Die neue Daily Soap "Eine für alle" startet
Hier schweißt die Frau Gemahlin
Senta Krasser, veröffentlicht am 21.04.2009
Stuttgart - Am Montag ist die neue ARD-Vorabendserie aus Baden-Württemberg "Eine für alle" gestartet. Unsere StZ-Kritikerin hat die erste Folge unter die Lupe genommen.
Von Senta Krasser
Es ist zu zuckersüß, um wahr zu sein, Fernsehen eben: Bernd Lemke, schwer schuftend bei der Feuerwehr, kehrt aus der Nachtschicht heim, irgendwo kräht der Hahn, aber statt sich erschöpft auf Kissen zu betten, beschmust Bernd Brad-Pitt-ähnlich seine Lilly im Morgenlicht, hilft freundlich beim Richten des Familienfrühstücks und macht sich im schicken Pyjama noch an die Reparatur des Telefons, während Lilly mit den Arbeitskolleginnen längst zum Malochen in der Fabrik aufgebrochen ist.
Im realen Leben gibt es nur wenige Schweisserinnen
Wo gibt's denn so was? Seit Montag täglich in der ARD um kurz vor 19 Uhr. "Eine für alle" heißt die neue und damit fünfte tägliche Seifenoper im Ersten, und sie hat mit dem durchschnittlichen Ehealltag so viel gemein wie der Gockel mit dem Brüten, was aber - man möchte ja mal träumen dürfen - nicht schlimm ist. Ziemlich weit entfernt von der IG-Metall-Statistik ist, dass die liebkoste Lilly Lemke von Berufs wegen schweißt, was außerhalb des Fernsehens angeblich nur 1,3 Prozent der Frauen tun und was einige Herren der Fernbedienung deshalb sehr schlimm fanden, noch bevor die erste Soap-Episode auf den Schirm kam: Einer fühlte sich schon deswegen sexuell diskriminiert, weil Schweißer ein typisch männlicher Beruf sei. Ein anderer sah sogar seine Menschenwürde verletzt.
Abgesehen davon, dass sich die ARD wohl kaum aufmerksamkeitsfördernderes Begleit-Ballyhoo wünschen kann als dieses: Wer mit solch schwerem Ernst klagt, ist erstens eine beleidigte Macholeberwurst und nimmt zweitens die Geschlechterrollenspielchen am Vorabend nicht locker genug. Dabei ist es doch eine schöne Abwechslung, dass man im Ersten eine zumindest ein bisschen verkehrte Welt präsentiert bekommt: mit einer schweißenden Traumfrau, die von der Rennfahrerkarriere in ihrer "Flitznudel" träumt, und einem sensiblen Ehemann und Vater, der wunderbar auch allein den Haushalt schmeißen könnte. Aus frauenpolitisch wie Satire förderlicher Sicht wird dieser Weg allerdings nicht konsequent gegangen. Sonst würde zum Beispiel Lilly Lemkes fast dreißigjährige (!) Freundin Melanie nicht ständig ihren Traumprinzen auf Fotos in Klatschmagazinen abknutschen, oder?
Soap bleibt Soap
"Eine für alle" bleibt eine Soap - auch wenn die ARD gerne die Bezeichnung "Dramedy" hat, also eine Mischung aus Drama und Komödie. Dramatisch (und hochaktuell) ist, dass Lilly Lemke (sehr feminin: Katharina Schubert) und ihre Freundinnen Melanie (verträumt), Yvonne (Vamp) und Bärbel (schicksalsgläubig) ihren Job im örtlichen Traditionsbetrieb von heute auf morgen los sind, weil geldgeilen Finanzinvestoren in Glanzanzügen Rendite wichtiger ist als die perfekte Schweißnaht. Wer indes Komik sucht, wäre bei einer vierten Staffel der preisgekrönten ARD-Serie "Türkisch für Anfänger" (die es so nicht mehr geben wird) besser aufgehoben.
