Globalisierung der Dummheit
Die Killer-SMS
Peter Glaser, veröffentlicht am 18.04.2009
Im Zeitalter der Vernetzung breitet sich Wissen schnell aus. Erstaunlicherweise finden aber auch Dummheiten stets gutgläubige Abnehmer.
Von Peter Glaser
"Zwei Dinge sind unendlich", stellte Albert Einstein gelegentlich fest, "das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir nicht ganz sicher." Anschauungsunterricht zu dem Thema gab es vor kurzem, als ein Bericht in der ägyptischen Tageszeitung "Egyptian Gazette" erschien, demzufolge ein Mann im Süden von Kairo angeblich einem Gehirnschlag erlegen war, nachdem er eine mysteriöse SMS erhalten hatte. Die fatale Nachricht soll aus einer Kombination von Zahlen und einem Plus-Symbol bestehen und mit der Zahlenfolge 111 enden.
Die Geschichte erinnert an Gore Verbinskis Film "Ring" von 2002, in dem es um ein tödliches Videotape geht. Jeder, der das Band sieht, erhält danach einen Anruf mit der Ankündigung, er habe nur noch sieben Tage zu leben. In Ägypten nahmen die Gerüchte über die tödliche SMS ein Ausmaß an, das die Behörden zum Einschreiten veranlasste.
Das Gesundheitsministerium gab offiziell bekannt, von dem angeblichen Todesfall sei nichts bekannt und die Gerüchte würden jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehren. Der Nachrichtenagentur Mena zufolge wurden drei Arbeiter einer Ölfirma festgenommen. Sie werden beschuldigt, das Gerücht in die Welt gesetzt zu haben. Ein ähnliches Gerücht über tödliche Zahlen per SMS hatte sich schon im Jahr 2007 in Ägypten ausgebreitet, war aber nach kurzer Zeit als Ente versandet und hatte keine offiziellen Stellungnahmen nach sich gezogen.
Im Mai letzten Jahres kursierte das Gerücht über tödliche SMS und den "Roten Ring" (gleichfalls mit Bezugnahme auf obigen Film) in Indonesien. Dem Blog "FutureIndonesia" zufolge wurden fünf Menschen in der Stadt Bungo in der Provinz Jambi durch das Gerücht in Mitleidenschaft gezogen. Sie hätten eine rot gefärbte SMS und sternchenübersäte Bilder empfangen und seien darüber so erschrocken, dass sie die Besinnung verloren hätten. Die Geschichte besteht aus einem Cocktail aus Infrarotstrahlung, angeblichen satanischen Zahlen wie 0866 und 0666 nebst einer modernisierten Version schwarzmagischer Fernwirkung per Mobilkommunikation.
Im April 2007 verursachte ein tödliches Virus, das angeblich durch Mobiltelefone übertragen wird, Panik in Pakistan und Afghanistan. Mobiltelefonbesitzer erhielten eine SMS mit dem Hinweis, sie würden durch ihr Handy mit einem tödlichen Erreger verseucht, gefolgt von dem Hinweis, er habe bereits 20 Menschenleben gefordert: "Eine Art Röntgenstrahlung oder ein Virus wird frei, wenn du einen Anruf von einer 12-stelligen Nummer erhältst, die 0099 enthält. Er überträgt ein Virus, das dein Gehirn schädigt und zum Tod führt. Das ist kein Witz." Die Agentur Reuters berichtete über Anrufe verängstigter Mobiltelefonbenutzer im Kundencenter des pakistanischen Mobilfunkbetreibers Warid Telecom.
Kaum etwas scheint dringender nötig, als das Projekt der Aufklärung mit aller Kraft fortzuführen. Information wird die Welt retten, so lautete die Vision der neunziger Jahre, der Zugriff auf das Wissen der Menschheit liege vor uns. Doch wo stehen wir heute? Noch sind nicht ganz so viele Menschen wie im Mittelalter wieder davon überzeugt, dass sich die Sonne um die Erde dreht, aber es wird daran gearbeitet. Die Globalisierung der Dummheit macht erstaunliche Fortschritte.
