Exschüler der Albertville-Realschule
Unverschuldet im Visier der Polizei
Michael Ohnewald, veröffentlicht am 17.03.2009
Winnenden - Die Polizei hatte nach dem Amoklauf nicht nur Tim K. im Visier. Was die Ermittler bisher für sich behalten haben: Kurz nach dem Massaker wurde ein junger Mann aus Winnenden verhaftet. Man hielt ihn irrtümlich für den Täter.
Von Michael Ohnewald
Was geht in einem jungen Menschen vor, der Amok läuft? Diese Frage treibt die Republik in diesen Tagen um. Frederik S. aus Winnenden weiß zumindest, was in einem jungen Menschen vorgeht, der irrtümlich für einen Amokläufer gehalten wird. "Das ist wie in einem schlechten Film", sagt er.
Frederik S. ist am Morgen des Amoklaufs zu Hause. Er spannt gerade ein bisschen aus, in drei Monaten beginnt sein Zivildienst. 2006 hat Frederik S. an der Albertville-Realschule seinen Abschluss und danach die Fachhochschulreife gemacht.
Schwarze Jogginghose, olivgrüne Jacke
Gegen 10 Uhr ruft an jenem Tag sein Vater an. "Da ist ein Amoklauf in deiner alten Schule!" Frederik S. springt auf. "Ich wollte sehen, was da los ist", sagt er. Wenige Minuten später steht der 18-jährige Bursche an der Wolfgang-Böhringer Straße, einige hundert Meter vom Schauplatz des Massakers entfernt. Wie viele andere Winnender auch. Er trägt eine schwarze Jogginghose, eine olivgrüne Jacke und schwarze Schuhe.
Plötzlich greifen Sicherheitskräfte zu. "Sie drehten mir die Arme auf den Rücken, legten mir Handschellen an und sagten, sie würden mich mitnehmen, weil ich tatverdächtig sei", erzählt Frederik. Sofort wird er in einen Polizeiwagen gezerrt, der losrast. Er ist total verdutzt. Auch deshalb, weil ihn die Sicherheitskräfte während der Fahrt nach dem Weg zum örtlichen Polizeiposten fragen. "Die waren wohl ortsunkundig."
Im Winnender Revier kommt der Verhaftete laut Polizeiprotokoll um 11 Uhr an. Die Beamten führen ihn in einen Vernehmungsraum. "Haben Sie Schusswaffen zu Hause?", wird er gefragt und auch, ob jemand aus der Familie im Schützenverein sei. "Als ich verneinte, sagten sie, ich würde lügen." Das Gespräch endet nach zwanzig Minuten mit der Frage: "Sind Sie mit einer Hausdurchsuchung einverstanden?" Er stimmt zu.
Um 12 Uhr wird die Durchsuchung abgebrochen
Danach fahren die Polizisten mit dem Tatverdächtigen zum Haus seiner Familie. Die Mutter, gerade vom Sport zurück gekehrt, traut ihren Augen nicht. Frederiks Zimmer wird von den Beamten durchsucht. Sie schauen unter dem Bett, ziehen Schubladen auf, durchwühlen seinen Schrank. "Als sie eine Softair-Pistole und einen Spielzeugrevolver fanden, die ich vor vielen Jahren bekommen hatte, sagten die Polizisten: "Sie haben bestimmt mehr Waffen, wir finden sie ganz sicher!", erzählt Frederik S. Plötzlich, gegen 12 Uhr, die Durchsuchung ist noch im Gange, erhalten die Polizisten einen Funkspruch. Sie brechen die Aktion ab: ",Wir haben den Täter"', sagen die Ermittler und verlassen das Haus. "Ohne Entschuldigung."
Frederik S. steht noch Minuten danach unter Schock. Im Rückblick zeigt er dennoch Verständnis für das Vorgehen der Polizei. "Es ging darum, möglichst schnell den Täter zu finden. Lieber schaut man einmal zu viel."
Die Polizeidirektion Waiblingen bestätigt den Sachverhalt, der bisher nicht kommuniziert worden ist. Bei den Beamten, die Frederik S. festgenommen hätten, habe es sich um eine Streife der Hundeführer gehandelt.
