Hohe Gebühren
Patienten klagen
Markus Heffner, veröffentlicht am 13.04.2009
Stuttgart - Unter den Patienten des Klinikums häufen sich die Klagen. Grund für den Ärger ist die Telefonabrechnung: Wer von seinem Zimmer aus die Telekom-Auskunft 11833 wählt, wird hinterher für einminütige Gespräche mit zwölf Euro und mehr zur Kasse gebeten.
Von Markus Heffner
Dem glückseligen Zustand der jungen Mutter konnte auch das Studium der Schlussabrechnung nichts anhaben, eine gehörige Portion Ärger schwang derweil schon mit, als sie vor ein paar Tagen die Frauenklinik in Bad-Cannstatt mitsamt gesundem Nachwuchs verließ. 11,76 Euro waren der Patientin laut vorgelegtem Kontoauszug für ein nicht mal einminütiges Telefonat mit der Telekom-Auskunft 11833 in Rechnung gestellt worden. Für ein zweites Gespräch, nur unwesentlich länger, musste sie 15,60 Euro hinlegen. "Eine bodenlose Unverschämtheit", findet sie.
Haben Sie auch schlechte Erfahrungen mit hohen Telefongebühren im Krankenhaus gemacht? Diskutieren Sie mit!
Schon während ihres viertägigen Aufenthalts im Cannstatter Krankenhaus hatte sich die Patientin gewundert, dass die aufladbare Telefonkarte nach Anrufen bei der Auskunft kein Guthaben mehr auswies. Nachdem sie auf Nachfrage von der Pforte erfahren habe, dass Gespräche mit der Auskunft vom Patiententelefon aus "sehr teuer" seien, habe sie versucht, von einem der öffentlichen Münzsprecher im Krankenhaus die Auskunft anzurufen. Das sei aber nicht möglich, weil die 11833 dort offenbar gesperrt wurde. Anrufe mit dem Handy, um etwa die Nummer der Hausapotheke zu erfrage, seien grundsätzlich verboten. "Man wird regelrecht gezwungen, das teure Zimmertelefon zu benutzen."
Dass bei den öffentlichen Münzsprechern auf den Krankenhausfluren des Klinikums die 11833 und weitere Auskunftsnummern gesperrt worden sind, bestätigt Adalbert Erben auf Anfrage. Der Grund sei vermutlich, weil man dort zu viel Kleingeld nachwerfen müsste, sagt der Leiter des Klinikum-Dienstleistungszentrums. Auch die "extrem hohen Auskunftsgebühren" räumt Erben ein. Allerdings, so betont er, seien diese nicht vom Krankenhaus zu verantworten.
Bei den Patiententelefonen des Klinikums, zu dem neben dem Krankenhaus Bad Cannstatt mit der Frauenklinik auch das Bürgerhospital, das Katharinenhospital und das Olgahospital gehören, gelte grundsätzlich der intern festgelegte Tarif von zwölf Cent pro Einheit zuzüglich einer Grundgebühr von 1,50 Euro pro Tag. Mit dem Hausprovider Versatel habe man für Festnetzgespräche einen guten Takt ausgehandelt. Bei der 11833 seien die Gebührenimpulse von der Telekom aber so kurz geschaltet, dass schnell 50, 60 Einheiten auflaufen würden. Andere Anbieter wie etwa Telegate würden noch kräftiger hinlangen.
Haben Sie auch schlechte Erfahrungen mit hohen Telefongebühren im Krankenhaus gemacht? Diskutieren Sie mit!
Die Deutsche Telekom selbst widerspricht dieser Darstellung auf Anfrage allerdings vehement. Die Anlage im Klinikum werde nicht von der Telekom betrieben, sagt die Firmensprecherin Cordelia Hiller. Für die Einstellung der Taktimpulse sei man daher nicht verantwortlich. Der Tarif für die 11833 sei jederzeit nachvollziehbar und belaufe sich aus dem Festnetz auf 1,79 Euro je angefangener Minute. Von öffentlichen Münzsprechern aus koste der Anruf 1,20 Euro pro Minute. Warum die Nummer in den Stuttgarter Telefonzellen gesperrt ist, könne sie sich nicht erklären. "So einen Fall haben wir bisher noch nicht gehabt."