Von Peter Glaser
"Zwei Dinge sind unendlich", stellte Albert Einstein gelegentlich fest, "das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir nicht ganz sicher." Anschauungsunterricht zu dem Thema gab es vor kurzem, als ein Bericht in der ägyptischen Tageszeitung "Egyptian Gazette" erschien, demzufolge ein Mann im Süden von Kairo angeblich einem Gehirnschlag erlegen war, nachdem er eine mysteriöse SMS erhalten hatte. Die fatale Nachricht soll aus einer Kombination von Zahlen und einem Plus-Symbol bestehen und mit der Zahlenfolge 111 enden.
Die Geschichte erinnert an Gore Verbinskis Film "Ring" von 2002, in dem es um ein tödliches Videotape geht. Jeder, der das Band sieht, erhält danach einen Anruf mit der Ankündigung, er habe nur noch sieben Tage zu leben. In Ägypten nahmen die Gerüchte über die tödliche SMS ein Ausmaß an, das die Behörden zum Einschreiten veranlasste.
Das Gesundheitsministerium gab offiziell bekannt, von dem angeblichen Todesfall sei nichts bekannt und die Gerüchte würden jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehren. Der Nachrichtenagentur Mena zufolge wurden drei Arbeiter einer Ölfirma festgenommen. Sie werden beschuldigt, das Gerücht in die Welt gesetzt zu haben. Ein ähnliches Gerücht über tödliche Zahlen per SMS hatte sich schon im Jahr 2007 in Ägypten ausgebreitet, war aber nach kurzer Zeit als Ente versandet und hatte keine offiziellen Stellungnahmen nach sich gezogen.
Im Mai letzten Jahres kursierte das Gerücht über tödliche SMS und den "Roten Ring" (gleichfalls mit Bezugnahme auf obigen Film) in Indonesien. Dem Blog "FutureIndonesia" zufolge wurden fünf Menschen in der Stadt Bungo in der Provinz Jambi durch das Gerücht in Mitleidenschaft gezogen. Sie hätten eine rot gefärbte SMS und sternchenübersäte Bilder empfangen und seien darüber so erschrocken, dass sie die Besinnung verloren hätten. Die Geschichte besteht aus einem Cocktail aus Infrarotstrahlung, angeblichen satanischen Zahlen wie 0866 und 0666 nebst einer modernisierten Version schwarzmagischer Fernwirkung per Mobilkommunikation.
Im April 2007 verursachte ein tödliches Virus, das angeblich durch Mobiltelefone übertragen wird, Panik in Pakistan und Afghanistan. Mobiltelefonbesitzer erhielten eine SMS mit dem Hinweis, sie würden durch ihr Handy mit einem tödlichen Erreger verseucht, gefolgt von dem Hinweis, er habe bereits 20 Menschenleben gefordert: "Eine Art Röntgenstrahlung oder ein Virus wird frei, wenn du einen Anruf von einer 12-stelligen Nummer erhältst, die 0099 enthält. Er überträgt ein Virus, das dein Gehirn schädigt und zum Tod führt. Das ist kein Witz." Die Agentur Reuters berichtete über Anrufe verängstigter Mobiltelefonbenutzer im Kundencenter des pakistanischen Mobilfunkbetreibers Warid Telecom.
Kaum etwas scheint dringender nötig, als das Projekt der Aufklärung mit aller Kraft fortzuführen. Information wird die Welt retten, so lautete die Vision der neunziger Jahre, der Zugriff auf das Wissen der Menschheit liege vor uns. Doch wo stehen wir heute? Noch sind nicht ganz so viele Menschen wie im Mittelalter wieder davon überzeugt, dass sich die Sonne um die Erde dreht, aber es wird daran gearbeitet. Die Globalisierung der Dummheit macht erstaunliche Fortschritte.
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