Frederik S. ist wie viele Winnender bestürzt über das Geschehene. Was seine Verhaftung betrifft, hegt er keinen Groll gegen die Polizisten, die ihn für den Amokläufer gehalten hatten. "Ich bin ihnen nicht böse."
Von Michael Ohnewald
Was geht in einem jungen Menschen vor, der Amok läuft? Diese Frage treibt die Republik in diesen Tagen um. Frederik S. aus Winnenden weiß zumindest, was in einem jungen Menschen vorgeht, der irrtümlich für einen Amokläufer gehalten wird. "Das ist wie in einem schlechten Film", sagt er.
Frederik S. ist am Morgen des Amoklaufs zu Hause. Er spannt gerade ein bisschen aus, in drei Monaten beginnt sein Zivildienst. 2006 hat Frederik S. an der Albertville-Realschule seinen Abschluss und danach die Fachhochschulreife gemacht.
Schwarze Jogginghose, olivgrüne Jacke
Gegen 10 Uhr ruft an jenem Tag sein Vater an. "Da ist ein Amoklauf in deiner alten Schule!" Frederik S. springt auf. "Ich wollte sehen, was da los ist", sagt er. Wenige Minuten später steht der 18-jährige Bursche an der Wolfgang-Böhringer Straße, einige hundert Meter vom Schauplatz des Massakers entfernt. Wie viele andere Winnender auch. Er trägt eine schwarze Jogginghose, eine olivgrüne Jacke und schwarze Schuhe.
Plötzlich greifen Sicherheitskräfte zu. "Sie drehten mir die Arme auf den Rücken, legten mir Handschellen an und sagten, sie würden mich mitnehmen, weil ich tatverdächtig sei", erzählt Frederik. Sofort wird er in einen Polizeiwagen gezerrt, der losrast. Er ist total verdutzt. Auch deshalb, weil ihn die Sicherheitskräfte während der Fahrt nach dem Weg zum örtlichen Polizeiposten fragen. "Die waren wohl ortsunkundig."
Im Winnender Revier kommt der Verhaftete laut Polizeiprotokoll um 11 Uhr an. Die Beamten führen ihn in einen Vernehmungsraum. "Haben Sie Schusswaffen zu Hause?", wird er gefragt und auch, ob jemand aus der Familie im Schützenverein sei. "Als ich verneinte, sagten sie, ich würde lügen." Das Gespräch endet nach zwanzig Minuten mit der Frage: "Sind Sie mit einer Hausdurchsuchung einverstanden?" Er stimmt zu.
Um 12 Uhr wird die Durchsuchung abgebrochen
Danach fahren die Polizisten mit dem Tatverdächtigen zum Haus seiner Familie. Die Mutter, gerade vom Sport zurück gekehrt, traut ihren Augen nicht. Frederiks Zimmer wird von den Beamten durchsucht. Sie schauen unter dem Bett, ziehen Schubladen auf, durchwühlen seinen Schrank. "Als sie eine Softair-Pistole und einen Spielzeugrevolver fanden, die ich vor vielen Jahren bekommen hatte, sagten die Polizisten: "Sie haben bestimmt mehr Waffen, wir finden sie ganz sicher!", erzählt Frederik S. Plötzlich, gegen 12 Uhr, die Durchsuchung ist noch im Gange, erhalten die Polizisten einen Funkspruch. Sie brechen die Aktion ab: ",Wir haben den Täter"', sagen die Ermittler und verlassen das Haus. "Ohne Entschuldigung."
Frederik S. steht noch Minuten danach unter Schock. Im Rückblick zeigt er dennoch Verständnis für das Vorgehen der Polizei. "Es ging darum, möglichst schnell den Täter zu finden. Lieber schaut man einmal zu viel."
Die Polizeidirektion Waiblingen bestätigt den Sachverhalt, der bisher nicht kommuniziert worden ist. Bei den Beamten, die Frederik S. festgenommen hätten, habe es sich um eine Streife der Hundeführer gehandelt.
Frederik S. ist wie viele Winnender bestürzt über das Geschehene. Was seine Verhaftung betrifft, hegt er keinen Groll gegen die Polizisten, die ihn für den Amokläufer gehalten hatten. "Ich bin ihnen nicht böse."
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