Camcorder-Brille

Die Realität wird zum Science-Fiction-Film

Alexander Günzler, veröffentlicht am 20.04.2009
Foto: proidee

Skaten, Radfahren oder Klettern: mit dieser speziellen Sonnenbrille kann man 120 Minuten filmen, und die Handhabung ist sogar ganz einfach.


  Von Alexander Günzler

 
007 hat sie uns oft gezeigt, die spannenden Agentenaccessoires aus den Geheimlabors des MI6 – ob Raketenkugelschreiber, Laserarmbanduhr oder Spionagebrille. Doch Moment! Für Letzteres muss man nicht unbedingt im Dienste Ihrer Majestät stehen. Die Sonnenbrille Eagle-I macht es möglich, nicht nur seine Augen zu schützen, sondern dabei auch die Umwelt aus der Ich-Perspektive aufzuzeichnen. Wo man die Kamerabrille (Foto: Proidee) überall einsetzen kann, verrät der Hersteller: „Ideal für Überwachungsfirmen, Journalisten oder Sportler.“

Gut, Journalist bin ich, habe aber gerade keine spionagewürdigen Geheimakten zur Hand. Überwachungsfirma? Nein. Also ab aufs Mountainbike und quer durch den Wald. Die Brille selbst mutet entsprechend sportlich an: weißes Hartplastik (auch in Schwarz lieferbar), dunkle Gläser, ähnlich einer Tour-de-France-Radlerbrille. Eine Kamera ist nicht direkt zu sehen. Die Linse ist in den Nasensteg eingebaut, zwei Knubbel an den Brillenbügeln verstecken die Resttechnik. Am linken Bügel gibt es zwei Knöpfe - Ein/Aus und Play/Stop. Farbige Leuchtdioden sollen den jeweiligen Status signalisieren.



Auf meiner Radtour dient mir die eng anliegende, überraschend leichte Brille anfangs nur als adäquater Sonnenschutz, da die Qualen der ersten Steigung nicht zum Filmen einladen. Die folgende Abfahrt schon eher. Da offenbart sich ein Schwachpunkt der Eagle-I. Um zu überprüfen, ob das Gerät eingeschaltet ist und läuft, muss ich es abnehmen, da ich sonst schlicht nicht erkenne, was mir die etwas zu klein geratenen Leuchtdioden signalisieren. In der prallen Sonne fällt es immer noch schwer, das Lichtlein zu erkennen.

Im Schatten funktioniert es, ein hellblaues Blinken zeigt: Kamera läuft. Ansonsten kein Surren, kein Rotlicht - alles sehr diskret. Ich rattere über das erste Wurzelgeflecht: die Brille sitzt; kleiner Sprung: die Brille sitzt; größerer Sprung und fast ein Sturz: die Brille sitzt noch immer und hat die Szene hoffentlich authentisch aufgezeichnet. Nach wenigen Minuten ist die Abfahrt vorbei und der Clip im Bügel. Insgesamt ein Gigabyte an Filmdaten passt auf den eingebauten Speicher. Zusätzlich kann man noch eine Micro-SD-Karte am linken Brillenbügel einschieben.



Auf meiner Fahrt bin ich dank Digitalkamera-Sozialisation immer wieder versucht, mir das Gefilmte anzuschauen. Doch einen Monitor (etwa in Form eines umfunktionierten Brillenglases) bietet die Eagle-I nicht. Ob der MI6 so etwas hat?

Wieder zu Hause geht die Installation schnell. Die mitgelieferte Software auf den Rechner spielen, Brille per USB-Kabel mit dem Rechner verbinden und die Videodateien übertragen. Die Bilder sind wacklig - klar, so ist es nun mal auf dem Mountainbike. Der Ton rauscht vom Fahrtwind - auch klar. In einem kleineren Videofenster (Auflösung 320 x 240) ist aber alles recht scharf zu sehen. Dann mein waghalsiger Sprung: leider offenbart sich per Videobeweis, dass ich die Dramatik der Szene überschätzt habe.



War da überhaupt ein Sprung? Wenigstens das hämische Gelächter meines mitradelnden Kumpels über meinen Beinahesturz ist sehr deutlich zu hören. Vielleicht ist es gut, dass wir nicht bei allen vermeintlich spektakulären Erlebnissen eine Brillenkamera zur Hand haben. Die Bilder im Kopf sind oft beeindruckender.

Fazit: für Mountainbiker, Skifahrer oder Kletterer - eventuell auch für Voyeure - ist die Eagle-I ein gutes Spielzeug. Auch wenn man sich bei einem Preis von 297 Euro schon überlegen sollte, was einem sein Hobby wert ist. Die Technik ist leicht verständlich, der Tragekomfort und die Qualität der Filme gut, wenn auch nicht kinoreif. Aber das ist sowieso das Terrain von 007.

Die Camcorder-Sonnenbrille gibt es im Internet unter www.proidee.de


Bewertung
****

Legende
* = Finger weg
** = Vorsicht
*** = Nochmals überdenken
**** = Könnte sich lohnen
***** = Zugreifen
 

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