Tipps zum Thema Tanken
Wer montags den Tank füllt, fährt am billigsten
Klaus Zintz, veröffentlicht am 18.05.2009
Eine der wenigen positiven Folgen der Wirtschaftskrise ist, dass die Spritpreise im Keller sind. Gleichwohl versuchen die Ölkonzerne, dort Geld zu verdienen, wo es geht: etwa durch höhere Preise vor den Ferien und am Wochenende oder durch besonders teuren Turbosprit.
Von Klaus Zintz
Tanken muss jeder Autofahrer. Und so sind die Preise für Benzin und Diesel ein Dauerthema. Wir haben - rechtzeitig vor den Pfingstferien - in unserer kleinen Tankkunde nützliche Tipps zusammengetragen.
Wann zur Zapfsäule?
Der regelmäßige Blick auf die Preisanzeigetafeln der Tankstellenketten lohnt sich: So wird dem Autofahrer schnell bewusst, wie gnadenlos er zur Kasse gebeten wird. Nun ist zwar hinlänglich bekannt, dass die Ölmultis immer rechtzeitig vor den Ferien kollektiv die Preise nach oben schrauben. Zum regelmäßig wiederkehrenden Ritual gehört dann auch, dass Verbraucherorganisationen und Politiker heftig schimpfen und nach dem Kartellamt rufen. Doch ebenso regelmäßig verlaufen diese Proteste im Sande.
Doch inzwischen drehen die Konzerne nicht nur wochenweise, sondern tageweise und oft sogar stündlich an den Spritpreisen - und das in recht beachtlichen Ausmaßen. So ist regelmäßig am Sonntagnachmittag ein Abwärtstrend erkennbar, der zumeist von Freien Tankstellen und Billigmarken eingeläutet wird. Am Montagvormittag sind dann in der Regel die Preise unisono im Keller. Oft steigen sie aber bereits zum Montagabend hin wieder an. Wer freitags tankt, der muss besonders tief in die Tasche greifen. Bei dieser Wochenrallye kann der Literpreis durchaus um bis zu zehn Cent schwanken. Nach Erhebungen des Autoclubs ADAC kostete bundesweit der Liter Benzin im vergangenen Jahr zu Wochenbeginn im Durchschnitt 1,370 Euro, während er am Freitag bei 1,402 Euro lag. Ganz ähnlich sah die Differenz mit 1,305 gegenüber 1,336 bei Diesel aus. Als zweitteuerster Tag ging der Mittwoch in die ADAC-Statistik ein.
Fazit: am billigsten fährt, wer immer dann tankt, wenn er ein günstiges Angebot sieht. Dabei kann es sich durchaus lohnen, seinen vielleicht erst halbleeren Tank bereits auf der Heimfahrt vom sonntäglichen Familienausflug zu füllen - oder aber gleich am Montag früh auf dem Weg zur Arbeit.
Auf Vorrat tanken?
Es ist schon verlockend, bei einem besonders niedrigen Spritpreis nicht nur den Tank randvoll zu machen, sondern auch gleich noch reihenweise Kanister abzufüllen und diese in der heimischen Garage zu lagern. Doch dieser Hamstermentalität hat der Gesetzgeber enge Grenzen gesetzt. So findet sich in der Garagenverordnung des baden-württembergischen Wirtschaftsministeriums unter der Rubrik Betriebsvorschriften folgender Hinweis: In Kleingaragen - also bis 100 Quadratmeter Nutzfläche - dürfen maximal 200 Liter Diesel und 20 Liter Benzin in "dicht verschlossenen, bruchsicheren Behältern außerhalb von Kraftfahrzeugen aufbewahrt werden". In Mittel- und Großgaragen ist die "Aufbewahrung von Kraftstoffen außerhalb von Kraftfahrzeugen unzulässig".
Für die Mitnahme von Reservekanistern im Auto gibt es laut ADAC in Deutschland keine ausdrückliche gesetzliche Regelung. Als Reservemenge werden 20 Liter im Pkw und 60 Liter im Lkw angesehen. In manchen Ländern, so beispielsweise in Luxemburg, ist überhaupt kein Reservekraftstoff im Auto erlaubt - hier wird der Extrasprit teuer, wenn man erwischt wird. Auch vom Zoll droht Ungemach, wenn man beim Grenzübertritt zu viel Kraftstoff in Kanistern gebunkert hat: Bei der Ein- und Ausreise in und aus Nicht-EU-Staaten ist alles zu verzollen, innerhalb der EU sind 20 Liter zollfrei.
Lohnt sich Turbosprit?