Für beachtliche Ausschläge sorgen die Servicenummern aber auch in anderen Stuttgarter Krankenhäusern. So zahlen die Patienten im Marienhospital für ein Gespräch mit der Auskunft bei ebenfalls zwölf Cent pro Einheit zwar "nicht viel mehr, als von zu Hause aus", so der Sprecher Rainer Kruse. Bei den Telefonzellen, die über die eigene Anlage laufen, seien aber gleichfalls alle Auskunftsnummern gesperrt. "Sonst würde das Krankenhaus wegen des günstigeren internen Tarifs bei der Abrechnung mit der Telekom drauflegen."
Und das Robert-Bosch-Krankenhaus muss auf Anfrage einräumen, dass im Haus ein Telefonat mit der 11833 und anderen Diensten "ziemlich teuer" werden kann. Dies habe man erst durch die Nachfrage festgestellt, sagt Regina Müller. Beschwerden von Patienten habe es noch keine gegeben.
Im Krankenhaus Bad Cannstatt dagegen sind zwischenzeitlich etliche Patientenproteste aufgelaufen. Die zuständige Sachbearbeiterin von der Pforte weiß von Fällen mit 18 und 20 Euro pro Gespräch zu berichten. Bei einigen besonders lauten Protesten sei die Gebühr einfach erlassen worden, sagt sie. Ansonsten fließt das Geld wie die anderen Telefongebühren auch auf das Konto des Klinikums. "Wir wollen damit aber nicht über Gebühr verdienen", sagt Adalbert Erben. Man habe schon überlegt, die 11833 ganz abzustellen. "Aber wir müssen diesen Service für die Patienten des Klinikums anbieten."
Zumindest für die Patienten des Krankenhauses Bad Cannstatt hat Telekomsprecherin Cordelia Hiller diesbezüglich noch einen Tipp. Vor dem Gebäude stünden zwei so genannte Telestationen, die von der Telekom selbst betrieben würden. "Dort können sie eine Auskunft für 1,20 Euro einholen."
Von Markus Heffner
Dem glückseligen Zustand der jungen Mutter konnte auch das Studium der Schlussabrechnung nichts anhaben, eine gehörige Portion Ärger schwang derweil schon mit, als sie vor ein paar Tagen die Frauenklinik in Bad-Cannstatt mitsamt gesundem Nachwuchs verließ. 11,76 Euro waren der Patientin laut vorgelegtem Kontoauszug für ein nicht mal einminütiges Telefonat mit der Telekom-Auskunft 11833 in Rechnung gestellt worden. Für ein zweites Gespräch, nur unwesentlich länger, musste sie 15,60 Euro hinlegen. "Eine bodenlose Unverschämtheit", findet sie.

Schon während ihres viertägigen Aufenthalts im Cannstatter Krankenhaus hatte sich die Patientin gewundert, dass die aufladbare Telefonkarte nach Anrufen bei der Auskunft kein Guthaben mehr auswies. Nachdem sie auf Nachfrage von der Pforte erfahren habe, dass Gespräche mit der Auskunft vom Patiententelefon aus "sehr teuer" seien, habe sie versucht, von einem der öffentlichen Münzsprecher im Krankenhaus die Auskunft anzurufen. Das sei aber nicht möglich, weil die 11833 dort offenbar gesperrt wurde. Anrufe mit dem Handy, um etwa die Nummer der Hausapotheke zu erfrage, seien grundsätzlich verboten. "Man wird regelrecht gezwungen, das teure Zimmertelefon zu benutzen."
Dass bei den öffentlichen Münzsprechern auf den Krankenhausfluren des Klinikums die 11833 und weitere Auskunftsnummern gesperrt worden sind, bestätigt Adalbert Erben auf Anfrage. Der Grund sei vermutlich, weil man dort zu viel Kleingeld nachwerfen müsste, sagt der Leiter des Klinikum-Dienstleistungszentrums. Auch die "extrem hohen Auskunftsgebühren" räumt Erben ein. Allerdings, so betont er, seien diese nicht vom Krankenhaus zu verantworten.
Bei den Patiententelefonen des Klinikums, zu dem neben dem Krankenhaus Bad Cannstatt mit der Frauenklinik auch das Bürgerhospital, das Katharinenhospital und das Olgahospital gehören, gelte grundsätzlich der intern festgelegte Tarif von zwölf Cent pro Einheit zuzüglich einer Grundgebühr von 1,50 Euro pro Tag. Mit dem Hausprovider Versatel habe man für Festnetzgespräche einen guten Takt ausgehandelt. Bei der 11833 seien die Gebührenimpulse von der Telekom aber so kurz geschaltet, dass schnell 50, 60 Einheiten auflaufen würden. Andere Anbieter wie etwa Telegate würden noch kräftiger hinlangen.

