Religulous - Man wird doch wohl fragen dürfen
Unsere Welt als Freakshow
Ulrich Kriest, veröffentlicht am 02.04.2009
Filmbeschreibung
Wollen wir noch mal von vorne anfangen? Mit Kant, Feuerbach und Marx? Mit der Rede vom Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit, der projektiven Bewältigung der Erfahrung der eigenen Unvollkommenheit und mit der politischen Kritik der Religion als Opium für das Volk? Der provokante US-Comedian Bill Maher ("Politically Incorrect") hat das Religiöse als Ziel seiner Invektiven ausgemacht, was in den USA angesichts des erstarkten christlichen Fundamentalismus der Bush-Ära einmal durchaus "aufklärerische" Qualitäten gehabt haben mag. Zusammen mit dem Filmemacher Larry Charles ("Borat") hat sich Maher aufgemacht, religiöse Vorstellungen als Firlefanz von Menschen zu entlarven, die nicht recht bei Trost oder auf Profit aus sind.
Kann es sein, dass es ganz normale Menschen gibt, die wirklich an die unbefleckte Empfängnis, an die Wiederauferstehung von den Toten oder an die sprechende Schlange im Paradies glauben? Wie viele Jungfrauen warten wo auf einen Selbstmordattentäter? Die Antwort auf alle diesbezüglichen Fragen legt bereits der Filmtitel offen: "Religulous" ist eine Verballhornung von "religious" (religiös) und "ridiculous" (lächerlich). Gemeinsam sucht man sich Gesprächsopfer unter Besuchern einer Truckerkirche, eines kreationistischen Themenparks, zum Glauben bekehrten Exhomosexuellen oder antizionistischen Rabbis mit Iran-Kontakten.
Maher, der von sich sagt, dass er nur an den Zweifel glaubt, gibt den kritischen und polemischen Fragensteller, der die ihm unterlegenen Befragten souverän aufs Glatteis führt. Weil er die Gläubigen für ihre Schwäche oder ihre Durchtriebenheit verachtet, fragt er nicht nach Transzendenz. Weil er religiöse Texte lächerlich macht, indem er sie wortwörtlich und nicht kritisch-historisch nimmt, tendiert der Erkenntnisgewinn im Kino schnell gegen null. "Religulous" zeigt einen manipulierten Ausschnitt aus der Welt des Religiösen als obskure Freakshow. Wenn Maher einmal nicht das letzte Wort hat, dann kommentiert eben Larry Charles das Gezeigte höhnisch, indem er einschlägige Filmausschnitte aus Bibel- und Sandalenfilmen oder Wochenschauen montiert. Dieser Film ist in seiner selbstgefälligen Überheblichkeit ermüdend, und zu guter Letzt hebt Maher völlig unironisch zu predigen an: Skepsis sei die Religion, die diesen Planeten allein vor der Todessehnsucht der großen Religionen bewahren kann. Wir sind da skeptisch.
Kann es sein, dass es ganz normale Menschen gibt, die wirklich an die unbefleckte Empfängnis, an die Wiederauferstehung von den Toten oder an die sprechende Schlange im Paradies glauben? Wie viele Jungfrauen warten wo auf einen Selbstmordattentäter? Die Antwort auf alle diesbezüglichen Fragen legt bereits der Filmtitel offen: "Religulous" ist eine Verballhornung von "religious" (religiös) und "ridiculous" (lächerlich). Gemeinsam sucht man sich Gesprächsopfer unter Besuchern einer Truckerkirche, eines kreationistischen Themenparks, zum Glauben bekehrten Exhomosexuellen oder antizionistischen Rabbis mit Iran-Kontakten.
Maher, der von sich sagt, dass er nur an den Zweifel glaubt, gibt den kritischen und polemischen Fragensteller, der die ihm unterlegenen Befragten souverän aufs Glatteis führt. Weil er die Gläubigen für ihre Schwäche oder ihre Durchtriebenheit verachtet, fragt er nicht nach Transzendenz. Weil er religiöse Texte lächerlich macht, indem er sie wortwörtlich und nicht kritisch-historisch nimmt, tendiert der Erkenntnisgewinn im Kino schnell gegen null. "Religulous" zeigt einen manipulierten Ausschnitt aus der Welt des Religiösen als obskure Freakshow. Wenn Maher einmal nicht das letzte Wort hat, dann kommentiert eben Larry Charles das Gezeigte höhnisch, indem er einschlägige Filmausschnitte aus Bibel- und Sandalenfilmen oder Wochenschauen montiert. Dieser Film ist in seiner selbstgefälligen Überheblichkeit ermüdend, und zu guter Letzt hebt Maher völlig unironisch zu predigen an: Skepsis sei die Religion, die diesen Planeten allein vor der Todessehnsucht der großen Religionen bewahren kann. Wir sind da skeptisch.
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