Man sieht dem in Ludwigsburg hergestellten ARD-Produkt fürchterlich an, dass es genauso produziert wird wie die Dauer-Soaps "Verbotene Liebe" und "Marienhof": genauso billig. Mal schneit und stürmt es, dann strahlt plötzlich die Wintersonne aufs Grün im fiktiven Dorach - bei einer Vorabendserie, die bloß die Pausen zwischen den Werbeblöcken kurzweilig füllen soll, kann man eben nicht auf das richtige Wetter warten, damit der Anschluss zur nächsten Szene passt. Es gelten andere, bezahlbare Maßstäbe. Und am wichtigsten scheint sowieso, dass die Hits aus den Charts immerfort wummern.
Den ARD-Oberen gehen spätestens seit Montag die Muffen. Viel hatten sie auf der Sendelücke zwischen "Marienhof" und Jörg Pilawas "Quiz" zuvor probiert, und viel ging daneben. Bruce Darnells Modelgeplapper ("Super, super, Baby") fiel imagemäßig gar ganz unten durch. Wenn es nach dem Untertitel von "Eine für alle" geht, dürfte eigentlich nichts schiefgehen: "Frauen können's besser". Und wenn doch nicht? Dann sind wenigstens ein paar in ihrer Männlichkeit verletzte Nörgler zufrieden.
Von Senta Krasser
Es ist zu zuckersüß, um wahr zu sein, Fernsehen eben: Bernd Lemke, schwer schuftend bei der Feuerwehr, kehrt aus der Nachtschicht heim, irgendwo kräht der Hahn, aber statt sich erschöpft auf Kissen zu betten, beschmust Bernd Brad-Pitt-ähnlich seine Lilly im Morgenlicht, hilft freundlich beim Richten des Familienfrühstücks und macht sich im schicken Pyjama noch an die Reparatur des Telefons, während Lilly mit den Arbeitskolleginnen längst zum Malochen in der Fabrik aufgebrochen ist.
Im realen Leben gibt es nur wenige Schweisserinnen
Wo gibt's denn so was? Seit Montag täglich in der ARD um kurz vor 19 Uhr. "Eine für alle" heißt die neue und damit fünfte tägliche Seifenoper im Ersten, und sie hat mit dem durchschnittlichen Ehealltag so viel gemein wie der Gockel mit dem Brüten, was aber - man möchte ja mal träumen dürfen - nicht schlimm ist. Ziemlich weit entfernt von der IG-Metall-Statistik ist, dass die liebkoste Lilly Lemke von Berufs wegen schweißt, was außerhalb des Fernsehens angeblich nur 1,3 Prozent der Frauen tun und was einige Herren der Fernbedienung deshalb sehr schlimm fanden, noch bevor die erste Soap-Episode auf den Schirm kam: Einer fühlte sich schon deswegen sexuell diskriminiert, weil Schweißer ein typisch männlicher Beruf sei. Ein anderer sah sogar seine Menschenwürde verletzt.
Abgesehen davon, dass sich die ARD wohl kaum aufmerksamkeitsfördernderes Begleit-Ballyhoo wünschen kann als dieses: Wer mit solch schwerem Ernst klagt, ist erstens eine beleidigte Macholeberwurst und nimmt zweitens die Geschlechterrollenspielchen am Vorabend nicht locker genug. Dabei ist es doch eine schöne Abwechslung, dass man im Ersten eine zumindest ein bisschen verkehrte Welt präsentiert bekommt: mit einer schweißenden Traumfrau, die von der Rennfahrerkarriere in ihrer "Flitznudel" träumt, und einem sensiblen Ehemann und Vater, der wunderbar auch allein den Haushalt schmeißen könnte. Aus frauenpolitisch wie Satire förderlicher Sicht wird dieser Weg allerdings nicht konsequent gegangen. Sonst würde zum Beispiel Lilly Lemkes fast dreißigjährige (!) Freundin Melanie nicht ständig ihren Traumprinzen auf Fotos in Klatschmagazinen abknutschen, oder?
