Abwrackprämie

Bei Abruf Konjunktur

SoAk, veröffentlicht am 06.04.2009
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Stuttgart - Man kann die Abwrack- oder Umweltprämie ungerecht oder kurzatmig finden oder sie für einen unzulässigen Eingriff ins freie Spiel der Kräfte halten. Im Ergebnis tut sie, was sie soll. Sie macht Konjunktur. Statt der bis Jahresende angesetzten 1,5 Milliarden Euro, entsprechend einem Zuschuss von je 2500 Euro für den Kauf von 600.000 Neuwagen, ist die Prämie bereits jetzt über eine Million Mal abgerufen oder reserviert worden. In den neuen Bundesländern wirkt der Konsumanreiz überdurchschnittlich. Klar ist, dass die Prämie bis zum Jahresende bezahlt wird, unklar, in welcher Höhe.

Wohin fließen aber die 2500 Euro? Erfüllen sich die Deutschen mit staatlicher Hilfe ihren Autotraum, kaufen Sechs-, Acht-, Zehnzylindermodelle oder safaritaugliche Zweitonner? Davon kann keine Rede sein; laut aktueller Zulassungsstatistiken profitieren die deutschen Premiummarken überhaupt nicht von der Abwrackprämie. Weder Audi noch BMW noch Mercedes haben zu spüren bekommen, dass der Bund seit Januar den Geldhahn aufdreht. Sie sind selbst mit ihren preiswertesten Modellen wie Audi A 3, BMW Einser, Mini, Mercedes A- und B-Klasse weiterhin auf Talfahrt, seit Jahresbeginn teils mit minus 30 und 40 Prozent. Lediglich die Mercedes-Marke Smart spürt ein wenig Rückenwind.

Gebrauchtwagen auch nach zehn Jahren noch mehr wert als 2500 Euro

Die drei Großen profitieren aus verschiedenen Gründen nicht von der Abwrackprämie: Gebrauchte Autos dieser Marken sind auch nach neun oder zehn Jahren noch mehr wert als die 2500 Euro, die der Staat gibt. Für markentreue Käufer gibt es also keinen Anreiz, alt gegen neu zu tauschen. Vor allem aber rangieren die Modelle von Audi, BMW, Mercedes, die von Porsche sowieso, in Preisregionen, wo ein Zuschuss von 2500 Euro die Kaufentscheidung kaum beeinflusst.

Experten werten den durch eine Subvention ausgelösten Nachfrageschub - seit Januar sind etwa 870.000 Autos neu zugelassen worden - als klares Indiz dafür, dass Neuwagen in Deutschland derzeit schlicht viel zu teuer sind. Eindeutige Gewinner im staatlich geförderten Handel sind daher Marken mit kleinen, preiswerten Autos: Der Absatz des Fiat Panda hat sich im Februar verdreifacht, Hyundai-Händler verkaufen vom Kleinwagen i 10 beinahe viermal mehr als in den Monaten zuvor. Auch Modelle wie Daihatsu Sirion, Mitsubishi Colt oder Suzuki Swift bescheren ihren Händlern einen Aufwind, wie sie ihn nicht mehr erlebten, seit die Mehrwertsteuer auf 19 Prozent angehoben wurde. Das war im Januar 2007.

Billigmodelle von Fiat und Renault

Fiat
Wirtschaft Fiat_0950
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hat gleich drei Modelle der Preiswertkategorie am Start: den Panda (ab 9690 Euro), den 500 (ab 11.000 Euro) und den Grande Punto (ab 11.550 Euro). Von diesen Modellen hat man im Januar und Februar insgesamt knapp 11.500 Stück verkauft. Renault, der ewige Rivale Fiats um den Rang des größten Importeurs in Deutschland, hat mit Twingo, Modus und Clio zwar ebenfalls drei Eisen im Feuer, aber von diesen keine 9000 Stück verkauft. Dies liegt in erster Linie an der Konkurrenz der konzerneigenen Billigmarke Dacia mit den Modellen Logan (ab 7300 Euro) und Sandero (ab 7500 Euro), die bis Ende Februar fast 5000 Käufer gefunden haben.

Auch Autos aus deutscher Fertigung haben Sonderkonjunktur.
Ford Ka
Foto: Ford
Ford hat mit Ka und Fiesta (ab 9950 bzw. 11.500 Euro) zwei taufrische Modelle am Start und bis Ende Februar zusammen gut 14.000 Stück von ihnen auf die Straße gebracht. Für Opel rächt es sich, dass ein echter Kleinwagen im Programm fehlt. Immerhin lastet der Corsa mit knapp 5000 Bestellungen pro Monat das Werk Eisenach aus, während die anderen deutschen Werke auf Kurzarbeit sind.
Volkswagen Fox
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Beim VW Polo mögen 25 Prozent Plus gegenüber dem Vorjahreszeitraum relativ unspektakulär klingen, doch ist der VW mit 14.363 Neuzulassungen in zwei Monaten der Größte unter den kleinen deutschen Modellen - trotz seines Einstandspreises von 12.150 Euro. Auch das Südamerika-Importmodell Fox (ab 9550 Euro) läuft ordentlich. VW profitiert außerdem von seinem Ruf hoher Wertbeständigkeit: Der Mitnahmeeffekt der staatlichen Prämie schiebt auch den Absatz von Golf und Passat an.

Fiskus verzichtet faktisch auf Mehrwertsteuer

Bei Autos um die 10.000 Euro machen 2500 Euro Zuschuss etwa 20 bis 25 Prozent des Kaufpreises aus. Faktisch verzichtet der Fiskus also in erster Linie auf seine 19 Prozent Mehrwertsteuereinnahmen und subventioniert nur einen kleinen Teil des Kaufpreises aus eigenen Mitteln. Und erreicht mit wenig Aufwand überraschend viel. Bleibt noch die Frage, ob das Programm den offiziellen Titel Umweltprämie zu Recht trägt. Im Ergebnis ja. Mit Hilfe der 2500 Euro werden fast ausschließlich preiswerte, kleine und damit sparsame Autos gekauft. Die bestmögliche Katalysatortechnik gehört zu Bedingungen für die Prämie, und ob - wie gelegentlich argumentiert wird - die Gesamtökobilanz eines bis zur Schrottreife heruntergefahrenen Autos besser ist, als den Fuhrpark nach etwa fünf bis sieben Jahren zu erneuern, ist eine Rechnung mit so vielen Unbekannten, dass sie kaum seriös aufzumachen ist.
 

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