Marketing

Vernetztes Wasser

Peter Glaser, veröffentlicht am 01.04.2009

Wer glaubt, dass Wasser bloß durchsichtig, klar und billig ist, sollte sich mal im Netz umsehen. Er wird staunen, wie sich Virtualität verflüssigen lässt.


  Von Peter Glaser

 
Es heißt Fred. Fred ist in Flaschen abgefülltes Quellwasser, und es ist sozial vernetzt. Ausgedacht hat sich das Adam Gayner, der in New York eine Werbeagentur namens "thread" betreibt - eine "multidisziplinäre, ideenbetriebene Agentur mit Ausrichtung auf Generation X und Y". 36 Dollar kostet eine Kiste mit 24 Flaschen Fred, die 0,6-Liter-Flasche zu 1,50 Dollar.

 
 


Für richtig überteuertes Wasser sind andere zuständig. "Bling H20" etwa, das Wasser "for the uber-rich", bietet für rund 30 Dollar eine 0,75-Liter-Flasche aus gefrostetem Glas, auf die noch Swarovski-Kristalle aufgepappt sind.

Besonderen Eindruck auf Blogger hat ein Flaschenwasser aus Hawaii gemacht. "Kona Nigari" ist mit knapp 420 Dollar pro Liter das angeblich teuerste Wasser der Welt. Allerdings beziehen die Preisangaben sich auf ein Konzentrat, das um ein Vielfaches verdünnt wird, ehe man es in Flaschen abfüllt (die Flasche kostet am Ende 1,50 Euro). Das Wasser, das angeblich bei der Stressreduktion hilft, wird in der Nähe eines Gewerbeparks an der hawaiianischen Küste bei Kailua aus 600 Meter Tiefe gepumpt und entsalzt, um es in Trinkwasser zu verwandeln (das Salz wird extra vermarktet). 80.000 Flaschen des angeblichen "Tiefseewassers" werden täglich von hier aus nach Japan exportiert.

Fred funktioniert anders. Was kann man tun, um nicht einfach das x-te weitere Wasser in Flaschen auf den Markt zu werfen? Man richtet dem Wasser eine eigene Myspace-Seite ein (die bestellten Beiträge darauf wirken allerdings etwas abgestanden). Und noch weitere digitale Register werden gezogen, um den modernen Wassertrinker zu einem Friend of Fred zu machen. So hat Fred also auch ein Blog.

Wem nicht nach Wasser ist, der kann auch Fred-T-Shirts mit der Aufschrift "Ironiegestärkt" erwerben. Fred, so werden wir weiter informiert, verfügt über das, was käuflichem Wasser bisher wirklich gefehlt hat: "eine Seele". Mit seinem wunderbaren Bewusstsein scheint der Mensch sich nicht zufriedenzugeben. Deshalb versucht man uns in diesem neuen Anlauf die Schönheit des Nichts als Mehrwert zu verkaufen. Das Internet und seine sozialen Applikationen scheinen sich dazu ideal als Modernität verheißende, virtuelle Leimruten anzubieten.

Und dann ist da noch die Flasche. Die Fred-Flasche sieht aus wie eine kleine Flasche Wodka oder White Rum. Ein paar Blogs weiter erinnert sich jemand namens "gian fulgoni" an ein Unternehmen, das ein Freund von ihm vor einiger Zeit gegründet hatte. Er wollte Fruchtsaft in Flaschen verkaufen, die ganz ähnlich wie die von Fred aussahen. Er fand das niedlich. Es war ein Desaster. Eltern und Lehrer gingen die Wände hoch, weil die Flaschen ihrer Meinung nach Kinder unterschwellig zum Alkoholtrinken verleiteten. Supermärkte nahmen das Zeug aus den Regalen. "Der Hersteller verlor einen Haufen Geld. Mein Freund flog raus", schreibt "gian fulgoni".

Das Netz hilft nun, auch dieses Risiko zu umgehen. Fred kann man nur online ordern. Der User "Raj Bala" kennt noch eine weitere Flaschengeschichte. In Indien ist Werbung für Alkohol verboten. Bierbrauer kamen auf die Idee, Werbung für Wasser in Flaschen zu machen. Zufällig hatte das Wasser denselben Namen wie ihr Bier.

 
 

 

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