Mehr Leistung und leisere Motoren, dazu noch ein geringerer Verbrauch - all das sollen die "Premiumkraftstoffe" bringen, die manche der großen Ölkonzerne anbieten. Dank spezieller Zusätze sollen sie noch besser sein als Super plus mit seiner hohen Klopffestigkeit. Diese wird in Oktan gemessen. Je höher die Klopffestigkeit, desto mehr Leistung lässt sich aus einem Benzinmotor herauskitzeln - weshalb auch manch kleines Auto das teure Super plus mit 98 Oktan tanken muss. Beim Spitzendiesel wiederum sollen die Zusätze beispielsweise bewirken, dass Ablagerungen im Einspritzsystem abgebaut werden oder erst gar nicht entstehen. Dies sei ein Beitrag, dass der Dieselmotor "seine Fahrleistungen konsequent erbringen kann", verspricht beispielsweise die Werbung von Shell für V-Power-Diesel.
Für ihren Turbosprit, egal ob Benzin oder Diesel - verlangen die Konzerne allerdings einen happigen Preisaufschlag. Der ist nach Untersuchungen des ADAC jedoch nicht gerechtfertigt. Beim Superdiesel wurde zwar eine um bis zu 4,5 Prozent höhere Motorleistung gemessen - "was im Fahrbetrieb nicht stark auffällt", schreiben die ADAC-Tester. Der Verbrauch ging um bis zu 5,6 Prozent zurück, während die Emissionen keine einheitlich positive oder negative Tendenz zeigten. Noch größere Ernüchterung löste das 100-Oktan-Turbobenzin aus: Manche der getesteten Autos waren geringfügig leistungsfähiger und sparsamer, andere dagegen sogar etwas schlechter. Das ADAC-Urteil: "Der saftige Aufpreis hat sich in puncto Leistung für keines unserer Testfahrzeuge rentiert."
Wie steht es mit Normalbenzin?
Den Ölkonzernen ist diese mit 91 Oktan weniger klopffeste und damit eigentlich billigere Benzinsorte ein Dorn im Auge - es gibt sie nur noch in Deutschland und Österreich. Allerdings kommen hierzulande nach Schätzungen von Experten noch etwa acht Millionen Autos mit Normalbenzin zurecht. Seit die Konzerne aus, wie sie sagen, wirtschaftlichen Gründen jedoch für Normal und Super den gleichen Preis verlangen, ist die Versuchung für die Fahrer von Normalbenzinautos groß, gleich das vermeintlich bessere Super zu tanken. Und tatsächlich: "Es kann wegen der höheren Energiedichte von Super bei manchen Motoren zu positiven Effekten wie einer Einsparung von Kraftstoff kommen", meint dazu ADAC-Sprecher Maximilian Maurer. Bei anderen Normalbenzinmotoren habe Supersprit mit seinen 95 Oktan dagegen keinerlei einsparende oder leistungssteigernde Wirkung. Schaden kann Super einem Normalbenzinauto aber nicht. Und so dürften die Tage gezählt sein, an denen man überhaupt noch Normalbenzin tanken kann. Shell jedenfalls hat es seit vergangenem Herbst ganz aus seinem Angebot gestrichen.
Von Klaus Zintz
Tanken muss jeder Autofahrer. Und so sind die Preise für Benzin und Diesel ein Dauerthema. Wir haben - rechtzeitig vor den Pfingstferien - in unserer kleinen Tankkunde nützliche Tipps zusammengetragen.
Wann zur Zapfsäule?
Der regelmäßige Blick auf die Preisanzeigetafeln der Tankstellenketten lohnt sich: So wird dem Autofahrer schnell bewusst, wie gnadenlos er zur Kasse gebeten wird. Nun ist zwar hinlänglich bekannt, dass die Ölmultis immer rechtzeitig vor den Ferien kollektiv die Preise nach oben schrauben. Zum regelmäßig wiederkehrenden Ritual gehört dann auch, dass Verbraucherorganisationen und Politiker heftig schimpfen und nach dem Kartellamt rufen. Doch ebenso regelmäßig verlaufen diese Proteste im Sande.
Doch inzwischen drehen die Konzerne nicht nur wochenweise, sondern tageweise und oft sogar stündlich an den Spritpreisen - und das in recht beachtlichen Ausmaßen. So ist regelmäßig am Sonntagnachmittag ein Abwärtstrend erkennbar, der zumeist von Freien Tankstellen und Billigmarken eingeläutet wird. Am Montagvormittag sind dann in der Regel die Preise unisono im Keller. Oft steigen sie aber bereits zum Montagabend hin wieder an. Wer freitags tankt, der muss besonders tief in die Tasche greifen. Bei dieser Wochenrallye kann der Literpreis durchaus um bis zu zehn Cent schwanken. Nach Erhebungen des Autoclubs ADAC kostete bundesweit der Liter Benzin im vergangenen Jahr zu Wochenbeginn im Durchschnitt 1,370 Euro, während er am Freitag bei 1,402 Euro lag. Ganz ähnlich sah die Differenz mit 1,305 gegenüber 1,336 bei Diesel aus. Als zweitteuerster Tag ging der Mittwoch in die ADAC-Statistik ein.
Fazit: am billigsten fährt, wer immer dann tankt, wenn er ein günstiges Angebot sieht. Dabei kann es sich durchaus lohnen, seinen vielleicht erst halbleeren Tank bereits auf der Heimfahrt vom sonntäglichen Familienausflug zu füllen - oder aber gleich am Montag früh auf dem Weg zur Arbeit.
