Bildung wird teuer
Bücherleihen kostet jetzt 30 Euro
Viola Volland, veröffentlicht am 16.05.2009
Stuttgart - Die Nutzung der Landesbibliothek ist nicht mehr kostenfrei. Laut der neuen Bibliotheksgebührenverordnung werden jetzt im Jahr 30 Euro fällig. Schüler, Studenten und Auszubildende sind davon aber ausgenommen.
Von Viola Volland
Seit einer Woche gilt in der Landesbibliothek eine neue Bibliotheksgebührenverordnung. Wer sich einen Ausweis holt oder seinen alten verlängert, muss nun 30 Euro zahlen. Ein Novum, denn bisher war die Nutzung kostenlos. Allerdings gibt es Ausnahmen: Schüler, Studenten und Auszubildende sind ausgenommen, genauso wie Beschäftigte des Landes, die die Bibliothek dienstlich aufsuchen. Zivildienstleistende, Arbeitslose und Hartz-IV-Empfänger zahlen die Hälfte, nämlich 15 Euro, für einen Benutzerausweis. Bei Personen, die die Bibliothek weniger als drei Monate benutzen, werden 8 Euro fällig.
Der Direktor der Landesbibliothek, Hannsjörg Kowark, macht keinen Hehl daraus, dass er nicht glücklich mit der Entscheidung des Landes ist: "Wir sind grundsätzlich der Meinung, dass Bildungseinrichtungen nicht mit Benutzungsgebühren belastet werden sollten", sagt Kowark. Auch der Aufwand für seine Mitarbeiter sei beträchtlich. Doch letztlich habe man nichts ausrichten können. Der Landesrechnungshof hatte bereits 2006 in seiner Denkschrift die Einführung einer Pauschale in Höhe von 30 Euro angeregt und 500.000 Euro an Mehreinnahmen errechnet.
Gebührenverordnung stößt auf Kritik
Im Dezember hatte die Landesbibliothek mit blauen Zetteln ihre Besucher erstmals darauf aufmerksam gemacht, dass die Gebührenverordnung novelliert und die Jahreskarte in Zukunft 30 Euro betragen werde - was auf Kritik gestoßen war. Seither sind Monate vergangen, und einige Nutzer hofften schon, es bleibe doch alles beim Alten. Die Anträge der Grünen und der SPD im Finanzausschuss des Landtags am 2. April, das Vorhaben noch zu kippen, scheiterten allerdings.
Die vom Rechnungshof geschätzte Höhe an Einnahmen wird von Kritikern angezweifelt. Studenten, die ja von der Gebühr ausgenommen sind, machen 52 Prozent der rund 37.000 Benutzer aus. "Die wirtschaftliche Effizienz einer solchen Maßnahme", kritisiert beispielsweise der Autor Christoph Wilhelmi, sei "äußerst dürftig und steht nicht im Verhältnis zum psychologischen Negativeffekt". Die Landesbibliothek selbst rechnet erstmal mit einem Rückgang der Nutzerzahlen. Die Erfahrung an den kommunalen Bibliotheken habe gezeigt, dass sich nach der Einführung zunächst ein Knick in der Statistik ergebe, so Kowark. "Im Lauf der Zeit hat sich das wieder stabilisiert - wir hoffen, dass die Qualität, die wir bieten, überzeugt."
Nutzer hoffen auf ein besseres Angebot
Bis jetzt werde von den Nutzern neben Kritik auch die Hoffnung geäußert, dass sich das Literaturangebot und die elektronische Ausstattung nun verbessere. So empfindet es der Direktor als eine Art Trostpflaster, dass die Mittel aus den Gebühren den beiden Einrichtungen in Stuttgart und Karlsruhe zugute kommen sollen. "Wir hatten seit fünf Jahren keine Etaterhöhung", betont Kowark - trotz regelmäßiger Preiserhöhungen bei Zeitschriften und notwendigen Investitionen.
Einige Nutzer klagen auch, sie fühlten sich nicht ausreichend informiert. Über E-Mail habe er zwei Tage nach der Novellierung erfahren, dass er, wenn sein Ausweis ausgelaufen sei, 30 Euro zahlen müsse, berichtet ein pensionierter Pfarrer. Er hätte eine E-Mail vor der Einführung angemessener gefunden. Kowark entgegnet, an allen Informationsstellen sei auf die Umstellung hingewiesen worden. Die E-Mails seien nur eine zusätzliche Information gewesen.
