Verkaufsrekorde bei Opelhändlern
Die Autos gehen weg wie warme Weckle
Miriam Hesse, veröffentlicht am 24.03.2009
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Bietigheim-Bissingen - Noch nie hat man beim Autohaus Weller in Bietigheim so schnell so viel verkauft wie momentan. Und noch nie hat der drittgrößte Opelhändler in Baden-Württemberg gleichzeitig so sehr um die Zukunft der eigenen Marke bangen müssen.
Von Miriam Hesse
Nein, das ist kein Witz auf Rädern. Ausgerechnet das Lösungswort für die momentane Absatzkrise hört man beim großen Opelhändler Weller in Bietigheim nur ungern. "Von der Abwrackprämie reden wir eigentlich nicht", sagt Daniela Weber. Da würden die meisten Kunden erfahrungsgemäß zusammenzucken. Sich das über Jahre lieb gewonnene Gefährt als unbrauchbar gewordenes Blechgerippe vorstellen zu müssen, überfordere viele. Manche machten sogar Fotos von der letzten Fahrt zum Schrottplatz. Betriebspolitisch korrekt spreche man deshalb auf Anweisung der Chefs von der Umweltprämie, sagt die 28-jährige Autohändlerin mit einem freundlichen Lächeln. Sie hat ihr dunkles Anzugjackett über die Schulter gehängt und atmet vor der Tür kurz durch. Ein paar Minuten Pause.
Frühlingsfest im Autohaus
Es ist ein Samstagnachmittag im März und Frühlingsfest im Autohaus. Der Wind ist noch rau, aber die Sonnenstrahlen wärmen. Ein großes, buntes und aufgeblasenes Stehaufmännchen ist draußen neben dem Opel-Logo befestigt. Abwechselnd hebt es sich mit einer kräftigen Brise und gerät in der anschließenden Flaute wieder in Schieflage.
Rein, raus, und wieder rein ins nächste Modell: Der Rentner Josef Roßkopf und seine Frau Ida probieren im Schauraum diverse Wagen aus, fühlen sich aber eigentlich "zum Umsteigen zu alt". Außerdem tue es ihr Golf noch, der 16 Jahre auf dem Buckel hat. Doch der Sohn, der als Entwickler bei Porsche arbeitet, hat ihnen zum Autokauf geraten. So gute Konditionen gebe es vielleicht nie wieder. Der frühere Maschinenbauer guckt skeptisch auf das Kennzeichen "NEU". Die Frage nach den Opel-Ersatzteilen sei für ihn geklärt: "Mein Sohn hat gesagt, wenn die Pleite machen, wird jemand anderer die herstellen." Trotzdem ist der Volkswagen Roßkopfs Favorit, nicht Opel: "Obwohl man hier vielleicht noch mehr feilschen könnte."
Ständig schlagen die Türen
Ständig schlagen Türen. Auf einem Podest ist ein Beratungsgespräch im Gange. "Wo sind die Reserviert-Schilder?", ruft einer. Daniela Weber eilt mit Papierkram in den Händen durch die Halle. Hans Wellers Sprösslinge rennen zwischen Spielplatz und Schauraum hin und her. Mit aufgemalten Tigerfratzen zeigen die beiden Buben ihr breitestes Grinsen. Der Papa streicht ihnen gut gelaunt über die Haare. Der bodenständige Unternehmer wirkt, als wolle er jeden Moment zu einem Luftsprung abheben, schwärmt von "himmlischen Zeiten".
320 neue Opel, 180 bis zu einem Jahr alte Jahreswagen und 85 koreanische Hyundai haben die Bietigheimer im Februar verkauft. Das sind rund 24 Stück pro Tag. Das Dreifache von dem, was bisher üblich war. Das passt zum Landestrend. Nach den Rückläufen im Januar verzeichnet der Verband des Kraftfahrzeuggewerbes für ganz Baden-Württemberg im Februar erhebliche Absatzsteigerungen. Um 12,8 Prozent war die Zahl der Neuzulassungen im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat zurückgegangen, im Februar lag sie bei plus 22,9 Prozent.
Geschwind kritzelt Hans Weller ein paar bauchige Zahlen und einige forsche Striche auf einen Zettel. 17.490 Euro für einen frisch produzierten Astra minus 2500 Euro Abwrackprämie minus 2500 Euro Nachlass vom Werk minus 1190 Euro Nachlass vom eigenen Betrieb macht 35 Prozent Ersparnis - für den Fall, dass der alte Wagen wirklich nichts mehr wert war. "Wie warme Weckle" würden die Wagen derzeit weggehen, sagt Weller. Die Ausstattung sei zweitrangig, die Farbe egal: "Hauptsache, man kriegt noch einen."
