Neuer Coup

Magath vor Wechsel zum FC Schalke

Thomas Haid, veröffentlicht am 29.04.2009
Foto: dpa

Gelsenkrichen - Der FC Schalke 04 sucht einen neuen Trainer und einen neuen Manager. Nach StZ-Informationen ist der Club bei ein- und derselben Person fündig geworden. Felix Magath soll eine Doppelrolle übernehmen - wie zurzeit noch beim VfL Wolfsburg.


  Von Thomas Haid

 
Peter Peters hatte am Mittwoch einen eher unangenehmen Termin. Er war beim Zahnarzt. Bei dieser Gelegenheit konnte der Vorstand des FC Schalke jedoch wenigstens mal eine Weile das Handy ausschalten. Sonst klingle es nur pausenlos, weil jeder wissen wolle, wer bei seinem Club neuer Trainer und neuer Manager werde, sagt Peters. Dabei sind die Würfel nach StZ-Informationen intern schon gefallen. Trainer und Manager soll ein Mann in Personalunion werden: Felix Magath (55).

Die Entscheidung fällt zum Saisonende

Darauf haben sich die Parteien offenbar festgelegt, auch wenn sie sich noch bedeckt halten – wohl um nicht zusätzlich Unruhe vor dem Saisonfinale zu erzeugen. „Wir werden unsere Entscheidung treffen und diese dann wie angekündigt nach Saisonende veröffentlichen“, sagt Peters nur. Konkreter möchte er nicht werden.

So vage äußert sich auch Magath, der nur sagt, „dass ich nichts bestätigen und nichts dementieren will“. Dennoch sind bereits Details durchgesickert. So soll klar sein, dass Magath mit einer Machtfülle ausgestattet wird wie zurzeit beim VfL Wolfsburg, den er vor knapp zwei Jahren auch als Trainer und Manager übernommen und zu einem Meisterschaftsanwärter geformt hat.

Deshalb wollte der zu 90 Prozent dem Volkswagenkonzern gehörende Verein auch den 2010 auslaufenden Vertrag von Magath unbedingt verlängern, was das Aufsichtsratsmitglied Stephan Grühsem schon im Dezember angekündigte. Im März sagte Magath, dass es demnächst Gespräche geben werde – um vieldeutig hinzuzufügen: „Vorab muss aber geklärt werden, wie es hier in der nächsten Saison weitergeht.“ Seitdem herrscht Schweigen im Wolfsburger Wald.

Zu hören ist, dies hänge zum einen mit der unklaren Perspektive in Wolfsburg zusammen – und andererseits damit, dass der VfL die Gehaltsvorstellungen von Magath nicht erfüllen wollte. Bis jetzt verdient der Teammanager rund 2,5 Millionen Euro pro Jahr. Nun hat er angeblich eine Verdoppelung der Bezüge gefordert – was die Vereinsführung mit dem Hinweis auf die schwierige gesamtwirtschaftliche Lage kategorisch ablehnte. In Zeiten der Kurzarbeit bei VW sei das gegenüber der Belegschaft nicht vermittelbar, lautete die Begründung.

Mehrere Fliegen mit einer Klappe

Laut StZ-Quellen soll der FC Schalke die Wünsche von Magath dagegen offenbar weitgehend akzeptiert haben. Dabei stand der Club unter Druck, nachdem er sich kürzlich sowohl von dem Sportdirektor Andreas Müller als auch von dem Trainer Fred Rutten getrennt hatte – um sich bei der Nachfolgedebatte einen Korb nach dem anderen zu holen: von Oliver Kahn über Matthias Sammer bis zu Heribert Bruchhagen.

Selbst die Idee mit einem Übergangstrainer bis zum Saisonende scheiterte, weil Slaven Bilic absagte. Aus der Not übertrugen der Aufsichtsratschef Clemens Tönnies und der Vorsitzende Josef Schnusenberg deshalb einem Trio die sportliche Verantwortung: Mike Büskens, Youri Mulder und Oliver Reck. Obwohl der Erfolg seitdem nach Schalke zurückgekehrt ist, müssen die drei ihren Posten nach dem 23. Mai wieder räumen – wohl für Magath.

Mit seiner Verpflichtung würden die in die Kritik geratenen Tönnies und Schnusenberg mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Magath weiß aus seiner Münchner Ära, wie man Meister wird. Er kann eine Mannschaft zusammenstellen und hat das gleiche Feindbild wie die Schalker – den FC Bayern, wo er Anfang 2007 entlassen wurde. Er wäre die erstklassige Lösung, die Tönnies den Fans versprochen hat.

Von daher könnte Magath auch ein Schutzschild für die Vereinsführung sein. Zudem muss die Planung für die neue Saison vorangetrieben werden. Da haben die Schalker kaum noch die Zeit, zuerst einen Manager zu suchen, der dann den zu ihm passenden Trainer finden muss. Bis dahin könnte der Spielermarkt verlaufen sein.
„Ich beteilige mich nicht an Spekulationen“, hat Magath gestern gesagt. Dabei war er gut drauf. Besser als Peters jedenfalls. Aber das hatte wohl nur mit dem Zahnarzt zu tun.
 

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