiche rustikal in die Grütze geht, sind doch hoffentlich vorbei. Jedenfalls scheint die sexy City jetzt auch für Fernsehproduzenten vom ZDF so spannend zu sein wie ein Kosmos-Experimentierkasten - und, auch das: der richtige Ort, um junge Zuschauer zu gewinnen.

Die Gerichtsmedizin und ein Hausboot

"Soko", eine der ältesten Fernsehserien, spielt bereits in sechs Großstädten, seit drei Drehtagen ist nun auch Stuttgart an der Reihe. Und wo könnte man eine Krimiserie besser in Szene setzen als im Römerkastell? Wo könnten Kommissare besser Was-wäre-wenn-Fragen stellen als in diesem Gemäuer, das rein hypothetisch auch schon für alles und nichts gut war?

In den Hallen, wo einst die ARD-Jugendserie "Fabrixx" gedreht wurde, steht jetzt ein riesiges Polizeipräsidium. Und die Gerichtsmedizin. Und ein Hausboot. Oliver Vogel behauptet sogar, diese Räume im Römerkastell seien deutschlandweit das größte Studio, das für die Produktion einer Krimiserie zur Verfügung steht.

Ihren Gehirnzellen, Gedankensprüngen und ihrem Spürsinn dürfen hier gleich fünf Hauptdarsteller freien Lauf lassen: die Erste Kriminalhauptkommissarin Martina Seiffert (Astrid M. Fünderich), der Kriminalhauptkommissar Joachim "Jo" Stoll (Peter Ketnath), Kriminalkommissarin Anna Badosi (Nina Gnädig), Kriminalassistent Rico Sander (Benjamin Strecker) und der Kriminaldirektor Michael Kaiser (Karl Kranzkowski). "Wir haben also ein sehr junges Soko-Team hier in Stuttgart und hoffen, damit auch ein junges Publikum anzusprechen", sagt der Produzent.

Nur einer schwäbelt richtig

Ein junges und attraktives Team, das in Stuttgart Kriminalfälle lösen will, muss sich natürlich die obligatorischen Fragen stellen lassen: Wird geschwäbelt? Was kommt vor? Die Kehrwoche? Das Reihenhäusle? "Die Hauptrollen schwäbeln nicht, wir essen ja auch nicht andauernd Maultaschen", sagt der ehemalige Filmakademie-Absolvent Vogel. Da auch Hamburger Zuschauer noch etwas verstehen sollen, wird nur der Leiter der Asservatenkammer, eine Nebenrolle in der Krimiserie, richtig "schwäbeln". Ansonsten gebe es "Stuttgart komplett". Wie das aussehen könnte? Vielleicht wie das Stuttgart-Bild im "Tatort", wo das junge attraktive Team um Richy Müller herumermittelt?

Solche Vergleiche hinken freilich. "Der ,Tatort' ist ein Neunzigminüter, unsere Folgen sind 45 Minuten lang. Da kann man nicht so eine breite Palette an Figuren aufzeigen und auch nicht so in die Tiefe gehen - leider", sagt Klaus Bassiner, der im ZDF den Bereich Reihen und Serien am Vorabend leitet. Außerdem werde bei der "Soko" mehr am Schreibtisch ermittelt, ergänzt Vogel.

Mehr als dass es - welch Überraschung - ein Mordfall sein wird, den die taufrische Sonderkommission Stuttgart im ersten Fall aufklären wird, kann noch nicht verraten werden. Fest steht nur, dass jetzt zunächst zwanzig Folgen von der Bavaria Fernsehproduktion GmbH produziert werden. Neunzig Prozent des Stabes seien aus Stuttgart und der Umgebung, betonten die Verantwortlichen, und Bassiner hob die Zusammenarbeit mit der Filmakademie Ludwigsburg hervor: Die Mitglieder eines Masterseminars würden einige der Drehbücher der Serie verfassen, und auch die Mitarbeit am Set solle ihnen ermöglicht werden. "Ziel ist es, den Absolventen die Chance zu geben, dort zu arbeiten, wo sie auch ausgebildet wurden", sagt Klaus Bassiner.

Das zumindest klingt gut. Die Aussage allerdings, dass nur der Asservatenkammerleiter richtig schwäbeln wird, muss bei der Ausstrahlung überprüft werden. Denn Michael Gaedt von der Kleinen Tierschau wird Karl-Heinz Schrottmann, genannt "Schrotti" spielen, der Schnitzel für acht Euro anbietet. Auf Hochdeutsch macht er das sicher nicht.

Die erste Folge der "Soko Stuttgart" soll im Herbst ausgestrahlt werden.
 
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