Überstunden werden irgendwann später abgebaut
Die Kunden hätten es plötzlich eilig. So eilig, dass Weller selbst öfter auf die Uhr schaut. In sieben Minuten hat einer seiner Händler vor wenigen Tagen einen Neuwagen an eine Familie gebracht. Das sei, um das Kind beim Namen des großen Opelverkaufsschlagers der sechziger Jahre zu nennen: "Rekord". Ein Wort, das Weller in letzter Zeit häufiger benutzt. "Ich bin jetzt 46", sagt er, "aber so etwas habe ich noch nie erlebt."
Entspannende Mittagspausen haben Hans Weller, sein Bruder Jürgen als zweiter Geschäftsführer und die 14 Verkäufer seit Januar nicht mehr gemacht. An Elf-Stunden-Tagen arbeitet die Belegschaft von halb acht Uhr morgens durch, Überstunden werden irgendwann später abgebaut. Die zum Ausgleich üblichen langen Wochenenden sind vorübergehend gestrichen. "Ausruhen können wir uns alle im Sommerloch", lautet die Devise. Jetzt machen sie erstmal das Geschäft ihres Lebens. "Krise?", sagt die Autoverkäuferin Daniela Weber mit ironischem Unterton, zieht fragend die Augenbrauen nach oben und wendet suchend den Blick über die Schulter: "Wo denn? Bei uns nicht."
Wie man's nimmt. In den USA sind 2008 so wenig Autos verkauft worden wie zuletzt vor 15 Jahren. Das ist der größte Rückgang seit der Ölkrise 1974. Die Branche rechnet mit einer weiteren Verschlechterung. Die Talfahrt hat vor allem auch General Motors runtergezogen. Der Opel-Mutterkonzern setzte im vergangenen Jahr so wenig Autos ab wie zuletzt vor 50 Jahren und hängt nun in seiner Not am Tropf der US-amerikanischen Regierung. Künstlich ernährt werden seit Jahresbeginn auch die hiesigen Hersteller. Statt direkter Subventionen gibt es in Deutschland seit Ende Januar 1,5 Milliarden Euro Ankurbelabwrackprämie für die gesamte Branche.
Der Corsa gehört zu den Prämiengewinnern
Davon profitiert Opel nicht zu knapp. Laut dem Kraftfahrtbundesamt sind vor allem günstige Kleinwagen der Renner. Der aktuelle Corsa zählt zu den fünf erfolgreichsten Prämiengewinnern. Zugleich steht der Corsa B an der Spitze der am häufigsten abgewrackten Autos. Das sei nun wiederum ein "eher trauriger Rekord", immerhin habe "die alte Knutschkugel", die in den Neunzigern über Jahre Marktführer unter den Kleinwagen war, lang überlebt, sagt Hans Weller.
Sein Vater Erich beachtet die Bestenliste auf dem Zeitschriftentitel neben seinem Schreibtisch nicht. Der Seniorchef spielt emsig an einem Autoschlüssel, geht ans Mobiltelefon, wirft einen Blick auf das Treiben außerhalb der gläsernen Verkaufsbürobox. 78 Jahre ist er alt. Im Jahr 1922 gründete sein Vater den Betrieb als Reparaturwerkstatt für Fahrräder, Kinderwagen, Motorräder und Schreibmaschinen. 1936 wurde der Laden zum Opel-Vertragspartner. Der Vater sei sich damals sicher gewesen, dass der Motor von General Motors nie ins Stottern geraten würde. "Das ist die größte Fabrik der Welt", habe er immer gesagt, "da kann uns am wenigsten passieren."
Heute weiß Erich Weller, dass auch diese Welt einstürzen kann. Er macht sich Sorgen um die insgesamt 130 Mitarbeiter der Bietigheimer Firma, um die Arbeitsplätze der Verkäufer, der Angestellten in der Technik, in der betriebseigenen Tankstelle, im Mietwagenbereich, in der Lackiererei, in der Karosserieabteilung. Zugleich sieht der Unternehmer im Ruhestand den momentanen Mega-Umsatz, staunt über die Schlagzahl, weiß nicht, wohin das alles führen wird, was er davon halten soll. "Vor wenigen Monaten hat uns unser enormer Lagerbestand noch gedrückt, jetzt müssen wir schon nachbestellen."
