Winnenden - Wie konnte es zu diesem Amoklauf kommen? Nachbarn und ehemalige Mitschüler von Tim K. sind fassungslos. Ein ehemaliger Freund des Amokläufers erzählt, dass Tim K. in den vergangenen Jahren "immer komischer" geworden sei. Das habe auch mit den Softair-Pistolen zu tun gehabt und mit den Horrorvideos, die er immer mit ihm habe schauen wollen.
Wenn es eine Hölle gibt, dann ist Tatjana Hahn ihr an diesem Morgen sehr nahe. Tatjana ist 18, sie besucht die zwölfte Klasse des Lessing-Gymnasiums, das gleich neben der Albertvilleschule in Winnenden liegt. In der dritten Stunde hatte sie frei, und da kam plötzlich diese SMS auf ihrem Handy an. "Amoklauf in der Albertvilleschule". Tatjana dachte sofort an ihre Schwester Jaqueline, die ist 15. Sie geht in die 10d der Albertvilleschule. Blankes Entsetzen. Absoluter Ausnahmezustand. Tatjana zittert wie Espenlaub.
Der Weg des Amokläufers 
Jetzt ist es kurz nach zwölf, und Tatjana steht vor der Talauenhalle in Winnenden-Birkmannsweiler, dort sammeln sich Schüler und Eltern. Tatjana entdeckt dort ein Mädchen, das mit Jaqueline in eine Klasse geht. Plötzlich sieht sie ihre Mutter und rennt ihr entgegen. "Mama, Mama, sie lebt!" Die Klassenkameradin hat Jacqueline gesehen. Tatjanas Schwester lebt. Zwei Kinder aus Jacquelines Klasse aber seien im Kugelhagel gestorben, hat das Mädchen gesagt.
Noch kein Lebenszeichen vom Sohn Es herrscht das pure Entsetzen auf dem Platz vor der Halle. Überall ist Polizei, Feuerwehr, Rettungskräfte und Notfallseelsorger kümmern sich um die Wartenden. Und überall sind Eltern, die zu diesem Zeitpunkt nicht wissen, ob ihre Kinder noch leben. Eine Frau und ein Mann halten sich an den Händen. Beide weinen. Sie bangen um ihren Sohn, von dem es noch kein Lebenszeichen gibt.
Elisabeth Beyer hat ihren Sohn wieder. Er heißt Patrick, und er ist davongekommen. Auch seine Schwester soll überlebt haben. Das hat Elisabeth Beyer gerade erfahren. Die Familie wohnt direkt gegenüber der Albertville-Realschule. Die Mutter hatte sich am Morgen noch gewundert, dass ein Hubschrauber über der Stadt kreist und sich gedacht: "Da hat es einen Banküberfall gegeben." Dann hat sie völlig unerwartet einen Anruf von ihrem Sohn bekommen. "Ich lebe", hat er zu seiner Mutter gesagt. Und es sei sein Glück gewesen, dass er gerade im Computerraum gewesen sei, als der Amokläufer offenbar im Stockwerk über ihm unterwegs war.
Andere Kinder, andere Eltern sind noch völlig verunsichert. Heidi Tobiszobskis Tochter Lisa, 12 Jahre alt und Fünftklässlerin, hat sich noch nicht gemeldet. Die Mutter schwebt zwischen Hoffen und Bangen. Ein Mitschüler habe sie gesehen, heißt es hier in diesem allgemeinen Chaos. Die Mutter klammert sich an diese Botschaft und wartet.