Soap bleibt Soap
"Eine für alle" bleibt eine Soap - auch wenn die ARD gerne die Bezeichnung "Dramedy" hat, also eine Mischung aus Drama und Komödie. Dramatisch (und hochaktuell) ist, dass Lilly Lemke (sehr feminin: Katharina Schubert) und ihre Freundinnen Melanie (verträumt), Yvonne (Vamp) und Bärbel (schicksalsgläubig) ihren Job im örtlichen Traditionsbetrieb von heute auf morgen los sind, weil geldgeilen Finanzinvestoren in Glanzanzügen Rendite wichtiger ist als die perfekte Schweißnaht. Wer indes Komik sucht, wäre bei einer vierten Staffel der preisgekrönten ARD-Serie "Türkisch für Anfänger" (die es so nicht mehr geben wird) besser aufgehoben.
Man sieht dem in Ludwigsburg hergestellten ARD-Produkt fürchterlich an, dass es genauso produziert wird wie die Dauer-Soaps "Verbotene Liebe" und "Marienhof": genauso billig. Mal schneit und stürmt es, dann strahlt plötzlich die Wintersonne aufs Grün im fiktiven Dorach - bei einer Vorabendserie, die bloß die Pausen zwischen den Werbeblöcken kurzweilig füllen soll, kann man eben nicht auf das richtige Wetter warten, damit der Anschluss zur nächsten Szene passt. Es gelten andere, bezahlbare Maßstäbe. Und am wichtigsten scheint sowieso, dass die Hits aus den Charts immerfort wummern.
Den ARD-Oberen gehen spätestens seit Montag die Muffen. Viel hatten sie auf der Sendelücke zwischen "Marienhof" und Jörg Pilawas "Quiz" zuvor probiert, und viel ging daneben. Bruce Darnells Modelgeplapper ("Super, super, Baby") fiel imagemäßig gar ganz unten durch. Wenn es nach dem Untertitel von "Eine für alle" geht, dürfte eigentlich nichts schiefgehen: "Frauen können's besser". Und wenn doch nicht? Dann sind wenigstens ein paar in ihrer Männlichkeit verletzte Nörgler zufrieden.
Kommentare
Martin,
22.04.2009 19:07
>> dass ... Lilly Lemke von Berufs wegen schweißt, was außerhalb des Fernsehens angeblich nur 1,3 Prozent der Frauen tun
Martin,
22.04.2009 15:54
>> dass ... Lilly Lemke von Berufs wegen schweißt, was außerhalb des Fernsehens angeblich nur 1,3 Prozent der Frauen tun
Timo Heinzle,
21.04.2009 14:19
Richtig schwach, provinziell, langweilig und gähn...Muß sich die ARD an das unterirdische Niveau der Privaten anpassen? Landpomeranzen und Heuschrecken, ein antiquiertes Frauenbild zum Abgewöhnen – wen will diese Serie eigentlich ansprechen? Mädchen, Frauen, Unterschichten, beleidigte Machos, Formel-Eins-Rennfahrer, den schwäbischen Mittelstand...mich jedenfallls nicht!
Mehr aus Stuttgart & Region
Die Farbe des Ozeans Grenzgebiete
Kill Me Please Die Verwöhnten und der Tod
Die Kunst zu lieben Sex ist anstrengend
Lachsfischen im Jemen Dr. Jones und die Liebe
Marley Der Star aus Jamaika
Our Idiot Brother Wer Gras an die Polizei verkauft
Hanni & Nanni 2 Knatterkinokomik
Der Diktator Aladins Wunderschlampe
Das Hochzeitsvideo Parade der Peinlichkeiten
Sohnemänner Schwarzwälder Versuchsanordnung
Ausgerechnet Sibirien Jetzt aber mal jenseits der Jurte
Alle Artikel anzeigen
Anzeigen
Was möchten Sie unternehmen?
Wann möchten Sie etwas unternehmen?

Monat

| Heute | Morgen | Akt. Woche |
| MO | DI | MI | DO | FR | SA | SO |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
Highlights am 23.05.
Brunftzeit - Wildwechsel und Liebestaumel - Renitenztheater
Stuttgarter Ballett: Noverre-Gesellschaft (Premiere) - Staatstheater
Anzeigen