Immerhin käme durch die Hilfe vom Staat das Geschäft jetzt wieder ins Rollen. "Einem komplett still gestandenen Rad einen Schubs zu geben", wäre aus seiner Sicht noch viel schwieriger gewesen. In die Zuversicht mischen sich bei Erich Weller aber auch die Erfahrungen eines langen Geschäftslebens. Er befürchtet, "dass der richtig große Crash noch kommt".
Im Untergeschoss umringt eine Familie aus Ludwigsburg einen Händler. Die Eltern der 28-jährigen Manolya Canzoniero und ihr Ehemann Francesco lassen sich beraten. Zuvor haben sie dutzende Autohäuser abgeklappert. In Zeiten der Autokrise, haben sie geglaubt, würde ihnen dort als Kunden der rote Teppich ausgerollt. Mitnichten, sagen die Canzonieros. "Drei Interessenten habe ich an dem Wagen, einer wird ihn kaufen", habe zum Beispiel ein Peugeot-Verkäufer arrogant gesagt. Die Canzonieros waren es nicht.
100 Corsa sind vorbestellt
In Bietigheim sind sie dagegen fündig geworden und haben als Geschenk für Manolyas Bruder einen Kleinwagen bestellt: serienmäßig weiß, sportlich geschnitten, in der Standardversion für 9000 Euro minus Schrottprämie. Der Hyundaibekam den Zuschlag. Opel war den Canzonieros dann doch noch zu teuer.
Rund 100 Corsa sind bei Weller derzeit vorbestellt. Bis zu acht werden täglich angeliefert und kurz darauf von einem Kunden abtransportiert. Beim Produktionswerk in Rüsselsheim fahren die Mitarbeiter Sonderschichten. Wie die Hochstimmung der Verkaufsrekorde zum Konzerntief passt? "Ich verdränge solche negativen Gedanken", sagt Daniela Weber. Mit Beteiligungen wollen alle Opel-Vertragspartner zur Rettung ihrer Marke beitragen. Außerdem hoffen sie auf einen Investor mit neuem Sanierungsplan. Hans Weller hat wieder mal die passende Sprachregelung gefunden. "Wir sind optimistisch, dass es irgendwie weitergehen wird", lautet der Standardsatz beim Bietigheimer Opelhaus. "Das wollen die Kunden hören", sagt der Chef. "Und das bekommen sie auch zu hören."
Von Miriam Hesse
Nein, das ist kein Witz auf Rädern. Ausgerechnet das Lösungswort für die momentane Absatzkrise hört man beim großen Opelhändler Weller in Bietigheim nur ungern. "Von der Abwrackprämie reden wir eigentlich nicht", sagt Daniela Weber. Da würden die meisten Kunden erfahrungsgemäß zusammenzucken. Sich das über Jahre lieb gewonnene Gefährt als unbrauchbar gewordenes Blechgerippe vorstellen zu müssen, überfordere viele. Manche machten sogar Fotos von der letzten Fahrt zum Schrottplatz. Betriebspolitisch korrekt spreche man deshalb auf Anweisung der Chefs von der Umweltprämie, sagt die 28-jährige Autohändlerin mit einem freundlichen Lächeln. Sie hat ihr dunkles Anzugjackett über die Schulter gehängt und atmet vor der Tür kurz durch. Ein paar Minuten Pause.
Frühlingsfest im Autohaus
Es ist ein Samstagnachmittag im März und Frühlingsfest im Autohaus. Der Wind ist noch rau, aber die Sonnenstrahlen wärmen. Ein großes, buntes und aufgeblasenes Stehaufmännchen ist draußen neben dem Opel-Logo befestigt. Abwechselnd hebt es sich mit einer kräftigen Brise und gerät in der anschließenden Flaute wieder in Schieflage.
Rein, raus, und wieder rein ins nächste Modell: Der Rentner Josef Roßkopf und seine Frau Ida probieren im Schauraum diverse Wagen aus, fühlen sich aber eigentlich "zum Umsteigen zu alt". Außerdem tue es ihr Golf noch, der 16 Jahre auf dem Buckel hat. Doch der Sohn, der als Entwickler bei Porsche arbeitet, hat ihnen zum Autokauf geraten. So gute Konditionen gebe es vielleicht nie wieder. Der frühere Maschinenbauer guckt skeptisch auf das Kennzeichen "NEU". Die Frage nach den Opel-Ersatzteilen sei für ihn geklärt: "Mein Sohn hat gesagt, wenn die Pleite machen, wird jemand anderer die herstellen." Trotzdem ist der Volkswagen Roßkopfs Favorit, nicht Opel: "Obwohl man hier vielleicht noch mehr feilschen könnte."