Die Deutsche Telekom selbst widerspricht dieser Darstellung auf Anfrage allerdings vehement. Die Anlage im Klinikum werde nicht von der Telekom betrieben, sagt die Firmensprecherin Cordelia Hiller. Für die Einstellung der Taktimpulse sei man daher nicht verantwortlich. Der Tarif für die 11833 sei jederzeit nachvollziehbar und belaufe sich aus dem Festnetz auf 1,79 Euro je angefangener Minute. Von öffentlichen Münzsprechern aus koste der Anruf 1,20 Euro pro Minute. Warum die Nummer in den Stuttgarter Telefonzellen gesperrt ist, könne sie sich nicht erklären. "So einen Fall haben wir bisher noch nicht gehabt."
Für beachtliche Ausschläge sorgen die Servicenummern aber auch in anderen Stuttgarter Krankenhäusern. So zahlen die Patienten im Marienhospital für ein Gespräch mit der Auskunft bei ebenfalls zwölf Cent pro Einheit zwar "nicht viel mehr, als von zu Hause aus", so der Sprecher Rainer Kruse. Bei den Telefonzellen, die über die eigene Anlage laufen, seien aber gleichfalls alle Auskunftsnummern gesperrt. "Sonst würde das Krankenhaus wegen des günstigeren internen Tarifs bei der Abrechnung mit der Telekom drauflegen."
Und das Robert-Bosch-Krankenhaus muss auf Anfrage einräumen, dass im Haus ein Telefonat mit der 11833 und anderen Diensten "ziemlich teuer" werden kann. Dies habe man erst durch die Nachfrage festgestellt, sagt Regina Müller. Beschwerden von Patienten habe es noch keine gegeben.
Im Krankenhaus Bad Cannstatt dagegen sind zwischenzeitlich etliche Patientenproteste aufgelaufen. Die zuständige Sachbearbeiterin von der Pforte weiß von Fällen mit 18 und 20 Euro pro Gespräch zu berichten. Bei einigen besonders lauten Protesten sei die Gebühr einfach erlassen worden, sagt sie. Ansonsten fließt das Geld wie die anderen Telefongebühren auch auf das Konto des Klinikums. "Wir wollen damit aber nicht über Gebühr verdienen", sagt Adalbert Erben. Man habe schon überlegt, die 11833 ganz abzustellen. "Aber wir müssen diesen Service für die Patienten des Klinikums anbieten."
Zumindest für die Patienten des Krankenhauses Bad Cannstatt hat Telekomsprecherin Cordelia Hiller diesbezüglich noch einen Tipp. Vor dem Gebäude stünden zwei so genannte Telestationen, die von der Telekom selbst betrieben würden. "Dort können sie eine Auskunft für 1,20 Euro einholen."
Kommentare
Carl-Josef Kutzbach,
22.04.2009 09:14
Die 0180er Nummern verhindern zudem Anrufe aus dem Ausland, so dass dortige Familienmitglieder (z.B. im Urlaub) den Kontakt zu Kranken nicht telefonisch halten können.
Irene Dieter,
17.04.2009 12:35
Was für eine Unverschämtheit vom Krankenhaus, über die eigene Telefonanlage irrsinnige Gebühren zu verlangen und gleichzeitig an den eigenen Telefonen im Foyer die Auskunftsnummern zu sperren. Echt unglaublich, diese Abzocke. Und ich finde es besonders dreist, dass die dann auch noch versuchen, der Telekom den schwarzen Peter zuzuschieben. Die haben wenigstens vor dem Krankenhaus in Bad Cannstatt öffentliche Telefone, von denen aus man ganz normal telefonieren kann und auch zu normalen Preisen die Auskunft anrufen kann. Das Krankenhaus sollte die Schuld wenigstens auf sich nehmen, und nicht noch andere beschuldigen.
heba,
17.04.2009 08:33
Wenn ich den Bericht so lese, muss ich feststellen : irgendeiner LÜGT,..!!
Oder wurde im Krankenhaus nur die Kommastelle für die minutengenaue Abrechnung verwechselt?... und es hat noch niemand bemerkt,..?
Oder wurde im Krankenhaus nur die Kommastelle für die minutengenaue Abrechnung verwechselt?... und es hat noch niemand bemerkt,..?
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