Gesellschaft
Immer mehr Jugendliche sind psychisch krank
Markus Heffner, veröffentlicht am 19.05.2009
Stuttgart - Die Sozialpsychiatrischen Dienste in Stuttgart verzeichnen weiterhin steigende Fallzahlen. Allein die Anzahl der Patienten, die langfristig betreut werden müssen, hat im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent zugelegt.
Von Markus Heffner
Die jüngsten Studien der Krankenkassen sind alarmierend. So hat eine Untersuchung des AOK-Bundesverbandes zur Entwicklung von Fehlzeiten in Betrieben ergeben, dass psychische Erkrankungen im Jahr 2008 mit einem Anteil von 8,3 Prozent bereits der viert-häufigste Grund für das Fernbleiben von Arbeitnehmern waren. Und noch eine Zahl: laut Studie sind die Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen seit 1995 bundesweit um 80 Prozent gestiegen, bei gleichzeitigem Rückgang anderer Erkrankungen.
Eine Entwicklung, die sich seit Jahren auch in der Landeshauptstadt beobachten lässt. Allein die Zahl der Patienten, die langfristig betreut werden müssen, habe im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent zugenommen, erklärte Sozialbürgermeisterin Gabrielle Müller-Trimbusch am Montag im Gesundheitsausschuss. Insgesamt wurden 2008 rund 2000 psychisch erkrankte Menschen langfristig betreut (2007: 1770). Die Zahl der Anfragen sei um fünf Prozent auf 3250 gestiegen.
Hilfe auch für die Angehörigen
Konstant geblieben sei dagegen die personelle Ausstattung im Gemeindepsychiatrischen Dienst, mit momentan 23,5 Stellen habe man im Vergleich zum Jahr 2005 (24,8) sogar einen Abbau hinnehmen müssen. In Anbetracht dieser gegenläufigen Entwicklung müssten Maßnahmen ergriffen werden, um die steigende Zahl der Betroffenen zu versorgen, so Gabrielle Müller-Trimbusch. Eine frühere Beendigung der Betreuung sei seit 2007 ein erster Ansatz. Überlegt werden müsse auch, ob Hausbesuche reduziert und die Zeit zwischen Einzelkontakten von einer Woche auf zwei Wochen verlängert werden müssten. In der Praxis sei das längst passiert, betonte Klaus Obert, der Leiter des Bereichs sucht- und sozialpsychiatrische Hilfen beim Caritasverband Stuttgart. "Die Versorgungslage hat sich deutlich verschlechtert."
Sorge bereitet der Sozialbürgermeisterin vor allem die Situation junger Menschen, die offenbar in zunehmendem Maße psychisch erkranken. Für diese Gruppe brauche man eine Perspektive, bevor sie zu Langzeitpatienten würden. Schnelle Hilfe benötigten zudem die Kinder von psychisch erkrankten Eltern; derzeit seien in Stuttgart 440 betroffen. Fast 300 dieser Kinder würden mit den psychisch kranken Eltern, die von den Diensten betreut werden, in einem Haushalt leben. Gerade sie sollten stärker in den Fokus der Aufklärung gerückt werden: "Dafür müssen wir Konzepte erarbeiten."
Von Markus Heffner
Die jüngsten Studien der Krankenkassen sind alarmierend. So hat eine Untersuchung des AOK-Bundesverbandes zur Entwicklung von Fehlzeiten in Betrieben ergeben, dass psychische Erkrankungen im Jahr 2008 mit einem Anteil von 8,3 Prozent bereits der viert-häufigste Grund für das Fernbleiben von Arbeitnehmern waren. Und noch eine Zahl: laut Studie sind die Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen seit 1995 bundesweit um 80 Prozent gestiegen, bei gleichzeitigem Rückgang anderer Erkrankungen.
Eine Entwicklung, die sich seit Jahren auch in der Landeshauptstadt beobachten lässt. Allein die Zahl der Patienten, die langfristig betreut werden müssen, habe im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent zugenommen, erklärte Sozialbürgermeisterin Gabrielle Müller-Trimbusch am Montag im Gesundheitsausschuss. Insgesamt wurden 2008 rund 2000 psychisch erkrankte Menschen langfristig betreut (2007: 1770). Die Zahl der Anfragen sei um fünf Prozent auf 3250 gestiegen.
Hilfe auch für die Angehörigen
Konstant geblieben sei dagegen die personelle Ausstattung im Gemeindepsychiatrischen Dienst, mit momentan 23,5 Stellen habe man im Vergleich zum Jahr 2005 (24,8) sogar einen Abbau hinnehmen müssen. In Anbetracht dieser gegenläufigen Entwicklung müssten Maßnahmen ergriffen werden, um die steigende Zahl der Betroffenen zu versorgen, so Gabrielle Müller-Trimbusch. Eine frühere Beendigung der Betreuung sei seit 2007 ein erster Ansatz. Überlegt werden müsse auch, ob Hausbesuche reduziert und die Zeit zwischen Einzelkontakten von einer Woche auf zwei Wochen verlängert werden müssten. In der Praxis sei das längst passiert, betonte Klaus Obert, der Leiter des Bereichs sucht- und sozialpsychiatrische Hilfen beim Caritasverband Stuttgart. "Die Versorgungslage hat sich deutlich verschlechtert."
Sorge bereitet der Sozialbürgermeisterin vor allem die Situation junger Menschen, die offenbar in zunehmendem Maße psychisch erkranken. Für diese Gruppe brauche man eine Perspektive, bevor sie zu Langzeitpatienten würden. Schnelle Hilfe benötigten zudem die Kinder von psychisch erkrankten Eltern; derzeit seien in Stuttgart 440 betroffen. Fast 300 dieser Kinder würden mit den psychisch kranken Eltern, die von den Diensten betreut werden, in einem Haushalt leben. Gerade sie sollten stärker in den Fokus der Aufklärung gerückt werden: "Dafür müssen wir Konzepte erarbeiten."
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