Ständig schlagen die Türen
Ständig schlagen Türen. Auf einem Podest ist ein Beratungsgespräch im Gange. "Wo sind die Reserviert-Schilder?", ruft einer. Daniela Weber eilt mit Papierkram in den Händen durch die Halle. Hans Wellers Sprösslinge rennen zwischen Spielplatz und Schauraum hin und her. Mit aufgemalten Tigerfratzen zeigen die beiden Buben ihr breitestes Grinsen. Der Papa streicht ihnen gut gelaunt über die Haare. Der bodenständige Unternehmer wirkt, als wolle er jeden Moment zu einem Luftsprung abheben, schwärmt von "himmlischen Zeiten".
320 neue Opel, 180 bis zu einem Jahr alte Jahreswagen und 85 koreanische Hyundai haben die Bietigheimer im Februar verkauft. Das sind rund 24 Stück pro Tag. Das Dreifache von dem, was bisher üblich war. Das passt zum Landestrend. Nach den Rückläufen im Januar verzeichnet der Verband des Kraftfahrzeuggewerbes für ganz Baden-Württemberg im Februar erhebliche Absatzsteigerungen. Um 12,8 Prozent war die Zahl der Neuzulassungen im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat zurückgegangen, im Februar lag sie bei plus 22,9 Prozent.
Geschwind kritzelt Hans Weller ein paar bauchige Zahlen und einige forsche Striche auf einen Zettel. 17.490 Euro für einen frisch produzierten Astra minus 2500 Euro Abwrackprämie minus 2500 Euro Nachlass vom Werk minus 1190 Euro Nachlass vom eigenen Betrieb macht 35 Prozent Ersparnis - für den Fall, dass der alte Wagen wirklich nichts mehr wert war. "Wie warme Weckle" würden die Wagen derzeit weggehen, sagt Weller. Die Ausstattung sei zweitrangig, die Farbe egal: "Hauptsache, man kriegt noch einen."
Überstunden werden irgendwann später abgebaut
Die Kunden hätten es plötzlich eilig. So eilig, dass Weller selbst öfter auf die Uhr schaut. In sieben Minuten hat einer seiner Händler vor wenigen Tagen einen Neuwagen an eine Familie gebracht. Das sei, um das Kind beim Namen des großen Opelverkaufsschlagers der sechziger Jahre zu nennen: "Rekord". Ein Wort, das Weller in letzter Zeit häufiger benutzt. "Ich bin jetzt 46", sagt er, "aber so etwas habe ich noch nie erlebt."
Entspannende Mittagspausen haben Hans Weller, sein Bruder Jürgen als zweiter Geschäftsführer und die 14 Verkäufer seit Januar nicht mehr gemacht. An Elf-Stunden-Tagen arbeitet die Belegschaft von halb acht Uhr morgens durch, Überstunden werden irgendwann später abgebaut. Die zum Ausgleich üblichen langen Wochenenden sind vorübergehend gestrichen. "Ausruhen können wir uns alle im Sommerloch", lautet die Devise. Jetzt machen sie erstmal das Geschäft ihres Lebens. "Krise?", sagt die Autoverkäuferin Daniela Weber mit ironischem Unterton, zieht fragend die Augenbrauen nach oben und wendet suchend den Blick über die Schulter: "Wo denn? Bei uns nicht."
Wie man's nimmt. In den USA sind 2008 so wenig Autos verkauft worden wie zuletzt vor 15 Jahren. Das ist der größte Rückgang seit der Ölkrise 1974. Die Branche rechnet mit einer weiteren Verschlechterung. Die Talfahrt hat vor allem auch General Motors runtergezogen. Der Opel-Mutterkonzern setzte im vergangenen Jahr so wenig Autos ab wie zuletzt vor 50 Jahren und hängt nun in seiner Not am Tropf der US-amerikanischen Regierung. Künstlich ernährt werden seit Jahresbeginn auch die hiesigen Hersteller. Statt direkter Subventionen gibt es in Deutschland seit Ende Januar 1,5 Milliarden Euro Ankurbelabwrackprämie für die gesamte Branche.