Von Viola Volland
Seit einer Woche gilt in der Landesbibliothek eine neue Bibliotheksgebührenverordnung. Wer sich einen Ausweis holt oder seinen alten verlängert, muss nun 30 Euro zahlen. Ein Novum, denn bisher war die Nutzung kostenlos. Allerdings gibt es Ausnahmen: Schüler, Studenten und Auszubildende sind ausgenommen, genauso wie Beschäftigte des Landes, die die Bibliothek dienstlich aufsuchen. Zivildienstleistende, Arbeitslose und Hartz-IV-Empfänger zahlen die Hälfte, nämlich 15 Euro, für einen Benutzerausweis. Bei Personen, die die Bibliothek weniger als drei Monate benutzen, werden 8 Euro fällig.
Der Direktor der Landesbibliothek, Hannsjörg Kowark, macht keinen Hehl daraus, dass er nicht glücklich mit der Entscheidung des Landes ist: "Wir sind grundsätzlich der Meinung, dass Bildungseinrichtungen nicht mit Benutzungsgebühren belastet werden sollten", sagt Kowark. Auch der Aufwand für seine Mitarbeiter sei beträchtlich. Doch letztlich habe man nichts ausrichten können. Der Landesrechnungshof hatte bereits 2006 in seiner Denkschrift die Einführung einer Pauschale in Höhe von 30 Euro angeregt und 500.000 Euro an Mehreinnahmen errechnet.
Gebührenverordnung stößt auf Kritik
Im Dezember hatte die Landesbibliothek mit blauen Zetteln ihre Besucher erstmals darauf aufmerksam gemacht, dass die Gebührenverordnung novelliert und die Jahreskarte in Zukunft 30 Euro betragen werde - was auf Kritik gestoßen war. Seither sind Monate vergangen, und einige Nutzer hofften schon, es bleibe doch alles beim Alten. Die Anträge der Grünen und der SPD im Finanzausschuss des Landtags am 2. April, das Vorhaben noch zu kippen, scheiterten allerdings.
Die vom Rechnungshof geschätzte Höhe an Einnahmen wird von Kritikern angezweifelt. Studenten, die ja von der Gebühr ausgenommen sind, machen 52 Prozent der rund 37.000 Benutzer aus. "Die wirtschaftliche Effizienz einer solchen Maßnahme", kritisiert beispielsweise der Autor Christoph Wilhelmi, sei "äußerst dürftig und steht nicht im Verhältnis zum psychologischen Negativeffekt". Die Landesbibliothek selbst rechnet erstmal mit einem Rückgang der Nutzerzahlen. Die Erfahrung an den kommunalen Bibliotheken habe gezeigt, dass sich nach der Einführung zunächst ein Knick in der Statistik ergebe, so Kowark. "Im Lauf der Zeit hat sich das wieder stabilisiert - wir hoffen, dass die Qualität, die wir bieten, überzeugt."
Nutzer hoffen auf ein besseres Angebot
Bis jetzt werde von den Nutzern neben Kritik auch die Hoffnung geäußert, dass sich das Literaturangebot und die elektronische Ausstattung nun verbessere. So empfindet es der Direktor als eine Art Trostpflaster, dass die Mittel aus den Gebühren den beiden Einrichtungen in Stuttgart und Karlsruhe zugute kommen sollen. "Wir hatten seit fünf Jahren keine Etaterhöhung", betont Kowark - trotz regelmäßiger Preiserhöhungen bei Zeitschriften und notwendigen Investitionen.
Einige Nutzer klagen auch, sie fühlten sich nicht ausreichend informiert. Über E-Mail habe er zwei Tage nach der Novellierung erfahren, dass er, wenn sein Ausweis ausgelaufen sei, 30 Euro zahlen müsse, berichtet ein pensionierter Pfarrer. Er hätte eine E-Mail vor der Einführung angemessener gefunden. Kowark entgegnet, an allen Informationsstellen sei auf die Umstellung hingewiesen worden. Die E-Mails seien nur eine zusätzliche Information gewesen.
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