Auf Vorrat tanken?
Es ist schon verlockend, bei einem besonders niedrigen Spritpreis nicht nur den Tank randvoll zu machen, sondern auch gleich noch reihenweise Kanister abzufüllen und diese in der heimischen Garage zu lagern. Doch dieser Hamstermentalität hat der Gesetzgeber enge Grenzen gesetzt. So findet sich in der Garagenverordnung des baden-württembergischen Wirtschaftsministeriums unter der Rubrik Betriebsvorschriften folgender Hinweis: In Kleingaragen - also bis 100 Quadratmeter Nutzfläche - dürfen maximal 200 Liter Diesel und 20 Liter Benzin in "dicht verschlossenen, bruchsicheren Behältern außerhalb von Kraftfahrzeugen aufbewahrt werden". In Mittel- und Großgaragen ist die "Aufbewahrung von Kraftstoffen außerhalb von Kraftfahrzeugen unzulässig".
Für die Mitnahme von Reservekanistern im Auto gibt es laut ADAC in Deutschland keine ausdrückliche gesetzliche Regelung. Als Reservemenge werden 20 Liter im Pkw und 60 Liter im Lkw angesehen. In manchen Ländern, so beispielsweise in Luxemburg, ist überhaupt kein Reservekraftstoff im Auto erlaubt - hier wird der Extrasprit teuer, wenn man erwischt wird. Auch vom Zoll droht Ungemach, wenn man beim Grenzübertritt zu viel Kraftstoff in Kanistern gebunkert hat: Bei der Ein- und Ausreise in und aus Nicht-EU-Staaten ist alles zu verzollen, innerhalb der EU sind 20 Liter zollfrei.
Lohnt sich Turbosprit?
Mehr Leistung und leisere Motoren, dazu noch ein geringerer Verbrauch - all das sollen die "Premiumkraftstoffe" bringen, die manche der großen Ölkonzerne anbieten. Dank spezieller Zusätze sollen sie noch besser sein als Super plus mit seiner hohen Klopffestigkeit. Diese wird in Oktan gemessen. Je höher die Klopffestigkeit, desto mehr Leistung lässt sich aus einem Benzinmotor herauskitzeln - weshalb auch manch kleines Auto das teure Super plus mit 98 Oktan tanken muss. Beim Spitzendiesel wiederum sollen die Zusätze beispielsweise bewirken, dass Ablagerungen im Einspritzsystem abgebaut werden oder erst gar nicht entstehen. Dies sei ein Beitrag, dass der Dieselmotor "seine Fahrleistungen konsequent erbringen kann", verspricht beispielsweise die Werbung von Shell für V-Power-Diesel.
Für ihren Turbosprit, egal ob Benzin oder Diesel - verlangen die Konzerne allerdings einen happigen Preisaufschlag. Der ist nach Untersuchungen des ADAC jedoch nicht gerechtfertigt. Beim Superdiesel wurde zwar eine um bis zu 4,5 Prozent höhere Motorleistung gemessen - "was im Fahrbetrieb nicht stark auffällt", schreiben die ADAC-Tester. Der Verbrauch ging um bis zu 5,6 Prozent zurück, während die Emissionen keine einheitlich positive oder negative Tendenz zeigten. Noch größere Ernüchterung löste das 100-Oktan-Turbobenzin aus: Manche der getesteten Autos waren geringfügig leistungsfähiger und sparsamer, andere dagegen sogar etwas schlechter. Das ADAC-Urteil: "Der saftige Aufpreis hat sich in puncto Leistung für keines unserer Testfahrzeuge rentiert."
Wie steht es mit Normalbenzin?
Den Ölkonzernen ist diese mit 91 Oktan weniger klopffeste und damit eigentlich billigere Benzinsorte ein Dorn im Auge - es gibt sie nur noch in Deutschland und Österreich. Allerdings kommen hierzulande nach Schätzungen von Experten noch etwa acht Millionen Autos mit Normalbenzin zurecht. Seit die Konzerne aus, wie sie sagen, wirtschaftlichen Gründen jedoch für Normal und Super den gleichen Preis verlangen, ist die Versuchung für die Fahrer von Normalbenzinautos groß, gleich das vermeintlich bessere Super zu tanken. Und tatsächlich: "Es kann wegen der höheren Energiedichte von Super bei manchen Motoren zu positiven Effekten wie einer Einsparung von Kraftstoff kommen", meint dazu ADAC-Sprecher Maximilian Maurer. Bei anderen Normalbenzinmotoren habe Supersprit mit seinen 95 Oktan dagegen keinerlei einsparende oder leistungssteigernde Wirkung. Schaden kann Super einem Normalbenzinauto aber nicht. Und so dürften die Tage gezählt sein, an denen man überhaupt noch Normalbenzin tanken kann. Shell jedenfalls hat es seit vergangenem Herbst ganz aus seinem Angebot gestrichen.
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