Der Corsa gehört zu den Prämiengewinnern
Davon profitiert Opel nicht zu knapp. Laut dem Kraftfahrtbundesamt sind vor allem günstige Kleinwagen der Renner. Der aktuelle Corsa zählt zu den fünf erfolgreichsten Prämiengewinnern. Zugleich steht der Corsa B an der Spitze der am häufigsten abgewrackten Autos. Das sei nun wiederum ein "eher trauriger Rekord", immerhin habe "die alte Knutschkugel", die in den Neunzigern über Jahre Marktführer unter den Kleinwagen war, lang überlebt, sagt Hans Weller.
Sein Vater Erich beachtet die Bestenliste auf dem Zeitschriftentitel neben seinem Schreibtisch nicht. Der Seniorchef spielt emsig an einem Autoschlüssel, geht ans Mobiltelefon, wirft einen Blick auf das Treiben außerhalb der gläsernen Verkaufsbürobox. 78 Jahre ist er alt. Im Jahr 1922 gründete sein Vater den Betrieb als Reparaturwerkstatt für Fahrräder, Kinderwagen, Motorräder und Schreibmaschinen. 1936 wurde der Laden zum Opel-Vertragspartner. Der Vater sei sich damals sicher gewesen, dass der Motor von General Motors nie ins Stottern geraten würde. "Das ist die größte Fabrik der Welt", habe er immer gesagt, "da kann uns am wenigsten passieren."
Heute weiß Erich Weller, dass auch diese Welt einstürzen kann. Er macht sich Sorgen um die insgesamt 130 Mitarbeiter der Bietigheimer Firma, um die Arbeitsplätze der Verkäufer, der Angestellten in der Technik, in der betriebseigenen Tankstelle, im Mietwagenbereich, in der Lackiererei, in der Karosserieabteilung. Zugleich sieht der Unternehmer im Ruhestand den momentanen Mega-Umsatz, staunt über die Schlagzahl, weiß nicht, wohin das alles führen wird, was er davon halten soll. "Vor wenigen Monaten hat uns unser enormer Lagerbestand noch gedrückt, jetzt müssen wir schon nachbestellen."
Immerhin käme durch die Hilfe vom Staat das Geschäft jetzt wieder ins Rollen. "Einem komplett still gestandenen Rad einen Schubs zu geben", wäre aus seiner Sicht noch viel schwieriger gewesen. In die Zuversicht mischen sich bei Erich Weller aber auch die Erfahrungen eines langen Geschäftslebens. Er befürchtet, "dass der richtig große Crash noch kommt".
Im Untergeschoss umringt eine Familie aus Ludwigsburg einen Händler. Die Eltern der 28-jährigen Manolya Canzoniero und ihr Ehemann Francesco lassen sich beraten. Zuvor haben sie dutzende Autohäuser abgeklappert. In Zeiten der Autokrise, haben sie geglaubt, würde ihnen dort als Kunden der rote Teppich ausgerollt. Mitnichten, sagen die Canzonieros. "Drei Interessenten habe ich an dem Wagen, einer wird ihn kaufen", habe zum Beispiel ein Peugeot-Verkäufer arrogant gesagt. Die Canzonieros waren es nicht.
100 Corsa sind vorbestellt
In Bietigheim sind sie dagegen fündig geworden und haben als Geschenk für Manolyas Bruder einen Kleinwagen bestellt: serienmäßig weiß, sportlich geschnitten, in der Standardversion für 9000 Euro minus Schrottprämie. Der Hyundaibekam den Zuschlag. Opel war den Canzonieros dann doch noch zu teuer.
Rund 100 Corsa sind bei Weller derzeit vorbestellt. Bis zu acht werden täglich angeliefert und kurz darauf von einem Kunden abtransportiert. Beim Produktionswerk in Rüsselsheim fahren die Mitarbeiter Sonderschichten. Wie die Hochstimmung der Verkaufsrekorde zum Konzerntief passt? "Ich verdränge solche negativen Gedanken", sagt Daniela Weber. Mit Beteiligungen wollen alle Opel-Vertragspartner zur Rettung ihrer Marke beitragen. Außerdem hoffen sie auf einen Investor mit neuem Sanierungsplan. Hans Weller hat wieder mal die passende Sprachregelung gefunden. "Wir sind optimistisch, dass es irgendwie weitergehen wird", lautet der Standardsatz beim Bietigheimer Opelhaus. "Das wollen die Kunden hören", sagt der Chef. "Und das bekommen sie auch zu hören."
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